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Moglee im Interview: Das Debüt bleibt ein Geheimnis

Vom Money-Boy-DJ MacMoet zu Moglee: über musikalische Selbstfindung und neue Projekte

Moglee im Interview: Das Debüt bleibt ein Geheimnis 31. Oktober 2017Leave a comment

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Moglee ist Hip-Hop-Künstler aus Wiener Neustadt und mehr Sänger als Rapper. Mit seinem letzten Mixtape Lowkey, das von Chicho produziert wurde, hat er schon einen “Schritt in die richtige Richtung” gewagt, wie er es selbst beschreibt. Das erste Album, das noch völlig unbekannt ist, soll ohne viel Promotion à la Kendrick Lamar erscheinen. Dabei werden vor allem Motive wie Selbstfindung und Authentizität im Fokus stehen.

Somit bleibt das Album noch ein großes Geheimnis, aber man kann schon verraten, dass musikalische und persönliche Grenzen überschritten werden. Details zu diesem Zukunftsprojekt und seinem jetzigen Karrierewandel hat uns Moglee in einem persönlichen Gespräch verraten.

kultort.at: Du hast vorher MacMoet geheißen. Sind Moglee und MacMoet derselbe oder gibt es da Unterschiede?

Moglee: MacMoet ist tot. [Beide lachen] Ich habe mich umbenannt, weil ich begonnen habe, meine Musik ernster zu nehmen und mich musikalisch in eine andere Richtung zu entwickeln. Da hat der Name MacMoet nicht mehr gepasst. Aber ich war lange Tour-DJ von Money Boy und da hieß ich eben so.

Das heißt, du bist nicht mehr als Tour-DJ für Money Boy unterwegs?

Ich mache es schon noch ab und zu, aber ich konzentriere mich gerade mehr auf meine eigene Musik. Ich würde sagen, sie gehört in eine andere musikalische Richtung. Sprachlich gesehen, zum Beispiel, verstelle ich mich beim Singen nicht. Das heißt: Ich singe nicht erzwungen hochdeutsch, sondern ich singe so, wie ich auch spreche. Da ich aus Wiener Neustadt komme und in Wien lebe, hört man das auch.

Musikalisch gesehen habe ich in einer Punk-Rock-Band angefangen, als ich zwölf war. Das habe ich dann, während ich DJ war, ein bisschen beiseitegelegt. In der Band habe ich viel Gitarre gespielt, deswegen versuche ich jetzt auch meinen Gitarren-Ursprung mit Hip-Hop zu verbinden. Auf dem Album ist das dann zu hören.

© Sophie Riedler

Steht man dann unter Druck, auf eine bestimmte Art Musik zu machen oder über gewisse Themen zu schreiben, wenn man bei Money Boy war?

Ja, genau. Als ich noch MacMoet war, habe ich ein paar Lieder aus Spaß gemacht, das waren aber eigentlich “Fake-Sachen”. Diese zeigen nicht unbedingt, wie ich war oder bin. Jetzt arbeite ich am Album, das bald rauskommen sollte. Darin sind Themen enthalten, die mich gerade komplett beschäftigen, nämlich Selbstfindung und ernstere Sachen. Das ist etwas Anderes als das “Fake-Rap-Ding”, das gerne gemacht wird: Lieder über Autos, Frauen und so weiter — das bin aber nicht wirklich ich, deswegen wird es um ernstere Themen gehen.

Das Authentischsein fällt auch bei deinen Liedern auf. Du hast als letzte Songs “True (prod. by Chicho)” und “Randy & Znojmo” herausgebracht, die sich genau darauf beziehen. Wie wichtig ist dieses Authentischsein als Künstler für dich?

Für mich war es an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, da ich mein ganzes Leben versucht habe, irgendwelchen Leuten zu gefallen. Im Endeffekt soll es mir gefallen, auch wenn es niemand anderer hört. Wenn es für mich nicht passt, dann kann es für jemand anderen auch nicht passen.

Ist das seit deinem letzten Mixtape Lowkey so?

