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Der große Kultort Sport-Rückblick 2017

Wir blicken zurück auf die größten Erfolge, die wichtigsten Momente und die prägendsten Ereignisse aus der Welt des Sports

Der große Kultort Sport-Rückblick 2017 28. Dezember 2017Leave a comment

Unabhängiger Journalismus aus Wien

Und wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. 2017 wird vielen Menschen definitiv in Erinnerung bleiben, nicht unbedingt positiv. Bei all dem Ernst des Lebens bietet der Sport stets eine Fluchtmöglichkeit. Eine Paralleldimension, in der eigene Regeln gelten und man alles rundherum für einen Moment vergisst. Diese magischen Momente, wenn der Reifen das Ziel überquert, der Ball über die Linie rollt, der Pfeil die Mitte der Scheibe trifft — sie sind der Grund dafür, dass wir so verrückt nach Sport sind. Und weil’s heuer so viele schöne Momente gab, lassen wir sie alle noch einmal Revue passieren. Hier ist unser großer Sport-Rückblick aus 2017:

Die ÖFB-Damen überraschen Europa

Philipp Lou: Fußball ist keine Männerdomäne. Diese Tatsache sollte 2017 nun auch den letzten Spätzündern hierzulande klargeworden sein. Ein Jahr nachdem Österreich auf einer regelrechten Euphorie-Welle nach Frankreich strömte, um anschließend unsanft zurück auf den Boden der Realität gespült zu werden, versuchten die ÖFB-Damen bei der Europameisterschaft in den Niederlanden ihr Glück. Was ohne große Erwartungshaltung und kaum öffentlichem Interesse begann, entwickelte sich zu einem Sommermärchen und dem absoluten sportlichen Jahres-Highlight aus rot-weiß-roter Sicht.

Kaum jemand traute den Österreicherinnen auch nur einen Punktegewinn zu, auch damals-noch-ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner nicht. Zwei Siege und ein Unentschieden später standen die gewohnt opportunistischen österreichischen Fußball-Fans geschlossen hinter unserem Team. Von der heimischen Unterstützung überwältigt und beflügelt, stürmten Nina Burger und Co. bis ins Halbfinale. 12.000 Frauen und Männer — nur knapp weniger, als beim ersten ÖFB-Spiel der Männer-EM 2016 — feuerten ihre Landfrauen am Wiener Rathausplatz gegen Dänemark an. Wie schon gegen Spanien musste die Partie im Elfmeterschießen entschieden werden. Einmal ist keinmal, aber zweimal ist einmal zu viel — das Märchen nahm ein jähes und bitteres Ende.

Die Enttäuschung über das Ausscheiden hielt nicht allzu lange an, bald wurde den Spielerinnen bewusst, was sie erreicht hatten. Mit der sensationellen Leistung hat man einen wichtigen Schritt im österreichischen Frauenfußball gehen können. Für kurze Zeit zog das österreichische Team des Jahres die Aufmerksamkeit eines ganzen Landes auf sich, wozu Reformen und Aufklärungsarbeit niemals im Stande gewesen wären. Damit die Europameisterschaft 2017 aber keine Momentaufnahme bleibt, dürfen vor allem die Medien das Interesse nicht verblassen lassen. Die WM-Qualifikationsspiele zu übertragen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der nächste wäre, die ÖFB-Damen auf ORF 1 zu zeigen, statt auf dem mäßig erfolgreichen Sport-Spartensender zwischen der Wiederholung eines Formel-1-Rennens aus 1995 und Schi-Sturz-Compilation-Videos.


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Das beste Football-Jahr seit langer Zeit

Martin Senfter: 2017, ein ganz besonderes Jahr für Liebhaber des amerikanischen Footballs. Im Jänner von einem epischen College Football-Finale eröffnet, indem sich Deshaun Watson unsterblich machte, erlebten Millionen von ZuschauerInnen Anfang Februar die unglaublichste Aufholjagd der Football-Geschichte: Der Superbowl zwischen den New England Patriots und den Atlanta Falcons hatte einfach alles — eine dominierende Mannschaft, die schnell auf einen 25-Punkte-Vorsprung davon ziehen konnte, verzweifelte Patriots-Anhänger, die erste Verlängerung der Superbowl-Geschichte und schlussendlich die Erkenntnis, dass Tom Brady der größte Quarterback aller Zeiten ist. Dieses Spiel kann man nur sehr schwer toppen.

