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Task Force “Frauen im ORF”: sechs Löwinnen im Kampf für Gleichstellung

Seit mehr als zehn Jahren setzen sich Mitarbeiterinnen des ORF für dieselben Verhältnisse beider Geschlechter ein

Task Force “Frauen im ORF”: sechs Löwinnen im Kampf für Gleichstellung 21. Dezember 20171 Comment

Redakteur

Die MedienLÖWINNEN sind Auszeichnungen, die jährlich am österreichischen Journalistinnenkongress vergeben werden. Beim heurigen Event wurde die Task Force “Frauen im ORF” prämiert. kultort.at hat sich mit den Mitgliederinnen der Task Force getroffen und über ihre bedeutsame Arbeit gesprochen. Themen waren dabei die Gleichstellung im ORF, ein nötiger Kulturwandel und die #MeToo-Debatte der vergangenen Monate.

Das Gespräch wurde mit den Mitgliederinnen Angelika Doucha-Fasching (Leiterin Familien-Redaktion Fernsehen), Christiana Jankovics (Betriebsratsvorsitzende Fernsehen/Programm), Eva Strommer (Kaufmännische Leiterin ORF Burgenland), Ulrike Wüstenhagen (Leiterin Administration Hörfunk) und Brigitte Wolf (Landesdirektorin ORF Wien) geführt. Brigitte Handlos (Leiterin TV-Chronik) als sechstes Mitglied war leider verhindert.

Der Medienlöwe als Anerkennung

Jedes Jahr gehen die MedienLÖWINNEN an Medien oder Redaktionen, die sowohl frauenfreundliche als auch Frauen stärkende Aktionen hervorheben — heuer bereits zum 19. Mal. Die Auszeichnung wird im Rahmen des Journalistinnenkongresses vergeben. Die Veranstaltung geht auf eine Initiative der damaligen ÖVP-Politikerin Maria Rauch-Kallat zurück.

Warum die Task Force “Frauen im ORF” den MedienLÖWEN erhalten haben, begründet die Jury folgendermaßen:

Medienpräsenz von Frauen wird hier nicht mehr nur an Anlasstage oder Sonderthemen gebunden, das unterstützende Netzwerk ist nachhaltig geknüpft, anhaltend wirksam und fortlaufend nötig: Weil sogar ‘öffentlich-rechtlich’ zwar vielleicht theoretisch ‘gleiche Rechte’, aber praktisch noch immer nicht ‘gleiche Chancen’ bietet.

Der Preis bedeutete den sechs Frauen persönlich sehr viel. Angelika Doucha-Fasching meint dazu und zeigt auf den Medienlöwen:

Die Wertschätzung findet in diesem Tier Ausdruck. Das freut uns natürlich sehr.

Christiana Jankovics ergänzt:

Für mich war Gleichstellung schon seit Kindestagen ein Anliegen.

Was ist die Task Force “Frauen im ORF” und was tut sie?

Auf die Frage, wieso sie die Task Force mitbegründet hat, meint Brigitte Wolf:

Als ich 2001 zur Landesdirektorin Wien bestellt wurde, war ich die einzige Frau. Ich habe mir damals gedacht, wer wenn nicht ich.

Die Arbeitsgruppe wurde vor zehn Jahren von acht Frauen im ORF gegründet, von denen zwei mittlerweile pensioniert sind. Ziel war es, Gleichstellung von Männern und Frauen im ORF zu fördern. Die Anfänge waren laut Wolf nicht widerstandslos. Sie erwähnt aber auch, wie wichtig die Wahl von Alexander Wrabetz zum Generalsekretär des ORF für ihre Arbeit war:

Er war von Anfang an unser Fürsprecher.

Mittlerweile ist die Akzeptanz der Gruppe weit über den ORF und die Landesgrenzen gewachsen. Besonders die beständige und konfliktarme Arbeit wird von den deutschen Kolleginnen respektiert. Intern im ORF sind die Mentoring-Programme mittlerweile fixer Bestandteil und werden auch vom Management ernst genommen.


