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Können die Orlando Magic die größte Überraschung der Saison werden?

Nach einem fulminanten Saisonstart gilt es für die Orlando Magic ihre starke Form zu bestätigen

Können die Orlando Magic die größte Überraschung der Saison werden? 8. November 2017Leave a comment

Redakteur

Die NBA-Saison 2017/18 ist noch jung, die Ereignisse auf dem Parkett überschlagen sich aber schon jetzt. Angefangen mit der schweren Verletzung von Gordon Hayward, gefolgt vom absolut unwürdigen Auftritt der Golden State Warriors, der zu einer Sperre von Kevin Durant und Stephen Curry führte, bis hin zur 57-Punkte-Performance von LeBron James. Das Spektakel ist zurück auf dem Hartholz!

Am unteren Ende der Tabelle finden sich die Teams, die man vor der Saison mehr oder weniger dort erwartet hatte: Chicago und Brooklyn im Osten, Sacramento, Phoenix und Dallas im Westen. Doch ein Team sucht man dort vergeblich — die Orlando Magic.

Der Erfolg liegt lange zurück

Seit 2011/12 konnten sich die Magic nicht mehr für die Playoffs qualifizieren und nie mehr als 35 Saisonspiele gewinnen. Für die Fans der einst stolzen Franchise um Penny Hardaway, Shaquille O’Neal und Tracy McGrady eine lange Geduldsprobe.

Oft wurde den Verantwortlichen in der Chefetage völlige Planlosigkeit vorgeworfen. Hoffnungsträger wie Tobias Harris und Serge Ibaka wurden nach kurzer Zeit wieder transferiert, vielversprechende Talente wie Victor Oladipo oder Mario Hezonja konnten der Franchise nie ihren Stempel aufdrücken.

Auch auf der Trainerbank suchte man seit 2012 nach dem richtigen Mann. Jacque Vaughn (2012-2015) konnte lediglich 26,9 % seiner Spiele gewinnen, Interimscoach James Borrego überzeugte die Verantwortlichen nicht und der ehemalige Magic-Spieler Scott Skiles trat nach nur einer Spielzeit zurück.


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Neuer Headcoach — neue Identität?

Ein Lichtblick war daher die Verpflichtung von Headcoach Frank Vogel im Mai 2016. Vogel gilt als Defensivfanatiker, der einen guten Draht zu seinen Spielern pflegt. Die Magic treten vor allem dank ihm selbstbewusster und aggresiver auf. Beim 115:99-Sieg gegen New Orleans konnten die Pelicans im letzten Viertel lediglich 15 Punkt erzielen — ein deutliches Anzeichen für Vogels Handschrift.

Was außerdem deutlich auffällt, ist das hohe Tempo der Magic. Momentan rangieren sie im NBA-Vergleich auf Rang 5, was allerdings nur die halbe Wahrheit ist. Brooklyn oder Phoenix haben hier noch bessere Werte, finden sich in der Tabelle aber ganz unten. Die Magic sind mittlerweile also erfahren genug, um aus den vielen Ballbesitzen auch Punkte auf die Anzeigetafel zu bringen.

Das Zusammenspiel funktioniert immer besser, was 24,3 Vorlagen pro Spiel deutlich zeigen. Während die Magic in der vergangenen Saison nur Rang 18 belegten, finden sie sich dieses Jahr in den Top 4.

Puplikumsliebling Aaron Gordon (19,3 PPG, 8,4 RPG) bewirbt sich mit seinen starken Leistungen für den “Most Improved Player”-Award. Der Positionswechsel auf Power Forward scheint den Monster-Athleten sichtlich zu beflügeln. Wie im oben gezeigten Spielzug zu sehen ist, wird er nicht einfach offen unter dem Korb angespielt, sondern sinkt blitzschnell in die Ecke ab, um den Dreier zum Sieg zu nehmen — verständlich bei einer Trefferquote von 55,9 % jenseits der Linie.

Hinzu kommt Point Guard D.J. Augustin, der so gut trifft, wie noch nie (46,5 % aus dem Feld) und Center Nikola Vucevic, der das Potenzial besitzt, zu einem wahren Pick-and-Roll-Alptraum zu reifen. Mit einer Dreierquote von 40,5 % schafft er als moderner Big Man zusätzlich Räume für die intelligenten Cuts und Laufwege seiner Mitspieler.

Mit Evan Fournier und Jonathon Simmons kommen zwei äußerst athletische Spieler hinzu, die in der Defense immer in Bewegung sind und den Gegnern das Leben zur Hölle machen. Beide treten allerdings auch als wichtige Scorer auf. Fournier ist mit 20,3 Punkten pro Spiel bester Punktesammler im Team, Simmons führt die zweite Reihe an und legt pro Partie starke 14,6 Punkte auf.


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Sind die Orlando Magic “for real”?

Die Frage, die nach knapp zehn Spieltagen die gesamte NBA-Gemeinde beschäftigt, lässt sich so einfach nicht beantworten. Der Saisonstart der Magic verlief äußerst vielversprechend — es gab überraschende Siege gegen San Antonio, Cleveland und Memphis. Auf der anderen Seite kassierte das Team aber unnötige Niederlagen gegen Chicago und Brooklyn.

Auf die Magic wartet ein harter Westcoast-Trip mit Spielen gegen Golden State, Denver und Portland. Es ist davon auszugehen, dass sich die Gegner immer besser auf die Magic einstellen und offene Würfe verhindern werden. Es bleibt deshalb abzuwarten, wie kreativ und effektiv das Team darauf reagieren kann. Bisher lebt Orlando von überragenden Wurfquoten (3er-Quote: 40,0 %, Platz 2), die sich im Laufe der Saison wahrscheinlich noch abkühlen werden.

Schon 2016 gab es mit 19 Siegen und 13 Niederlagen einen erfolgreichen Saisonstart. Danach brach das Team völlig ein und das Management strahlte kaum Ruhe aus, was im Serge-Ibaka-Trade und der Entlassung von General Manager Rob Hennigan gipfelte.

2017/18 soll alles anders laufen

Die Spieler die schon damals an Bord waren, wollen jedoch alles tun, um eine Wiederholung der Negativereignisse zu verhindern. Nach einem guten Saisonstart müssen die Magic beweisen, dass sie den Sprung von einer talentierten zu einer konstanten Mannschaft vollziehen können. In den nächsten Partien wird das Team vor Herausforderungen gestellt, an denen es richtig wachsen kann — oder wieder völlig zurückgeworfen wird.

Im Vergleich mit der Konkurrenz um Platz 5 bis 8 in der Eastern Conference müssen sich die Orlando Magic jedoch vor niemandem verstecken. Miami, Milwaukee oder auch Charlotte haben gewaltige Startschwierigkeiten gezeigt und dürften kaum besser oder schlechter durch die nächsten Saisonmonate kommen als Orlando.


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Die junge Saison hat also ihre erste große Überraschung. Wir dürfen gespannt sein, ob Orlando auch bis zum Ende um die Playoff-Ränge mitkämpft und das erste Mal seit 2012 magische Momente im Kampf um die Meisterschaft erleben darf. Die Weichen dorthin sind jedenfalls gestellt.

Stand aller angegebenen Statistiken: 8.11.2017

Nicolas auf Twitter: @threecolas

[Foto: Jose Garcia/Flickr (Gordon)/Keith Allison/Flickr (Hintergrund)/CC BY-SA 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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