Neben dem sportlichen Highlight, steht mit dem NFL-Draft Jahr für Jahr Ende April der Höhepunkt der Offseason auf dem Programm. So spektakulär wie in diesem Jahr hat man die Auswahl der besten College-Spieler zu den einzelnen Teams selten erlebt. Überraschende Tauschgeschäfte, Spieler, die man früher vom Board erwartet hätte, die Cleveland Browns, die wieder einmal auf einen Quarterback in der ersten Runde verzichteten … drei magische Nächte in Philadelphia.

Die aktuelle NFL-Spielzeit neigt sich dem Ende zu, dennoch kann man sehr zufrieden auf den bisherigen Saisonverlauf zurückblicken. Einige Teams sind nach jahrelanger Abwesenheit wieder in die Playoffs eingezogen und bringen endlich wieder einen Mix in die sonst so vorhersehbare Football-Landschaft. Persönlich freut mich der Aufstieg der New Orleans Saints um Marshon Lattimore und Alvin Kamara sicherlich am meisten. Wenn die Detroit Lions das 2018 ähnlich gut hinbekommen, bin ich äußerst glücklich. Das kommende Football-Jahr möge uns ebenso viele epische Momente bescheren wie es 2017 getan hat.

Mensur Suljovic — “The Gentle”

Phillipp Daross: Seit einer Weile mischt Mensur Suljovic im Profibereich der Darts-Szene mit und ist dem alteingesessenen Darts-Fan schon längst ein Begriff. 2016 konnte sich Suljovic in den Top 10 der Weltrangliste etablieren und zeigt seither Woche für Woche gute Leistungen. Spätestens seit seinem ersten Major-Titel im September 2017, bei der Champions League of Darts, bekommt Suljovic nun auch in Österreich die Aufmerksamkeit, die er verdient.

Die Berichterstattung rund um Suljovic und über den herausragenden Erfolg von “The Gentle” wurde häufiger. Darum wundert es nicht, dass Suljovic in die engere Auswahl des österreichischen Sportlers des Jahres gekommen ist. Für einen negativen Beitrag sorgte abermals der für seine polarisierende Art bekannte Snowboarder Benjamin Karl. Er stellte in Frage, ob Darts überhaupt ein Sport sei und war mit der Nominierung von Suljovic so gar nicht zufrieden. Fairness und Anerkennung für die Leistungen eines Kollegen sehen anders aus. Shame on you, Benjamin Karl!

Zurzeit läuft die Weltmeisterschaft in London. Suljovic ist immer noch dabei und kann am Donnerstag mit einem Sieg gegen den Belgier Dimitri van den Bergh den Einzug in sein erstes WM-Viertelfinale fixieren. Wenn der Österreicher es 2018 in ähnlicher Manier schafft, konstant seine guten Leistungen abzurufen, werden wir uns auf mehr Titel von Mensur Suljovic einstellen können.


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Real Madrid gewinnt die Champions League

Leonard Laurig: 2017 wird in den Fußballgeschichtsbüchern besondere Erwähnung finden. Denn in diesem Jahr gelang es dem ersten Team in der Geschichte der Champions League, den Titel zu verteidigen. Die “Königlichen” bezwangen in einem packenden Finale Juventus Turin mit 4:1 und krönten sich damit erneut zur besten Mannschaft Europas.

Die Madrilenen konnten sich abermals auf ihren Superstar Christiano Ronaldo verlassen, der zwei Treffer zum Finalsieg beisteuerte und sich anschließend den Torjägertitel sicherte. In einer ansehnlichen, temporeichen ersten Hälfte, in der “CR7” sein Team in Führung gebracht hatte, glich Mario Mandzukic mit einem Traumtor aus. Unentschieden ging es in die Halbzeitpause.

Die zweite Hälfte gehörte dann aber den Spaniern, die dominanter auftraten und “Juve” fast ausschließlich zur Defensivarbeit zwangen. Nach einer guten Stunde sorgte Casemiro für die erneute verdiente Führung, ehe drei Minuten später Ronaldo die Partie mit seinem 3:1 schon so gut wie entschieden hatte. Spätestens nach dem Platzverweis von Juan Cuadrado in der 84. Minute war klar, dass Real an diesem Abend die Trophäe als ersten Team zum zweiten Mal in Folge hochhalten werde. Für den krönenden Abschluss sorgte in der Schlussphase der eingewechselte Asensio mit dem Treffer zum 4:1-Endstand.