Ja, Lowkey war ein Schritt in diese Richtung, aber ich kann heute nicht zu hundert Prozent dahinterstehen. Hinter dem neuen Album, an dem ich gerade arbeite, aber schon. Ich habe nämlich das Gefühl, dass ich mit diesem Album schön langsam da ankomme, wo ich eigentlich musikalisch hinwill.

Worum wird es im Album thematisch und musikalisch gehen?

Darin wird es sehr viel um Selbstfindung gehen. Ich habe mich in letzter Zeit oft auf andere Menschen verlassen und habe dann für mich verstanden: Am wichtigsten ist, dass du mit dir selber zufrieden bist und dass du dahinterstehen kannst. Authentischsein ist das Wichtigste.

Von Lowkey unterscheidet es sich, weil wir alles selbst eingespielt haben. Die Gitarren habe hauptsächlich ich gemacht — bis auf den letzten Song, den hat einer meiner besten Freunde eingespielt, sein Künstlername ist the last cell. Musikalisch hat das super gepasst, weil er saugut Gitarre spielt und das auch studiert hat. Der Hauptunterschied wird also sein, dass es mehr instrumental wird.

Das Album haben wir großteils in einer Waldhütte recordet. Wir sind eine Woche nach Tschechien gefahren und haben dort das grobe Konzept des Albums und die meisten Aufnahmen gemacht. Das letzte Lied ist eigentlich an die Zeit in dieser Hütte angelehnt.


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Aus musikalischer Perspektive merkt man Instrumental- und R&B-Einflüsse in deiner Musik. Würdest du das auch selber so sagen?

Ja, schon. Ich glaube, dass ich besser singen als rappen kann. Da fühl ich mich wohler. Ich bin jetzt sicher nicht der beste Sänger und werde es auch bestimmt nie sein, aber es fühlt sich einfach besser an. Rappen macht mir auch Spaß, aber Singen ist melodischer.

© Sophie Riedler

Es geht bei dir viel darum, Grenzen zu sprengen — dieses starre Bild aufzubrechen, wie ein Hip-Hop-Künstler sein soll. Kann man das so sagen?

Total. Jeder soll das leben, was er leben will — warum nicht auch in der Musik? Die, die Grenzen ausreißen, sind für mich immer die Vorbilder. Falco, zum Beispiel, war genauso geil. Post Malone ist in der Beziehung auch definitiv ein Vorbild, aber ich bin kein Fan davon, irgendjemanden Eins zu eins nachzumachen. Inspirationen sind wichtig, aber im Endeffekt muss man seinen eigenen Weg finden.

Gibt es vorab schon Singles, die du herausbringen wirst?

Wir überlegen, zwei oder drei Videos zu machen und vorher zu veröffentlichen. Zum alten Mixtape haben wir auch zwei Videos gedreht: “Klar” und “Shabanak”. Ich finde, dass sie sehr nice gemacht sind, aber dass sie keine Story haben. Meiner Meinung nach ist es in vielen Rap-Videos der Fall, dass einfach nur gefilmt und performt wird, aber dass die Geschichte dahinter fehlt.


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Du planst ein Album und kein Mixtape. Was ist denn für dich die Bedeutung von einem Album?

Für mich ist es ein Album und kein Mixtape, weil ich eine Story dahinter sehe. Vom ersten bis zum letzten Song ergibt das Album für mich einen roten Faden. Das hat alles einen Zusammenhang, es beschreibt einfach mein Leben in den letzten zwei Jahren. Ich finde Mixtapes und Alben gut, aber ein Album hat für mich immer mehr Hintergrund. Künstlern sind Alben immer mehr wert, als was Anderes, glaube ich. Das Ziel ist, dass man beim Hören und Sehen versteht, was die Story dahinter ist. Mal schauen, ob das dann beim neuen Album auch so rüberkommt.

Gibt es noch etwas, was du zu deinen Fans oder zum Album sagen möchtest?

Ich freu mich einfach extrem auf das, was kommen wird: auf den Release vom Album. Ich warte schon sehnsüchtig darauf.

Magdalena Korecka studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Anglistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien.

kultort.at auf Twitter: @kultort

Ein besonderes Dankeschön geht an Sophie Riedler für die Fotos des Interviews.

[Foto: © Alexander Redl/Illustration von James P. Platzer]

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