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PlayTogetherNow — für eine erfolgreiche Integration mit Fußball und Theater

Der ehrenamtliche Verein vernetzt Flüchtlinge mit ÖsterreicherInnen und begleitet sie durch ihre Asylprozesse

PlayTogetherNow — für eine erfolgreiche Integration mit Fußball und Theater 28. November 20172 Comments

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Vergangenen Donnerstag besuchte Bundespräsident Alexander Van der Bellen den 2015 gegründeten Verein PlayTogetherNow. Als Gastgeber dieser Veranstaltung fungierte die UniCredit mit Vorstandsvorsitzendem Robert Zadrazil. Vereinsobmann Joe Schramml, die MitarbeiterInnen und Flüchtlinge zeigten sich begeistert — eine Veranstaltung, der viel Hoffnung innewohnte.

kultort.at war vor Ort und hat versucht, die vielen verschiedenen Emotionen und Eindrücke des Abends einzufangen.

Was macht PlayTogetherNow?

Seit mehr als zwei Jahren engagieren sich ehrenamtliche MitarbeiterInnen intensiv, um Flüchtlingen ein Freizeitangebot zu bieten und ihnen auf diese Weise die Integration zu erleichtern. Je nach dem jeweiligen Interesse kann zwischen Theater und Fußball gewählt werden. “So lungern die Jugendlichen nicht auf der Straße herum und sorgen für Radau”, wie es manch böse Wiener Zungen gerne behaupten, sondern sind beschäftigt. Mehrmals pro Woche wird für die Premiere des Theaterstücks “Theater der Träume” geprobt und für die Fußballspiele in der Diözesansportgemeinschaft Wien (DSG) trainiert.

Ein Auszug des Theaterstücks “Theater der Träume”

Ein Miteinander und Fair-Play stehen natürlich im Fokus. Doch nicht nur das — als zivilgesellschaftliche Initiative werden die FreundInnen auch bei ihren Asylprozessen begleitet, was nicht selten zu Tränen und Verzweiflung führt.

“Ich bin jung, will nicht sterben”

Mustafa ist 19 Jahre alt und kommt aus Afghanistan. Er besucht eine Wiener Handelsschule, arbeitet nach der Schule hart und investiert seine freien Stunden am Wochenende in Fußball. In sein Deutsch schleichen sich nur wenige Fehler ein. Alles, was er sagt, ist verständlich. In seinem Anzug wirkt Mustafa souverän, beinahe wie ein junger Bänker. Trotz allem, der Schein trügt, denn Mustafa hat vor Kurzem einen Negativbescheid bekommen. Er muss zurück nach Afghanistan — zurück zu dem Ort, wo er täglich um sein Leben bangen muss.

Als der junge Flüchtling seine Lebensgeschichte auf der Bühne vorträgt, kommen nicht nur bei FreundInnen und BetreuerInnen Tränen — das ganze Publikum scheint bestürzt. “Ich will auch studieren, ich will hier in Österreich bleiben”, sagt er und blickt unsicher zu Bundespräsident Van der Bellen, der nicht weniger berührt als alle anderen scheint.

Mustafa hält seine Rede, im Hintergrund Vereins-Obmann Joe Schraml

Wenn Menschen mit einem eindeutigen Willen zur Integration keinen positiven Asylbescheid bekommen, ist das schlicht nicht fair. Doch genau dorthin bewegt sich momentan unsere Asylpolitik: in eine komplett fremdenfeindliche und menschenunwürdige Richtung, wo Fairness keinen Platz findet. Da helfen die herzergreifend ehrlichen Worte von Obmann Joe Schramml nur wenig: “Wir stehen zu den Menschen mit Flüchtlingshintergrund. Zu unseren Brüdern und Schwestern.”

Der Schiedsrichter der österreichischen Innenpolitik

Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigt sich berührt und begeistert von den motivierten Flüchtlingen, den außerordentlich guten schauspielerischen Leistungen des “Theater der Träume” und der Performance des Fußballteams im nachgebauten, winzigen Stadion:

Sie haben ein schönes Motto. Walk together. Stand together. Talk together. Play together. Die Betonung liegt auf together. Das Gemeinsame. Daher danke ich allen Ehrenamtlichen, die hier viel Zeit sowie Energie investieren, und sich bemühen.

Nach der Rede wird dem Bundespräsidenten eine gelbe und eine rote Karte übergeben, ein Zeichen für sein Amt als Schiedsrichter der österreichischen Innenpolitik. Später gibt Van der Bellen den Anstoß zum Fußballspiel gegen die DSG Vienna Internationals. Als echter Fußballfan ist das kein Problem für ihn.


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Schlecht sind die Chancen der Mannschaft von PlayTogetherNow nicht, erst 2016 erreichten sie den ersten Platz der — zugegebenermaßen — untersten Liga, der DSG Wien. Eine unglaubliche Leistung, keine Frage! Ohne die Unterstützung von Trainer Peter Hackmair, einem ehemaligen Fußballprofi wäre die zweite Mannschaft von PlayTogetherNow, die U14, ebenfalls nicht möglich.

Selfies mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen

Bevor es allerdings nach draußen auf den Fußballplatz geht, werden erst einmal Selfies mit dem Bundespräsidenten gemacht. Begeistert und mit vollstem Respekt bitten die Flüchtlinge Van der Bellen um gemeinsame Fotos, um so ein wenig Hoffnung mit sich herumzutragen.

Ein denkwürdiger Abend für die Menschlichkeit

Ohne Vereine und Initiativen wie PlayTogetherNow wäre die Welt ein weitaus finsterer Ort, dem nicht einmal Bundespräsident Van der Bellen ein Licht einleuchten könnte. Das steht fest.


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Bei Brötchen mit Hummus, Saft und Wein geht der Abend nachdenklich zu Ende. Was bleibt, ist der Schmerz über Mustafas Zukunft, über die Zukunft aller dieser jugendlichen AsylwerberInnen, die teilweise schon Jahre auf ein Urteil warten. Sie wissen nicht, ob sie kommendes Jahr im “Theater der Träume” um ihr Leben kämpfen müssen — oder in der echten Welt.

Lisa auf Twitter: @lugerblis

[Foto: © Lisa Lugerbauer]

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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