Für Real war es der insgesamt zwölfte Gewinn des europäischen Prestigetitels (inklusive Europapokal der Landesmeister), womit sie unangefochten den Rekord halten. Auch im Jahr 2018 werden sie wieder als Favorit ins Titelrennen gehen, doch ein Spaziergang wird es für die Rekordmannschaft um Weltfußballer Ronaldo sicher nicht.


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Lewis Hamilton wird zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister

Martin Senfter: Der Stachel der Niederlage gegen Nico Rosberg im vergangenen Jahr saß bei Lewis Hamilton tief, umso mehr wollte der Brite 2017 zurückschlagen. Ohne seinen mittlerweile zurückgetretenen schärfsten Konkurrenten sollte der vierte Weltmeistertitel sprichwörtlich eingefahren werden. Mit Valteri Bottas wurde Hamilton ein sehr ambitionierter Fahrer ins Team-Auto gesetzt, den größten Konkurrenten auf die WM sollte aber Sebastian Vettel und Ferrari darstellen. Auch wenn es für Mercedes am Ende doch noch eine sehr deutliche Angelegenheit wurde, war die Saison über lange Strecken äußerst spannend — endlich wieder.

Der Auftaktsieg von Vettel in Australien, die Aufholjagd von Hamilton in den kommenden Wochen und das Aufflammen von Bottas in den ersten Rennen gaben die Richtung für eine starke Saison vor. Highlights waren dabei sicherlich das Chaos von Aserbaidschan und der dazugehörige Sieg von Dani Ricciardo, der nicht zum ersten Mal zeigte, dass er ein herausragender und im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Max Verstappen kein Mit-der-Brechstange-Fahrer ist. Unvergessen dabei: Vettels Manöver gegen Hamilton — unfair, aber dennoch unterhaltsam. Ferrari hat 2017 einen guten Schritt in die richtige Richtung gemacht, wenn man jetzt in den Wintermonaten gut weiterarbeitet, dürfte einer noch spannenderen Saison 2018 nichts mehr im Weg stehen.


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Russell Westbrook — das laufende Triple Double

Jonas Röhl: Das Highlight in diesem NBA-Jahr war die Performance von Russell Westbrook. Die Saison 2016/17 war wie eine Achterbahnfahrt für den jungen Aufbauspieler. In Oklahoma verschifften die Verantwortlichen zuerst Serge Ibaka nach Orlando, um genug Gehaltsspielraum zu generieren, damit sie Kevin Durant und Russell Westbrook neue Verträge unterbreiten konnten. Durant entschloss sich jedoch, mit seinem Talent an die Bay Area zu ziehen und schloss sich dem Konkurrenten aus Oakland an. So war aus dem ehemaligen Finalteam 2012 neben Westbrook nur noch der Rollenspieler Nick Collison erhalten geblieben.

Russell hatte nun alleinig die Zügel der Franchise in der Hand. Er war ab sofort der unangefochtene Superstar der Oklahoma City Thunder und das zelebrierte er auch. Westbrook erledigte alles für seine Mannschaft: Sei es Scoring (31,6 Punkte pro Spiel), Rebounding (10,7 Rebounds) oder das kluge in Szene setzen seiner Mitspieler (10,4 Assists). Das Erreichen des sechsten Platzes und somit die Teilnahme an den Playoffs in der starken Western Conference verdankten die Thunder alleine ihrem stark aufspielenden Superstar.

Mit 42 (!) Triple Doubles in einer Saison überbot er die 55-jährige Bestmarke von Oscar Robertson, der mit 41 Stück den bisherigen Rekord gehalten hatte. Westbrook ist auch erst der zweite Spieler, dem es gelang, ein Triple Double im Schnitt über eine ganze Saison aufzulegen. Hier hielt Robertson seit der Saison 1961/62 ebenso den alleinigen Rekord. Diese Höchstleistung sollte laut einigen ExpertInnen nicht mehr zu erreichen sein. Das Spiel hätte sich seit damals zu sehr verändert, dass eine solche Leistung noch einmal zu wiederholen sei. Russell Westbrook schaffte somit das fast Unmögliche und wurde folgerichtig zum Most Valuable Player der Saison gewählt.

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[Foto: Keith Allison/Flickr (Brady)/Wikimedia Commons (Westbrook)/CC BY-SA 2.0/Ailura/Wikimedia Commons (Burger)/CC BY-SA 3.0 AT/Illustration von James P. Platzer]

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