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Wohin geht die Reise des SK Sturm Graz?

Schafft es der SK Sturm Graz, sich im Spitzenfeld der österreichischen Bundesliga zu etablieren?

Wohin geht die Reise des SK Sturm Graz? 29. November 2017Leave a comment

Redakteur

Seit der Saison 2006/07 dominiert Red Bull Salzburg das österreichische Fußballgeschehen. Acht nationale Meisterschaften aus den letzten elf Saisonen sprechen Bände. Mit jeweils einem Titel konnten der SK Rapid Wien (2007/08), der SK Sturm Graz (2010/11) und der FK Austria Wien (2012/13) eine durchgehende Dominanz der Salzburger verhindern, welche dabei aber jeweils den Vizemeister stellten. Die Überlegenheit der Mozartstädter ist unumstritten. Während die beiden Wiener Traditionsvereine in dieser Saison massiv schwächeln, können nur die “Blackies” mit den Millionen aus Salzburg mithalten. Wir versuchen zu erklären, warum gerade die Steirer aktuell konstant gute Leistungen bringen.


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Eigene Jugend statt teuren Legionären

Schon seit jeher zählt die Jugendakademie in Graz zu einer der besten in Österreich. Ein umfangreiches Trainingszentrum und die professionelle Ausbildung tragen wesentlich dazu bei. Talente werden unter der Anleitung ihrer Trainer nicht nur gefördert, sondern haben die Gelegenheit, schon früh an internationalen Turnieren teilzunehmen. Dabei steht nicht die Vermittlung vom Gewinnen an oberster Stelle — viel mehr bilden ein ausgeprägter Teamgeist und Fairness den Grundstock, die positiven Ergebnisse kommen danach oft ganz von selbst. Die jungen Kicker sollen schon früh lernen, dass man in der Gemeinschaft um einiges mehr schaffen kann.

Ähnlich wie bei den Topklubs in Österreich gibt es auch in Graz eine starke Amateurmannschaft, wo Junge Erfahrungen sammeln können. Einige der aktuellen Spieler in der Kampfmannschaft haben zunächst in der Reserve ihr Können unter Beweis gestellt, um dann bei den Profis Fuß zu fassen. Im Vergleich zur Konkurrenz in der österreichischen Bundesliga scheint dieses Konzept aufzugehen. Bei anderen Vereinen werden oft ausländische, vermeintliche Topstars geholt, die sich dann in Österreich überhaupt nicht zurechtfinden können. Solche Transferstrategien finden in Graz keine Abnehmer.


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Franco Foda — Parallelen zur Ivica-Osim-Ära

Unumstritten war die bisher beste Zeit des SK Sturm Graz um die Jahrtausendwende. 1998 und 1999 hat man die ersten nationalen Meisterschaften für den Verein gewonnen. Von 1999 bis 2001 war man Teil der europäischen Elite in der Champions League. Das magische Dreieck aus Ivica Vastic, Mario Haas und Hannes Reinmayr strahlte pure Offensiv-Power aus. Die Mannschaft bestand neben Routiniers, wie Markus Schupp oder Günther Neukirchner, auch aus jungen Talenten, wie Markus Schopp oder Ferdinand Feldhofer. Man spielte zu dieser Zeit nicht gern gegen die Grazer.

Bereits als Spieler war Franco Foda von 1997 bis 2001 Teil des Grazer Starensembles. Nach seiner aktiven Karriere als Spieler blieb er dem Klub treu, zunächst als Co-Trainer und Betreuer der zweiten Mannschaft. Von 2006 bis 2012 war Foda dann Cheftrainer von den “Schwoazen”. Er übernahm ein krisengeschütteltes Team, das gerade noch so die Lizenz für die höchste Spielklasse erhielt. In Zeiten des Umbruchs blieb der sportliche Erfolg zunächst aus, was sich aufgrund der guten Leistungen des heute 51-Jährigen aber bald ändern sollte.

Foda strukturierte die Mannschaft um, ließ junge Spieler spielen und plante langfristig. 2011 sollte seine Arbeit letztendlich Früchte tragen, als der SK Sturm Graz das erste Mal seit 1999 wieder österreichischer Meister wurde. Nach einem kurzen Abstecher 2012 nach Deutschland zum 1. FC Kaiserslautern, wo der Erfolg aber ausblieb, kam er 2014 wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Bis heute bleibt Foda seiner Linie treu. Auch wenn es in den letzten Saisonen oft nicht nach Wunsch verlief, können sich Management und Fans Teil einer stabilen Einheit nennen. Das langfristige Denken zahlt sich aus und die Mannschaft kann sich im oberen Tabellendrittel festsetzen. Ende Oktober verkündete der ÖFB (Österreichischer Fußballbund) allerdings den Nachfolger von Marcel Koller. Für die Offiziellen des SK Sturm Graz ein wahrer Paukenschlag.


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SK Sturm Graz: Wie geht es nach Foda nun weiter?

Der zukünftige Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft steht nämlich mit dem aktuellen Betreuer des SK Sturm Graz, Franco Foda, bereits fest. Bis zu seinem offiziellen Antritt am 1. Jänner 2018 — für sein Länderspiel-Debüt gegen Uruguay war er nur vom Verein freigestellt — wird Foda seinen Dienst in Graz versehen. Die Nachfolge ist noch nicht bestimmt. Günter Kreissl, Sportdirektor in Graz, hüllt sich bis jetzt in Schweigen und nennt offiziell keine Namen. Egal, wer Fodas Mannschaft letzten Endes übernimmt, die Fußstapfen, in die er treten wird, sind groß. Man will einen ähnlichen Stil beibehalten, es soll nicht an Erfahrung im Profibereich mangeln und der zukünftige Coach muss mit vollem Einsatz die Philosophie des Vereines weiterführen.

Wohin die Reise nun geht, steht noch in den Sternen. Einen großen Anteil an diesem Weg wird der neue Cheftrainer haben. Kreissl hat betont, dass die Grazer in einer glücklichen Lage sind, sich nicht unmittelbar nach einer neuen Lösung umsehen zu müssen. Noch haben sie einen guten Monat Zeit, um die geeignete Person zu finden. Wenn der zukünftige Trainer die Arbeit von Franco Foda in ähnlicher Manier weiterführen kann, steht dem SK Sturm Graz und seinen Anhängern eine tolle Zukunft bevor.

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[Foto: Steindy/Wikimedia (Foda)/CC BY-SA 2.0 AT/Illustration von James P. Platzer]

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