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Was die grausame Verletzung von Gordon Hayward für die übrige Saison der Celtics bedeutet

Noch vor dem Ende des ersten Viertels der Saison war die Saisonplanung in Boston auf den Kopf gestellt

Was die grausame Verletzung von Gordon Hayward für die übrige Saison der Celtics bedeutet 19. Oktober 20177 Comments

Redakteur

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Gänsehaut, Appetitlosigkeit und pures Entsetzen vermischen sich zu einem Gefühl, dem man sich angesichts der schweren Verletzung von Gordon Hayward wohl kaum entziehen kann.

Egal, ob Basketball-Fan oder nicht — die schrecklichen Bilder aus Cleveland sorgen für Sprachlosigkeit. Trotzdem versuche ich aufzuarbeiten, was die Verletzung für den weiteren Saisonverlauf der Boston Celtics bedeutet — und was sie bei mir ganz persönlich auslöst.

Wenn (Alp-)Träume wahr werden

Als ich Mittwochmorgen voller Vorfreude auf mein iPhone schaute, wollte ich eigentlich lesen, dass sich Kyrie Irving und LeBron James ein erbittertes Duell geliefert hatten. Dass mein Team, die Boston Celtics, ihren Saisonauftakt erfolgreich bestreiten konnten. Dass die neue NBA-Saison mit einem Paukenschlag eröffnet wurde.

Es dauerte nicht lange, bis ich merkte, dass es tatsächlich einen Paukenschlag gegeben hat — leider einen wenig erfreulichen. Nach gerade einmal fünf Minuten auf dem Parkett, brach sich Gordon Hayward seinen linken Knöchel und zog sich eine Fraktur des Tibiakopfes zu. Mir war sofort klar, dass ich diese schrecklichen Bilder nicht sehen will. Ich bin kein Fan davon, bei egal welcher Verletzung, noch 15 verschiedene Kameraperspektiven und Zeitlupen einzuspielen. Niemand sollte diese perversen Bilder sehen müssen. Der blasse Gesichtsausdruck von Hayward genügte mir, um zu verstehen, was passiert ist.

Das Comeback wird für Gordon Hayward die größte Herausforderung

Verletzungen gehören zum Sport. Sie holen uns immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und treffen uns härter, als eine knappe Niederlage gegen den Erzrivalen. Auf dem Spielfeld stehen unsere Vorbilder, Idole und Helden — Menschen aus Fleisch und Blut. Es bleibt zu hoffen, dass Gordon Hayward von den Bildern der Verletzung nicht so verfolgt wird, wie die Fans vor den Bildschirmen.

Eine Verletzung ist das eine, die Erinnerung daran das andere. Die Rehabilitation des Small Forwards dürfte ihn deshalb nicht nur in den Kraftraum führen, sondern auch zum Sportpsychologen. Die mentale Stärke ist meist sogar wichtiger als die körperliche. Auf Hayward wartet die wohl größte Herausforderung seiner Karriere. Man kann ihm dabei nur die besten Wünsche für eine schnelle Genesung übermitteln.

Wie gehen die Boston Celtics damit um?

Gordon Hayward ist für Boston nicht zu ersetzen. Punkt.

Es ist zwar beeindruckend, wie gut sich das Team nach der Horror-Verletzung präsentierte, der große Schock wird aber wahrscheinlich noch kommen. Direkt nach dem Spiel in Cleveland warteten die Milwaukee Bucks und die Celtics unterlagen aufgrund vieler kleiner Fehler und Ungenauigkeiten. Ein erstes Anzeichen für Verunsicherung?

Headcoach Brad Stevens muss sich Wege einfallen lassen, wie er die Last auf mehrere Schultern verteilen kann. Gerade die jungen Spieler, wie Jaylen Brown oder Jayson Tatum, müssen also noch schneller in ihre Rollen wachsen und Führungsaufgaben übernehmen.

Mit Marcus Morris fehlt verletzungsbedingt ein Spieler, der die Startaufstellung in ein bis zwei Wochen vervollständigen kann und so neuen Spielraum schafft. Bis dahin treten die Celtics mit einer sehr dünnen Bank an. Ein Gedanke, der vielen Fans und ExpertInnen allerdings Kopfschmerzen bereitet, ist das Teamgefüge. Mit über zehn neuen Spielern im Kader muss sich erst ein Fundament bilden. Das Team besitzt noch keinen richtigen Charakter und muss auf unbestimmte Zeit auf den designierten Anführer Hayward verzichten.

Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass die Celtics auf dem Free-Agent-Markt zuschlagen und einen erfahrenen Veteranen für die Flügelposition verpflichten werden. Gehandelt werden bekannte Namen, wie zum Beispiel David Lee, Josh Smith, Tiago Splitter oder Monta Ellis. Die Eingewöhnung eines neuen Leistungsträgers dürfte in der frühen Saisonphase noch etwas leichter fallen, allerdings wird es ohne Hayward vorerst keine “Big Three” geben.

Wie stehen die Titelchancen?

Die Erwartungshaltung in Boston hat natürlich einen herben Dämpfer bekommen. Angesichts der starken Neuverpflichtungen ist jedoch davon auszugehen, dass die Verantwortlichen trotzdem einen Platz in den Top 5 anpeilen. Die Qualifikation für die Playoffs sollte aufgrund der schwachen Konkurrenz kein Problem sein. Im Kampf um den Titel dürften die Männer in Grün allerdings nur noch eine völlige Außenseiterrolle einnehmen. Ohne Hayward fehlt dem Team einfach ein Spieler, der offensiv und defensiv konstant Einfluss ausüben kann und wenige Schwachstellen in seinem Spiel besitzt.

Im Kader steckt trotzdem noch jede Menge Talent und das Team ist gerade erst dabei, sich zu finden. Zu Saisonbeginn ist die schwere Verletzung von Hayward noch etwas leichter zu verarbeiten als im Februar oder März, zumal ein erfahrener Spieler nachverpflichtet werden kann. Die Franchise aus “Beantown” wird den eingeschlagenen Weg also weitergehen — der 18. Titel bleibt mittelfristig das Ziel! Sobald Hayward wieder auf dem Parkett steht, zählen die Celtics zu den besten Teams der Liga.

kultort.at auf Twitter: @kultort

[Foto: Screenshot via TNT/nba.com]

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