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Die fünf besten Musikalben 2017

Von Kendrick Lamar bis zu The Districts hatte 2017 aus musikalischer Sicht so einiges zu bieten

Die fünf besten Musikalben 2017 26. Dezember 2017Leave a comment

Redakteur

Es ist endlich wieder diese Jahreszeit gekommen: Man frisst und sauft jeden Tag viel zu viel, bis man fast explodiert, die Verwandtschaft drängt auf den Studienabschluss und man selbst vergammelt tagelang mit Videospielen und Netflix — oder wie man im Volksmund sagt: die schönste Zeit des Jahres.

Woran erkennt man aber medial, dass sich das Jahr dem Ende zuneigt? Richtig. Bestenlisten so weit das Auge reicht. Und weil 2.678 noch nicht genug sind, haben wir die besten Bestenlisten, seit es Bestenlisten gibt, für euch zusammengestellt. Den Anfang machen die fünf besten Alben des Jahres 2017.

 5. Lorde — Melodrama

Für mich ist die meiste Popmusik, die im Radio läuft, leider Garbage. Zu viel nichtssagender Blödsinn, zu viele minderbemittelte Hochsexualisierung und vor allem diese immer gleichen ProduzentInnen mit ihren immer gleichen Formeln für einen Hit.

Lorde ist natürlich ein Begriff in der Poplandschaft, wurde aber in den letzten Jahren gekonnt ignoriert. Ein Cover (bester Ansprechpartner für Coversongs: Triple J) hat mich dann auf einen Song ihres neuen Albums aufmerksam werden lassen. Nachdem ich meine innere Angst überwunden hatte, wurde ich ziemlich schnell auf diese kleine Reise mitgenommen, die Lorde auf ihr Album gebannt hat. Bildhübsche Popmusik mit Tiefgang. Nach vielen Youtube-Videos von Interviews und etlichen Durchläufen des Albums war mir klar, dass hier wirklich etwas Besonderes geschaffen wurde. Lorde leidet übrigens unter der seltenen Krankheit Synästhesie — sie sieht Musik in Farben — und gestaltet ihre Songs auch nach den für sie richtigen Farben. 

Anspieltipps: “Supercut”, “Liability (Reprise)”

4. Kendrick Lamar — DAMN.

Kendricks Musik hat sich in den letzten Jahren zum Fixpunkt in meinem musikalischen Spektrum entwickelt. Es gibt selten KünstlerInnen, die so aus diesem Meer aus Angeboten herausstechen. Auch sein neuestes Werk darf niemandem verborgen bleiben. Kommerzieller als sein Vorgänger To Pimp a Butterfly, darf DAMN. aber doch wieder mit unglaublicher Produktionsqualität und Schärfe aufzeigen. Das Team rund um Kendrick hat hier wieder sauberste Arbeit geleistet.

DAMN. ist kein neues To Pimp a Butterfly, aber es manifestiert die Stellung des Kendrick Lamar am Horizont des Rap-Zirkus. King Kendrick, all hail the King!

Anspieltipps: “DNA.”, “ELEMENT.”, “LOVE.”


MEHR: Wieso Kendrick Lamar der Rap-Messias der Neuzeit ist


3. Mount Kimbie — Love What Survives

Heres another thing, that threw up in my mind.

Spätestens wenn King Krule, einer der Feature-Gäste des dritten Albums von Mount Kimbie, diese Zeile singt, weiß man Bescheid, woran man hier ist. Meine Beziehung zum britischen Elektro-Halbgott-Duo (2 Halbgötter = 1 Ganzgott?!?) ist eine besondere. Irgendwie hin- und hergerissen zwischen genial oder Rotz habe ich vergessen, dass Mount Kimbie 2017 ein Album geplant haben. Erst durch freundliches Hinweisen eines Freundes fiel mir wieder ein, dass ich wieder aufs Neue ausloten kann, wie meine Beziehung zu minimalistischem Elektro weitergeht.

Der Vorgänger Cold Spring Fault Less Youth hatte den Status immer weiter in Richtung genial getrieben — Love What Survives hat dann den Gnadenstoß erteilt. Ein von vorne bis hinten durchdachtes Werk, das nie zu viel oder zu wenig an musikalischen Elementen bietet und immer genau das bringt, was man nicht erwartet. (Plus: Im freundschaftlichen Kreis zur Weihnachtszeit durfte das Album sechs Rotationen am Stück erfahren und niemand war getriggert. Wunder!)

Anspieltipps: “Blue Train Lines” (Single des Jahres!), “Audition”, “Delta”

2. The Districts — Popular Manipulations

Diese Band hat mir im September schon den Konzertmoment des Jahres gegeben und damit ein Album, das nur so von Hooks durchzogen ist. Auf dem Song “Ordinary Day” gibt es beispielsweise drei Refrains — nicht wirklich, aber die Gesang-Lines sind so hookig, dass man das annehmen könnte. Der generelle Sound des Albums ist irgendwo zwischen “Wie recorde ich richtig Instrumente?” und “Holy Shit, so recorde ich Instrumente”.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die bei keinem der Songs aufhört. Oft wird Gitarrenmusik ja für Tod empfunden. Das mag sein, aber bei diesen vier Herren hat die Leichenstarre noch lange nicht eingesetzt. Die Empfehlung wäre, sich in das gesamte Werk der Band einzuhören. Definitiv Lieblingsband-Charakter.

Anspieltipps: “Ordinary Day”, “Fat Kiddo”, “If Before I Awake”


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1. Sundara Karma — Youth Is Only Ever Fun In Retrospect

Mein persönliches Album des Jahres ist sehr simpel zu beschreiben: Indie-Rock in reinster Form. Von den typischen Klischees einer Indie-Rock-Platte bis hin zu großer Gestik, die sonst nur Kings of Leon können, ist hier alles vertreten. Wie kann man aber 2017 immer noch Indie-Rock hören, wenn er doch 2007 beerdigt wurde? Sundara Karma lösen dieses Problem durchaus charmant: Es wird sich einfach nicht darum gekümmert.

Es fühlt sich an, als hätten die Jungs aus England nie erfahren, dass Bloc Party bereits drei schlechte Alben veröffentlicht haben und die Arctic Monkeys jetzt eigentlich mehr eine richtige Rockband geworden sind. Obwohl man hier dazusagen muss, wer die Zeile “He’s got religious tattoos, he’ll be forgiven” schreibt, gewinnt mein Herz im Sturm.

Von herzerwärmenden Balladen und saftigen Rocksongs darf man hier allemal sprechen. Der Albumtitel verhängt irgendwie eine gewisse Stille, wenn man ihn mal laut ausspricht. Jeder einzelne Track erzählt eine Geschichte, die man am liebsten auch irgendwie selbst gern erlebt hätte. Indie-Rock eben. Aber genau so sollte er auch sein.

Anspieltipps: Das ganze Album in einem Zug — wer nicht so viel Zeit hat: “A Young Understanding”, “She Said”, “Explore“, “Happy Family”

Dominik auf Twitter: @dominikwendl

[Foto: Rena3xdxd/Wikimedia (Kendrick Lamar)/CC BY-SA 4.0/Melómanos Magazine/Flickr (Lorde)/CC BY-NC-SA 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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