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‘Orphan Black’: die Kunst, fünf Rollen gleichzeitig zu verkörpern

Mehrfachrollen stellen Schauspieler auf die Probe und zwingen sie, sich in kürzester Zeit in die verschiedensten Charakterwelten zu begeben

‘Orphan Black’: die Kunst, fünf Rollen gleichzeitig zu verkörpern 8. Dezember 2017Leave a comment

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Die kanadisch-amerikanische Science-Fiction-Serie Orphan Black ist etwas ganz Besonderes. Denn Hauptdarstellerin Tatiana Maslany wird darin auf eine Probe gestellt, bei der viele ihrer Kolleginnen und Kollegen bitterlich versagt hätten. Die Rede ist von Mehrfachrollen, mit denen wir als Kinder der 1990er bisher nur bei Filmen wie Ein Zwilling kommt selten allein mit Lindsay Lohan und Mike Myers in Austin Powers — Spion in geheimer Missionarsstellung in Kontakt gekommen sind. Bei Serien hingegen sind Mehrfachrollen seltener.

Die bisher bekannteste Mehrfachrolle dürfte — Schande über die, die folgender Serie verfallen sind — Nina Dobrev in Vampire Diaries gespielt haben. In dieser unendlich kitschigen Vampir-Lovestory stellt Dobrev sowohl die Rolle der allseits beliebten Elena Gilbert als auch die der kollektiv verhassten Katharina Petrova dar. Selbst wenn sich über die Qualität der Serie streiten lässt, Dobrev macht ihren Job souverän. Wie auch Tatiana Maslany in der im August 2017 abgedrehten und bei uns doch recht unbekannten Serie Orphan Black.

“Was? Sie sind keine Fünflinge?”

Maslany spielt Sarah Manning, eine verwaiste Außenseiterin, die ihr Leben von vorne bis hinten nicht auf die Reihe bekommt. Als Sarah sieht, wie eine vermeintliche Doppelgängerin Selbstmord begeht, nimmt sie kurzerhand deren Identität an und sieht einen Ausweg, um ihre Tochter Kira zurückzubekommen. Sie ahnt nicht, dass ihr neues Ich Beth eine Polizistin ist und sich in einem Prozess wegen der Erschießung einer Flüchtigen befindet. Als auch Beths Freund noch Paul auftaucht und Verdacht schöpft, verführt sie ihn kurzerhand auf dem Küchentisch und verstrickt sich immer weiter in die aussichtslose Situation.


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Bevor sie Beths Ersparnisse im Angesicht einer gemeinsamen Zukunft mit Kira und Pflegefamilien-Bruder Fee plündern kann, tauchen vier weitere Doppelgängerinnen auf:

  1. Alison Hendrix, eine Vorstadt-Mutti mit Hang zum Dramatisieren
  2. Cosima Niehaus, eine lesbische Wissenschaftlerin, die an einer bisher unbekannten Krankheit leidet
  3. Helena, eine psychisch labile Ukrainerin, die einer Sekte angehört
  4. Rachel Duncan, die unter ständiger Beobachtung aufgewachsen ist und sich nun in einer Führungsposition der verantwortlichen Firma befindet

Durch Alison und Cosima findet Sarah schließlich heraus, dass ihre Existenz auf ein Experiment mit Klonen namens “Projekt Leda” zurückzuführen ist. Ihr Körper und ihr Geist sind streng genommen nicht in ihrem Besitz — Sarahs, Alisons, Rachels, Cosimas und Helenas DNA, sogar die der verstorbenen Beth, wurden von der verantwortlichen Firma patentiert. So beginnt ein Abenteuer, dass nicht wenige Tote fordert.

Fragen, auf die wir keine Antworten haben

Wie wird es sein, falls es Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der Zukunft gelingt, menschliche DNA zu klonen? Werden sich diese Personen wie Laborkaninchen fühlen, auf Schritt und Tritt beobachtet werden und niemals ein eigenständiges Leben führen können? Das bisher berühmteste Säugetier der Welt, das geklontes Erbmaterial besitzt, war Dolly das Schaf, das nun seit seinem Tod 2003 ausgestopft sein Dasein im Royal Museum of Scotland fristet. Orphan Black ist somit gesellschaftskritisch und hinterfragt menschliche Ethik, was nicht viele Serien auf diese Weise tun.

Weitere Fragen, die nicht einfach so beantwortbar sind, beziehen sich auf Maslanys unglaubliches Talent, so viele differente Rollen erfolgreich verkörpern zu können. Die Sprache, die Haltung, die Gestik — Maslany schafft es, jeden einzelnen Klon in seiner Einzigartigkeit darzustellen. Nicht umsonst erhielt die 32-jährige Schauspielerin und Produzentin bereits einen Emmy und People’s Choice AwardSogar für den Golden Globe Award wurde sie 2014 in der Kategorie “Beste Serien-Hauptdarstellerin — Drama” nominiert.


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Aber nicht nur SchauspielerInnen stehen bei Produktionen (wie Orphan Black, Vampire Diaries) oder Filmen (wie zuletzt Legend) vor Herausforderungen. Die Maskenbildner haben ebenfalls eine große Verantwortung, schließlich müssen sie die jeweiligen Rollen in Szene setzen und auch die Visual-Effects-ExpertInnen haben es nicht leicht.

Die technischen Anforderungen einer Mehrfachrolle

Bereits 1931 wurde ein Film mit dem Titel Dr. Jekyll und Mr. Hyde in schwarz-weiß veröffentlicht, indem der Hauptdarsteller Fredric March zwei Rollen, die des Dr. Jekyll und des Mr. Hyde, spielte. Natürlich sind damalige Mehrfachrollen nicht mit denen von heute zu vergleichen, schließlich waren sich damals beide Persönlichkeiten niemals gegenüber oder interagierten miteinander. Heute ist das vollkommen anders. Bei Orphan Black sind bereits in der ersten Staffel Sarah und drei ihrer Klon-Geschwister im selben Raum. Wie schaffen das die TechnikerInnen?

Bei vielen Doppel- und Mehrfachrollen wird mit einfacher Doppelbelichtung gearbeitet. Eine Bildhälfte wird verdeckt, während die andere Seite mit einer Szene belichtet wird. Anschließend wird der Film zurückgespult und die verdeckte Seite belichtet. In manchen Fällen ist diese Technik sogar erkennbar, insbesondere bei alten Produktionen oder niedrigem Budget. Es gibt auch die Methode des Filmens vor dem Green- oder Bluescreen. So können beide Figuren in die jeweilig andere Bildhälfte greifen, sodass die Szenen aufgelockert werden und real wirken. Ohne der Hilfe eines Doubles funktionieren solche Produktionen jedoch nicht, soviel ist gewiss.

Leider wurde Orphan Black nach fünf Staffeln mit insgesamt 50 Folgen im August 2017 beendet. Hier wussten die Produzenten genau, wann eine Geschichte fertig erzählt ist und konnten diese somit würdevoll zu Ende bringen.

Lisa auf Twitter: @lugerblis

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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