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Jupp Heynckes: Liebesgrüße aus München

Warum der FC Bayern München mit Jupp Heynckes heuer wieder den großen Coup schaffen könnte

Jupp Heynckes: Liebesgrüße aus München 2. November 20171 Comment

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Während andere Vereine in der deutschen Bundesliga jährlich darum kämpfen, die Konstanz zu halten, lacht der FC Bayern München seit der Saison 2012/13 von der Spitze. Das Kunststück, fünfmal in Folge deutscher Meister zu werden, gelang dem Rekordmeister davor noch nie. Die Dominanz auf heimischen Boden ist in der Gegenwart also unumstritten. Gerade deswegen sind die Erwartungen an den Trainer an der Säbener Straße enorm hoch — Vorstand, Fans und Spieler erwarten sich internationale Erfolge. Mit dem Champions-League-Triumph im rein deutschen Finale der Saison 2012/13 gegen Borussia Dortmund liegt der letzte internationale Titel mittlerweile schon über vier Jahre zurück. Mit dem erneuten Engagement von Erfolgstrainer Jupp Heynckes (Anfang Oktober 2017) soll der Europapokal wieder nach München geholt werden.

Jupp Heynckes und der “FCB”

Bereits von 1987 bis 1991 betreute Heynckes ein erstes Mal den FC Bayern München. Nachdem er das Traineramt übernommen hatte, konnte er 1989 und 1990 jeweils die Meisterschaft ins Olympiastadion, die damalige Heimat der Münchener, holen. In heimischen und internationalen Pokalen war man allerdings weniger erfolgreich. Nach einem verpatzten Saisonstart 1991 und einer peinlichen Niederlage im Cup gegen den Zweitligaklub FC Homburg kam der unrühmliche Abschied. Von den Medien vorangetrieben war der Druck an den Bayern-Vorstand zu groß. Heynckes musste gehen, der größte Fehler in der Karriere von Uli Hoeneß, wie er Jahre später selbst zugeben sollte.


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Zu einem kurzen Wiedersehen kam es in der Saison 2008/09. Heynckes ersetzte den erfolglosen Jürgen Klinsmann lediglich für zwei Monate und rettete den zweiten Platz. Er erfüllte seine Pflicht und schaffte die direkte Champions-League-Qualifikation, danach übernahm Louis van Gaal die Dienste des Cheftrainers. Nach einer guten Saison mit dem Double-Gewinn aus Meisterschaft und Pokal kam für den Holländer in der darauffolgenden Spielzeit bereits wieder das Aus.

Der größte Erfolg des FC Bayern

Heynckes folgte van Gaal und erhielt einen Zweijahresvertrag, er sollte (wiedermal) den Erfolg nach München zurückholen. In der ersten Saison aber schien das Pech an den Schuhen der Bayern-Spieler zu kleben. Man wurde nur Vizemeister hinter Borussia Dortmund und verlor auch das Pokalfinale gegen den “BVB”. Negativer Höhepunkt war das “Finale dahoam” in der Champions League, als man sich vor eigenem Publikum dem FC Chelsea im Elfmeterschießen geschlagen geben musste. Viele sahen eine frühzeitige Entlassung von Heynckes bereits als besiegelt. Ein Fußballjahr in München ohne Titel muss eben seinen Tribut zollen.

Entgegen den Erwartungen wurde Sportdirektor Christian Nerlinger durch Matthias Sammer ersetzt, Heynckes durfte seinen Vertrag erfüllen und bekam eine weitere Chance. Es schien so, als ob Hoeneß den Fehler der undurchdachten Entlassung kein zweites Mal machen wollte. Diese Entscheidung sollte im wahrsten Sinne des Wortes “goldwert” sein.

In der Saison 2012/2013 konnten die Bayern alles gewinnen, was es im Vereinsfußball zu gewinnen gibt. Gleich zu Beginn gewann man den Supercup gegen den Hauptkonkurrenten aus Dortmund. Die nationale Meisterschaft verlief danach ganz und gar ohne Komplikationen — bereits am 28. Spieltag war man uneinholbar an erster Stelle.

Nachdem man sich in der Vorsaison die Zähne an der Borussia ausgebissen hatte, war der Champions-League-Triumph im Wembley Stadium gegen ebendiese umso schöner. Das Märchen wurde mit dem Sieg im Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart und dem erstmaligen deutschen Gewinn eines Triples (nationale Meisterschaft, nationaler Pokal, Champions League) besiegelt. An die Impressionen rund um diese Geschehnisse erinnert man sich (als Bayern-Fan) gerne zurück.

Die Zeit nach dem Triple

Heynckes verlängerte seinen Vertrag nicht und mit Pep Guardiola konnte sich Bayern einen der besten Trainer auf dem Markt sichern. Doch was kann man sich von einem neuen Trainer nach dem Triple-Gewinn erwarten? Die Ansprüche waren hoch und Guardiola machte seinen Job gut. In seinen drei Jahren holte er immer die deutsche Meisterschaft, zweimal den nationalen Pokal und erreichte in allen drei Jahren das Halbfinale der Champions League. Dort schied man allerdings jeweils gegen die spanischen Topklubs Real Madrid, FC Barcelona und Athletico Madrid aus. Vielleicht verlängerte Guardiola seinen Vertrag gerade deswegen nicht, weil er kein Rezept gegen die Vertreter von der iberischen Halbinsel fand.


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Carlo Ancelotti wurde vom Bayern-Vorstand als der richtige Mann gesehen, um den Spaniern den Kampf anzusagen. Er kennt die spanischen Gepflogenheiten gut, holte er doch mit Real Madrid 2013/14 die Champions League. Obwohl er die deutsche Meisterschaft 2016/17 gewinnen konnte, entstand keine innige Beziehung zwischen dem introvertierten Italiener und seiner Mannschaft. Rätselhafte Aufstellungen und ein — für Bayern-Verhältnisse — mäßiger Saisonstart in der aktuellen Spielzeit kosteten ihm Ende September das Traineramt.

Jupp Heynckes ist zurück

Wenn jemand weiß, wie man mit dem FC Bayern München arbeitet, dann ist es wohl Jupp Heynckes. Er kennt das gesamte Umfeld, wird von jedem geschätzt und respektiert. Vor allem aber ist ihm der Verein wichtig. Heynckes betont selbst, dass er es nicht nötig hätte, noch einmal ins Profigeschäft zurückzukehren, er hat schließlich alles im Vereinsfußball erreicht und zählt mit 72 Jahren ohnehin schon zu den älteren Semestern unter seinesgleichen. Es geht ihm nur um die Ambitionen des FC Bayern München. Und genau deswegen kann das Gefüge “Heynckes-Bayern” nur funktionieren. Es ist ein Arbeiten unter Freunden, das vermittelt Heynckes auch der Mannschaft.

Heynckes hat 2013 als Triple-Gewinner den FC Bayern verlassen. Ob dieses Unterfangen in dieser Saison wieder verwirklicht werden kann, werden die nächsten Monate zeigen. Er hat es schon einmal geschafft, wieso also nicht auch ein zweites Mal.

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[Foto: Doha Stadium Plus Qatar/Flickr/CC BY 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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