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Nach den größten Leistungen der Task Force gefragt, hob Ulrike Wüstenhagen besonders die Mentoring-Programme von und für Frauen, die Einführung einer Frauenquote (45 %) beim ORF und die jährliche Vergabe der “Lila Limette” für besonders gender-unsensible Berichterstattung. Der ORF ist bis dato europaweit das einzige Medium, das eine Frauenquote eingeführt hat.

Nachhaltigkeit in der Gleichstellung

Eines der größten Probleme bei der Gleichstellungsthematik ist die Nachhaltigkeit. Doch gerade hier will die Task Force ansetzen. Die sechs Frauen haben Verstanden, dass beispielsweise eine Quotenregelung nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein kann. Worauf es ankommt, ist eine Veränderung der Kultur im ORF — genau dafür ist die Task Force nun mit dem Löwen ausgezeichnet worden.

In Firmen ist versteckte Diskriminierung oftmals ein größeres Problem als ein unverhülltes sexistisches Verhalten eines Managers. Meist geht es um Bevorzugung männlicher Kollegen oder unvorteilhafte Erwartungshaltungen gegenüber Frauen. In vielen Fällen liegt kein offenkundiges Fehlverhalten vor, was Sanktionierungen durch Regeln nur bedingt möglich macht. Christiana Jankovics meint dazu:

Es muss einen Sinneswandel in der Kultur geben. Anderenfalls werden auch die Seminare, die wir anbieten, nicht ernst genommen.

Ein Umdenken bei der Gleichstellung ist dann möglich, wenn die Kommunikation funktioniert. Eine Top-Down-Belehrung und die Einführung von Vorschriften müssen immer mit kulturellen Maßnahmen verknüpft werden.

Mentoring-Programme

Ein wichtiges Instrument, um den Wertewandel intern zu evozieren, sind die periodisch abgehaltenen Mentoring-Events und monatlichen Stammtische. Die Geschäftsführung wird in unregelmäßigen Abständen zu den Stammtischen eingeladen. Das Mentoring ist von und für Frauen, wie gerne betont wird. Ziel ist die persönlich Stärkung der Frauen.

Die Mitglieder der Task Force “Frauen im ORF” ohne Brigitte Handlos.

Es geht einerseits um die Vernetzung der Frauen und andererseits um die Vermittlung nützlicher Informationen für die individuelle Karriere beim ORF. Wie bei jedem anderen Unternehmen gibt es auch beim ORF Gepflogenheiten und informelle Hierarchien, die den Frauen nützen.

#MeToo und die Politik

Zum Abschluss des Interviews drehte sich die Diskussion noch um die Themen der aktuellen Tagespolitik und der #MeToo-Debatte der letzten Monate. Eines vorneweg, die Frauen der Task Force glauben einstimmig, dass sie unter der neuen Regierung ihre Arbeit wie gewohnt fortsetzen können. In den letzten Jahren kam es zu Regierungen mit den unterschiedlichsten Konstellationen — die Gruppe “Frauen im ORF” hat es aber immer gegeben.


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Auf die #MeToo-Debatte angesprochen kamen ähnlich einstimmige Antworten. Man ist froh darüber, Vertrauliches auch wirklich vertraulich zu behandeln. Das heißt, dass alle Fälle zwar ernst genommen, aber intern behandelt werden. Die Diskretion wird dabei auf die Leistungen der Task Force zurückgeführt. Jankovics sagt dazu:

Den Frauen muss klar sein, wohin sie sich wenden können.

Doucha-Fasching ergänzt:

Das Erschreckende an der ganzen Debatte war auch die Hilflosigkeit, die offen zutage getreten ist.

Die Task Force setzt hier an zwei Punkten an: Erstens müssen die betroffenen Frauen wissen, welche Stellen sie ansprechen können. Zweitens — und das ist vielleicht noch wichtiger — wurde in den letzten zehn Jahren an einem Sinneswandel gearbeitet. Männer sind sich öfter im Klaren, dass ihr Verhalten unangebracht und teilweise schädlich ist — und Frauen wissen, dass sie dieses Verhalten keinesfalls hinnehmen müssen.

Jakob auf Twitter: @jakob_schott

[Foto: © APA/Mirjam Reither]

Redakteur

One comment

  1. danke lisa lugerbauer für diesen guten artikel – es ist ein immerwährendes thema, dass wir frauen nicht aus den augen lassen dürfen…..lg sissy bauer

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