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Die zehn besten Serien 2017

Obwohl es 2017 eine Unmenge an guten Serien gegeben hat, sind hier unsere zehn besten Serien des vergangenen Jahres

Die zehn besten Serien 2017 28. Dezember 20172 Comments

Ressortleiter Popkultur

Von Jahr zu Jahr vermehrt sich die Quantität der Serienlandschaft und wir werden regelrecht mit allen möglichen Genres überschüttet — gut so! Denn egal, ob es bereits preisgekrönte Serien oder neue Angebote sind: Die Qualität nimmt (meist) zu und der Konsum dieser Formate sowie die gesellschaftliche Akzeptanz steigt stetig an. Bereits in vielen Freundeskreisen macht das Debattieren über die Lieblingsserien einen großen Teil aus.

Schwierig wird es, wenn man den Versuch unternimmt, die Serien zu ranken. Einerseits ist das Angebot so riesig, dass es schier unmöglich ist, die gesamte Palette an Produktionen zu sehen. Andererseits bestimmen die Qualität einer Serie so viele Aspekte, die bei verschiedenen Menschen unterschiedlich gewichtet sind. Geschmäcker sind bekanntlich auch verschieden, trotzdem haben wir für euch unsere Bestenliste zusammengestellt. Also hier sind sie, die zehn besten Serien des vergangenen Jahres:

10. Mindhunter

In dieser Eigenproduktion von Netflix geht es um die FBI-Agenten Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany), die die Bedeutung von Kriminalpsychologie im FBI erhöhen möchten. In der Debütstaffel interviewen sie dabei Serienkiller, um deren Vorgehensweise zu analysieren und Rückschlüsse auf ihr Verhalten zu ziehen und so präventiv gegen Morde und Triebtäter vorgehen zu können.

Das Setting der späten 1970er Jahre ist großartig inszeniert und vor allem die schauspielerischen Künste von Jonathan Groff machen Mindhunter zu einer der Überraschungen des Jahres. Darüber hinaus begibt sich die Serie gekonnt in die Abgründe der menschlichen Psyche, in die das Publikum durch grandiose Dialoge hineingezogen wird. Leider bleibt das Erzähltempo meist langsamer, was darauf zurückzuführen ist, dass sich die Macher bemühen, tiefgründige Charaktere und eine gut überlegte Story aufzubauen. Dies gelingt zum Ende hin großartig und mit der finalen Episode ebnet Mindhunter der bereits angekündigten zweiten Staffel einen vielversprechenden Weg.

9. StartUp

Bitcoin, Darknet, Start-ups — Themen, die momentan in den Medien einen hohen Grad an Aktualität besitzen. Das Sony-Network Crackle hat dies bereits 2016 erkannt und mit StartUp eine Serie geschaffen, die das hippe und progressive Flair von Silicon Valley und Co. auf den Kopf stellen. Korruption, Gewalt und die Gier nach Geld verbergen sich hinter den jungen und erfolgreichen Selfmade-Millionären von Start-ups — in diesem Fall findet die Serie in Miami statt.

Bereits das Debüt konnte in vielen Aspekten brillieren, die nahezu alle mit der zweiten Staffel getoppt wurden. Die Persönlichkeiten und Beziehungen zwischen der Programmierin Izzy (Otmara Marrero), dem Bänker Nick (Adam Brody) und Bandenführer Big Ron (Edi Gathegi) erfahren noch mehr Tiefgang. Denn obwohl sie von komplett verschiedenen gesellschaftlichen Milieus kommen und demnach unterschiedliche Ziele verfolgen, fiebert man mit ihnen mit, ob sie mit ihren gemeinsamen Apps und Visionen endlich Erfolg haben können. Eine rundum gelungene Serie, die durch starke Charaktere (Martin Freeman als FBI-Agent und Ron Perlman als Investor!) und einer mitreißenden Story punkten kann.

8. Attack on Titan

“The world is cruel and merciless.” Diese Worte drücken die Verzweiflung der meisten Charaktere aus. Die Manga-Vorlage Attack on Titan (japanisch Shingeki no kyojin) hat bereits 100 Chapter. Aufgrund seiner Popularität gibt es bereits als Anime auch zwei Staffeln. In der mittelalterlichen Welt sind die Menschen umgeben von drei Mauern, die sie vor den Titanen schützen sollen. Denn diese Titanen fressen Menschen und es scheint, als wollen sie die Menschheit komplett auslöschen.

Mit zwölf Folgen ist die zweite Staffel für einen Anime sehr kurz. Jedoch ist die Frequenz an epischen Kämpfen, emotionalen Momenten und unvorhersehbaren Twists so hoch, dass es wenig Verschnaufpausen gibt. Nach und nach finden die Protagonisten etwas über die Titanen heraus, die Story bleibt aber weiterhin so mysteriös, weil viel auf Verschwörungen unter den Menschen selbst hindeutet. Überspitzt formuliert ist Attack on Titan das “Game of Thrones des Anime”, denn die japanische Serie glänzt mit einer verwobenen Story zwischen den Helden und Heldinnen, der Religion (mit den Mauern als Gottheiten), der Politik und dem Unbekannten, den Titanen.

7. Dark

Das Jahr 2017 kann durchaus als Meilenstein für die deutsche Serienkultur gesehen werden. Als im Herbst 2017 Babylon Berlin erschien, meinten viele, die historische Krimiserie gälte als beste deutsche Serie. So war es auch — bis am 1. Dezember die erste deutsche Netflix-Serie Dark erschien. Die Mystery-Serie begibt sich auf die Reise durch die Zeit — wortwörtlich. Mit Sicherheit diente Stranger Things als Vorbild, allerdings wirkt Dark noch eine Spur düsterer und komplexer.


