Feature Gesellschaft

Satire: Sind Männer auf ewig dazu verurteilt, Sexisten zu sein?

Ein satirischer Beitrag zum Mann-Sein in schwierigen Zeiten

Satire: Sind Männer auf ewig dazu verurteilt, Sexisten zu sein? 15. November 2017Leave a comment

stv. Ressortleiter Popkultur

Dieser Beitrag ist eine satirische Hommage an das stereotypische Mann-Sein und dessen gegenwärtige gesellschaftliche Problemstellung.

#MeToo. Mit diesem Hashtag zeigst du als Frau, schon einmal Opfer von Sexismus geworden zu sein. Infolgedessen hagelte es einen Schwall an Anschuldigungen gegenüber jedem Mannsbild, das in seinen Penis ein bisschen zu sehr vernarrt ist. Wenden wir uns also mal der anderen Seite der Medaille zu. Aus der Sicht eines Mannes sieht Sexismus nämlich ganz anders aus. Für uns Männer gibt es auch eine Raute: #WeDo.

Männer sind Schweine

Natürlich kann man nichts pauschalisieren, aber grundsätzlich ist der Mann ein Schwein. Farin Urlaub sang dies schon vor Jahrzehnten und hat mit jeder Zeile immer noch recht. Männer denken oft an Sex, Männer drehen sich um, wenn eine Frau im Minirock vorbeisaust. Männer schauen gern Fußball und trinken Bier, während die Gemahlin in der Küche den Schweinsbraten ins Rohr schmeißt. Grundsätzlich ist der Mann mit dem Mann-Sein zufrieden. Doch was, wenn die Frau mit dem Frau-Sein nicht mehr zufrieden ist?


MEHR: Sexismus gegen Nadja Bernhard: Wann wird die ‘Heute’ endlich zu Schnee von gestern?


Der Aufstand der Frau ist historisch gesehen schon eine lange Leidensgeschichte. Schlussendlich unterdrückte der Mann immer wieder den Keim der Hoffnung, dass die Frau irgendwann auf der selben gesellschaftlichen Ebene stehen würde. Wir haben die Berechtigung, besser und stärker zu sein — und insgeheim sind wir alle immer noch dieselben Sexisten wie schon vor hundert Jahren.

Mit der Hashtag-Bewegung und anderen Angleichungsversuchen wird jetzt von Frauen ein neuer Standard gefordert. Nicht falsch verstehen: Grundsätzlich mögen wir ja Frauen. Wir lieben sie sogar. Warum sollten sie dann nicht ähnliche Rechte wie wir haben? Machen tun wir aber nichts dafür und freuen uns dann doch wieder, wenn wir an Männerabenden über das schwächere Geschlecht herziehen dürfen. “Meine saugt sogar wöchentlich den Keller.” — “He, super! Aus welchem Katalog hast die?”

Sind wir Opfer unserer Triebe?

Jetzt stellt sich uns Männern manchmal am stillen Örtchen die Frage: Sind wir eigentlich unfair? Wir sind ja als Mann geboren, warum dann nicht auch der Typ Mann sein, der seit Jahrhunderten das Patriarchat verkörpert? Die Legitimation Mann zu sein erhält man, indem man als Mann geboren wird.

In Zeiten wie diesen — und das darf man ruhig zugeben — sind die Diskussionen schon sehr weit vorangeschritten. Irgendwie dürfen wir nicht mehr die Art Mann sein, die wir immer waren und immer noch sein wollen. Kein Klaps auf den Po mehr, sonst Anzeige wegen sexueller Belästigung. Das war doch immer normal! Usus beim Gehaltsscheck für die Sekretärin. Nein, jetzt müssen wir uns sogar dafür rechtfertigen, nur weil wir der Frau Anerkennung zeigen.


MEHR: Sexuelle Belästigung: Jodel hat gezeigt, dass es auch ernst sein kann


Wir Männer sind Opfer unserer Triebe. Wir lieben Frauen nun mal. Wenn wir sie anglotzen, ist das nur ein Kompliment. Entweder für ihren Kleidungsstil (eher weniger) oder ihre Figur und ihre Schönheit (eher mehr). Ob wir dabei selbst schon unser Herz einer anderen versprochen haben oder nicht, spielt hierbei keine Rolle. Wie pflegen wir so schön zu sagen: “Schauen wird ma wohl no dürfen.” Wenn dann noch Alkohol mit vom Spiel ist, rülpsen wir der Ausgewählten noch etwas ins Ohr und streicheln ihr sanft über den Rücken. Mann-Sein eben.

Schuld an diesen Malheurs ist nicht nur der Alkohol, sondern auch unsere (in diesem Falle sogar noch gesteigerte) Libido. Das hat schon Sigmund Freud so erkannt. Klar, war ja auch ein Mann mit Mama-Komplex. Wir können nun mal nicht anders, weil wir das evolutionsbedingt schon immer so gemacht haben. Außerdem sind wir stark genug, um uns zu nehmen, was wir wollen. Ein bisschen Ausgreifen beim Tanzen im Club. “Hab dich nicht so.”

Der Mann von heute

Bleiben wir bitte ehrlich. Auch wenn die Sexismus-Debatte schon lange anhält, hat es bis jetzt trotzdem immer gut gepasst, wie wir Männer uns verhalten haben. Den Frauen hat es auch gut gefallen. Wenn wir ihnen als Machos in der Land-Disco zugezwinkert, sie zum Essen beim hiesigen Dönerstand eingeladen und in unseren starken Armen gehalten und beschützt haben. Da war’s doch ganz geil, einen starken Freund zu haben. Dann darf man sich aber nicht beschweren, wenn man zu Sex genötigt wird.


MEHR: Dank Memes: Schwarzer Humor oder beinharte Diskriminierung?


In der Gegenwart angelangt, fühlen wir uns nun zunehmend unwohl. Das Mann-Sein wird uns nicht mehr so erlaubt, wie es früher war. Es wird kritisiert. Wir waren schon immer nett zur eigenen Frau, mit Abstrichen. Mit großen Abstrichen. Ach was, ab in den Keller mit der. Und jetzt müssen wir noch zu allen anderen nett sein? Ja, bestimmt.

Wir werden immer wieder an den Pranger gestellt. Es wird von allen Seiten pauschalisiert: Wir Männer sind alle Sexisten. Wir sind dazu verdammt. Sagen wir etwas Falsches, sind wir Sexisten. Sagen wir zu wenig, sind wir Sexisten. Sagen wir das Richtige, sind wir missverstandene Sexisten. Ja, wir sind doch sowieso Sexisten. Aber wie können wir uns tarnen, um nicht gebrandmarkte Sexisten zu sein?

Eine neue Welt breitet sich vor unseren Augen aus. Wir können damit nicht umgehen. Lange werden wir noch untereinander über die Frauen schimpfen. Dann gehen wir nach Hause und legen uns zu unserer starken Frau ins Bett. Irgendwann werden wir dann nicht mal mehr wissen, wie unser Sexismus funktioniert hat. Aber im Geheimen werden wir noch lange dafür kämpfen.

Johannes auf Twitter: @joschi_mayer

[Foto: matguzzo . /Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von James P. Platzer]

stv. Ressortleiter Popkultur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*