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‘Stranger Things’: Der letztjährige Überraschungshit befördert uns wieder in die 1980er

Kann ‘Stranger Things’ mit der zweiten Staffel ihren Hype beibehalten?

‘Stranger Things’: Der letztjährige Überraschungshit befördert uns wieder in die 1980er 27. Oktober 20172 Comments

Ressortleiter Popkultur

Bei vielen Serienjunkies wird der Sommer 2016 in Erinnerung bleiben. Denn damals brachte Netflix ihre Eigenproduktion Stranger Things heraus, die auf Anhieb KritikerInnen sowie Fans begeistern konnte. Am 15. Juli des vergangenen Jahres erschien die komplette achtteilige Staffel, die später für zwei Golden Globes nominiert wurde. Dementsprechend groß ist nun der Hype auf die zweite Staffel, wenn am 27. Oktober auf Netflix alle neun Folgen verfügbar sein werden. Doch was macht Stranger Things zu einer der besten Serien des letzten Jahres? Und was dürfen wir uns für die zweite Staffel erwarten?


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Eine Hommage an die Sci-Fi-Dekade

1983, die Kleinstadt Hawkins im US-Bundesstaat Indiana. Nach einem nächtlichen Dungeons and Dragons-Spiel mit seinen Freunden verschwindet Will Byers (Noah Schnapp) spurlos. Während seine Mutter und sein Bruder verzweifelt nach ihm suchen, bemühen sich auch seine Spielgefährten ihn zu finden. Dabei treffen die Jungs auf ein verwahrlostes, verstörtes Mädchen, das später von ihnen mit dem Namen Eleven oder “El” (Millie Bobby Brown) aufgrund ihres Tattoos “011” getauft wird.

In den folgenden Episoden begleiten wir die Charaktere, wie sie nach und nach in Kontakt mit übernatürlichen Phänomenen treten, um so auf die Spur des entführten Will zu kommen. Mehr soll über die Handlung nicht verraten werden. Braucht jedoch jemand eine Auffrischung, dem sei es ans Herz gelegt, das folgende Video anzusehen, bei dem wesentliche Ereignisse der ersten Staffel als 80er-Jahre-Videospiel inszeniert wurden:

Eben jene Retro-Inszenierung der 1980er ist das Alleinstellungsmerkmal, das die Serie so erfolgreich macht. Die Darstellung erinnert schnell an Sci-Fi-Klassiker dieser Dekade, wie E.T., Alien oder Das Ding aus einer anderen Welt. Die Duffer-Brüder, Showrunner der Serie, haben in einem Interview erklärt, dass sie Stranger Things bewusst in Anlehnung an einige solcher Kultfilme halten wollen. Das schaffen sie auch: Zum einen ähnelt die Inszenierung und die narrative Erzählstruktur dem 80er-Stil, zum anderen garantiert die heutige Filmtechnik eine fantastische Visualität.

Neben den Einflüssen der Klassiker aus den 1980er Jahren spielen die Macher oftmals mit Verweisen auf die damalige Popkultur. In jeder Episode gibt es etliche Bezüge, die den damaligen Zeitgeist noch besser aufgreifen und raffiniert in die Handlung einbetten. Musikalisch hält sich Stranger Things an die damalige Zeit: entweder mit neueren Retro-Soundtracks oder damaligen Hits. Bestes Beispiel: “Should I Stay or Should I Go” von The Clash. Als 90er-Kind habe ich sicherlich nur einen Teil dieser popkulturellen Verweise verstanden, jedoch schafft es die Serie trotzdem, dem Publikum diesen Zeitgeist nahezubringen.

© Netflix
Nostalgie, Identifikation und Empathie

Manchmal könnte man meinen, dass sich die Macher auf zu viele Klischees von damals verlassen und in gewisser Weise tun sie das auch. Durch diese übermäßige Verwendung kam es für viele Serien schon zum Overkill — nicht aber bei Stranger Things. Die Duffer-Brüder stellen eine authentische Identifikation mit den Charakteren her, allen voran den Kindern. Statt Dungeons and Dragons, erinnert sich unsere 90er-Generation an Yu-Gi-Oh!-Mittagspausen, an RTL2-Nachmittage mit Dragonball oder an erlebte Abenteuer. Trotz dem 80er-Jahre-Setting scheint es, als schaffe es Stranger Things, dass das Publikum durch die Identifikation mit den Protagonisten nostalgisch auf jede individuelle Kindheit zurückblicken kann.


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Darüber hinaus investiert die Serie viel Zeit in die Konstruktion der Charaktere und deren Beziehungen. Vor allem die mütterliche Liebe von Joyce Byers (Wynona Ryder) weckt beim Publikum eine riesige Empathie. Die Verzweiflung und der Wille, für ihren Sohn durchs Feuer zu gehen, erzeugt durch die grandiose schauspielerische Leistung von Ryder eine emotionale Achterbahnfahrt. Nebenbei vermittelt Stranger Things das wichtige Band der Freundschaft, als die Freunde des entführten Will alles geben, um den vermissten Jungen zu finden. Die hervorgerufenen Emotionen beim Publikum sind originell, authentisch und erschaffen eine regelrechte Greifbarkeit mit den Protagonisten.

Kann Stranger Things den Hype beibehalten?

Der Trailer zur zweiten Staffel impliziert die atmosphärische Darstellung, durch welche sich Stranger Things bereits bei seinem Debüt auszeichnen konnte. Die Duffer-Brüder vertrauen auf die Stärken der Serie und generieren bereits bei der Vorschau wahrliche Gänsehautmomente. Ein Jahr nach der Entführung von Will Byers scheint die Stadt Hawkins aufs Neue nicht vor übernatürlichen Kräften geschützt zu sein. Somit begeben wir uns ein weiteres Mal auf die Suche nach den Gründen für die rätselhaften Ereignisse — der Trailer deutet auf eine noch größere Bedrohung hin.

Zwar legt der Überraschungshit des Vorjahres für die kommende Staffel eine hohe Messlatte, jedoch verspricht der Trailer, dass Stranger Things abermals da anschließen kann, womit es das Publikum im Vorjahr gefangen hat. Wenn es gelingt, dass der/die ZuseherIn abermals durch ein solch traumhaftes, nostalgisches Ambiente geführt wird und sich der melancholischen und emotionalen Inszenierung hingeben muss, bleibt Stranger Things einer der größten Favoriten für die Golden Globes.

Christian auf Twitter: ch_haslinger9

[Foto: © Netflix]

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