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Unsere Musik-Highlights: November 2017

Neben Mynth, Prinz Pi und Bausa schafft es abermals Casper, für einen guten musikalischen November zu sorgen

Unsere Musik-Highlights: November 2017 1. Dezember 2017Leave a comment

Das Online-Magazin mit Mut zu Meinung

In vier unterschiedlichen Kategorien präsentieren wir euch die Highlights der schaffenden Musikszene. Wir haben uns als Ziel gesetzt, so viele Geschmäcker wie nur möglich zu bedienen und so mit jedem Artikel dieser Art etwas Abwechslung zu schaffen. Damit kein Genre zu kurz kommt, werden wir versuchen, ein möglichst breites Spektrum an musikalischer Diversität zu bieten. Hier sind unsere Musik-Highlights vergangenen Monats:

Album des Monats: Mynth — Parallels

Johannes Mayer: Mynth hat endlich nachgelegt! Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Release des Debütalbums Plaat II hat das Salzburger Electronic-Duo nun mit Parallels ihr zweites Gesamtwerk veröffentlicht. Die Geschwister Giovanna und Mario Fartacek haben erneut Reife bewiesen, auf das grandiose Debüt folgt ein Longplayer in farbenfrohem Design. Der Titel des Albums impliziert wieder die Zweideutigkeit ihrer Musik, die auf dem ersten Album schon zu spüren war, allerdings düsterer und versteckter, als auf dem imposanten Neuling. Mit “Mirrors”, “Smog” und “Rose” wurden bereits drei Singles veröffentlicht, die den Geist des Albums tragen.

Ein reflexives Werk mit der Auseinandersetzung vieler Perspektiven — ein Leitmotiv, das gerne viele junge MusikerInnen verkörpern würden. Mynth gelingt dies aber auch. Zudem punkten Parallels nicht nur inhaltlich. Musikalisch ist Mynths Musik, für die das Geschwisterpaar 2017 sogar mit dem Amadeus Austrian Music Award ausgezeichnet wurde, noch ausgereifter und schlussendlich einfach brachialer. Oder versucht doch einfach mal, bei “Mirrors” nicht mit dem Fuß mitzustampfen.


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Songs des Monats:

Alle unsere Lieblingssongs des vergangenen Monats findet ihr in dieser Spotify-Playlist. Diesmal unter anderem mit am Start: Wanda, Prinz Pi und Gerard.

Anmerkung: Nicht bei allen Songs handelt es sich um Neuerscheinungen im Oktober. Es können auch einfach wiederentdeckte Schätze sein.

Video des Monats: Bausa — “Was du Liebe nennst”

Philipp Lou: Als ich letztes Jahr das Glück hatte, Bausa als Voract von Raf Camora & Bonez MC live performen zu sehen, hatten ihn nur die wenigsten auf dem Schirm. Auch mir war der Name bis dahin unbekannt, sein Auftritt war allerdings so überzeugend, dass ich sein Debütalbum ungeduldig und gespannt herbeisehnte. Im April erschien Dreifarbenhaus endlich und übertraf meine hohen Erwartungen bei weitem. Bausa paart musikalische Topqualität mit Vielfalt , bleibt dabei sowohl beim Clubbanger, als auch beim nachdenklichen Lied über das Leben nach dem Tod er selbst.


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Diese Realness nimmt man dem Saarbrückener auch bei seinem neuesten Hit ab. “Was du Liebe nennst” hat alles, was ein erfolgreiches Lied 2017 braucht: einfache Lyrics, eine eingängige Melodie, Autotune. Sieben Wochen lang hielt es die Spitzenposition der deutschen Single-Charts inne — kein Deutschrap-Song war länger auf der Eins.* Käme der Song aus der Feder eines anderen, würde ich ihm möglicherweise ökonomisches Kalkül vorwerfen. Doch bei Bausa ist das anders. Bausa hat einfach Bock, das zu machen, was er will und trifft damit fast immer den Zahn der Zeit.

Dass die Umsetzung des Videos vielleicht nicht ganz so ungeplant verlief, wie vorgegeben, ist völlig egal. Es spiegelt trotzdem Bausas Spontanität wider und ist bisher eines der Video-Highlights des Jahres. Seht selbst:

Konzert des Monats: Casper

Tamara Natalie: All jene, die unsere letzten Musik-Highlights verfolgt haben, dürften mittlerweile verstanden haben, dass wir Casper und sein neuestes Album Lang lebe der Tod ganz schön gefeiert haben. So waren auch in Windeseile die Karten für die Stadthalle Mitte November organisiert. Die Vorfreude war riesig. Casper noch nie live gesehen zu haben, ist für bekennende Festivalliebhaber quasi unmöglich, ist der deutsche Musiker doch für seine zahlreichen Auftritte auf Festivals im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. Dennoch war das Konzert am 14. November sein bisher größter Auftritt in Österreich.

Vor nicht ganz ausverkaufter Halle gab Casper und die vielköpfige Band wirklich alles, was das Herz begehrt: Moshpits, Licht, Sound und das ein oder andere Freudentränchen. Keine tausend Handy Screens, keine kreischenden Teenies — einfach eine Gruppe an Menschen, die sich nur aus einem Grund versammelt haben: die Liebe zu Musik, und zwar die von Casper. Neue wie auch alte Songs wurden musikalisch perfekt inszeniert, das Gesamtkonzept schlichtweg gut durchdacht. Der rote Faden zwischen den einzelnen Nummer wurde mit teilweise rein akustischen Teilen der Band gezogen.

So erfolgreich zu sein und gleichzeitig so bodenständig ein Konzert in der größten Konzerthalle Wiens (wenn auch nicht ausverkauft) hinzulegen, muss Casper erst einmal jemand nachmachen. Wenn auch eine kleinere Location für eine noch intimere Stimmung hätte sorgen können, bleibt dieses Konzert wohl als eines der stimmigsten in Erinnerung. Ganz nach dem Motto: Alles endet, aber nie die Musik.

*Anmerkung des Autors 1.12.2017: Auch nach der achten Woche bleibt “Was du Liebe nennst” auf Platz Eins der Charts und ist damit in seinem Genre alleiniger Rekordhalter.

kultort.at auf Twitter: @kultort

[Foto: © Kerstin Musl (Mynth)/Superbass/Wikimedia (Prinz Pi)/CC BY-SA 3.0/Tsui/Wikimedia (Wanda)/CC BY-SA 3.0/© Jonas Kinski/Warner Music (Bausa)/Illustration von Marcel Weld und James P. Platzer]

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