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Zwar ist es teilweise extrem schwer, der komplexen Geschichte mit den vielen Charakteren zu folgen, jedoch zieht die stetig düstere und bedrohliche Inszenierung das Publikum in den Bann. Die Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen von Raum und Zeit hinterlassen sicherlich bei vielen ZuseherInnen Gehirnmatsch. Vor allem in der letzten Hälfte der Staffel fügt sich einigermaßen das Gesamtbild der Story — bis das Ende wieder mind-blowing ist und man quasi am Anfang steht.

Der Anfang ist das Ende und das Ende ist der Anfang.

Wer auf ein authentisches Setting steht und Interesse an der komplexen Thematik von Raum und Zeit hegt, der kommt bei dieser großartigen Serie nicht vorbei. Bei den zehn Folgen ist jedenfalls viel Konzentration nötig.

6. Master of None

Aziz Ansari zauberte mit der zweiten Staffel von Master of None ein weiteres Mal ein Schmankerl aufs Tablett von Serienfans. Die Mischung aus kluger Comedy, Romance und der Thematisierung von gesellschaftlichen Problemen macht die Netflix-Produktion zu einem Unikat. Dabei stellt jede Folge quasi einen eigenen Kurzfilm dar, worin es um Träume, Herausforderungen und Liebe geht.

Auf bescheidene Art und Weise widmet Ansari beispielsweise eine Folge den Alltag von mehreren New Yorkern, angefangen von einem taubstummen Pärchen bis hin zu partyhungrigen Einwanderern, die sich schlussendlich beim selben Kinofilm begegnen. Darüber hinaus sticht die Thanksgiving-Folge heraus, in der der schwierige Weg des Coming-outs von Denise (Lena Waithe) thematisiert wird. Gegen Ende der Staffel kommt es dann zu der bewegendsten Lovestory dieses Jahres. Auf grandiose Weise wird das Dilemma von Dev, gespielt von Ansari, und Francesca (Alexandra Mastronardi) inszeniert. Gepaart mit atemberaubenden Sequenzen macht es das Staffelfinale zu wahrlicher Kunst.

5. 13 Reasons Why

Kommen wir zur Überraschungsserie von 2017. Am 31. März haute Netflix ihre Eigenproduktion ins Programm und schon nach wenigen Tagen entstand sowohl unter Serienfans als auch medial ein großer Hype. Völlig zurecht, denn noch nie wurden die Themen Suizid, Mobbing und Rape Culture derartig schonungslos dargestellt. Noch immer läuft bei folgenden Worten ein kalter Schauer über den Rücken:

Hey. It’s Hannah. Hannah Baker. Live and in Stereo.

Die 13 Folgen hinterließen beim Großteil des Publikums zwar Verstörung, mit der 13 Reasons Why jedoch den Nagel auf den Kopf trifft. Denn Popkultur bietet viele Möglichkeiten, auf Missstände hinzuweisen und das Denken vieler Menschen zu verändern. Genau jenen Aspekt erfüllt die Netflix-Produktion am besten, denn keine andere Serie 2017 generiert einen nachhaltigeren Effekt darauf, wie im realen Leben zwischenmenschlich umgegangen werden sollte.


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4. Rick & Morty

Seit 2013 steht die Zeichentrick-Serie von Justin Roilard und Dan Harmon weit oben auf dem Serienolymp. Die Angst, den Machern könnten die Ideen ausgehen, ist überflüssig, denn auch mit der dritten Staffel rund um das Großvater-Enkel-Gespann besitzt jede Folge eine durchdachte, individuelle und originelle Story. Zwischen der narrativen Struktur betten die Macher so viel Humor ein, dass die Serie mit 9,16 Witze pro Minute Comedy-Genre den Ton angibt.

Noch genialer sind die Multiversen, in denen die Cartoon-Serie spielt. Zwar gibt es erst drei Staffeln, jedoch bietet der unendliche Charakter von Multiversen etliche Theorien, was bereits geschehen ist und wie es weitergehen könnte. Rick & Morty ist ein Feuerwerk an Kreativität. Je intensiver es erlebt wird, desto mehr kann es die Grenzen des Denkens aufbrechen. Deshalb handelt es sich bei dieser Umsetzung um die intelligenteste und kreativste Serie, die es momentan zu bestaunen gibt.

3. Game of Thrones

Für manche wird der dritte Platz für die Kultserie Game of Thrones zu hoch gegriffen sein, denn die siebte Staffel erfuhr relativ viel Kritik. Durch den immensen Hype schuf HBO derartig große Erwartungen, die bei einigen nicht ganz erfüllt werden konnten. Klar, die Erzählzeit war zu schnell, die Serie verlor dadurch ein bisschen an Charme und am Ende wurde der Fan-Service — (Dany und Jon!) — seitens der Showrunner kritisiert.

Trotz alledem ist die siebte Staffel in ihrer Gesamtheit noch immer unter den besten Produktionen von 2017. Die Schlacht in der Folge “The Spoils of War” steht dem “Battle of the Bastards” (Staffel 6) um nichts nach, schauspielerisch befanden sich viele Darsteller in Höchstform (besonders hervorzuheben: Lena Headey, Peter Dinklage, Nicolaj Coster-Waldau) und mit dem Fall der Mauer ist der Ausgangspunkt für die finale Staffel perfekt gewählt worden.


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2. Stranger Things

Neun Folgen — ein wunderbares Erlebnis, das viele an einem Tag verschlungen haben. Auch mit immensen Erwartungen erschienen, schaffte es Stranger Things, den Erfolg der ersten Staffel beizubehalten. Abermals besticht die Serie mit dem authentischen Setting der 1980er Jahre, das nur so vor popkulturellen Querweisen strotzt. Ein Werk voller nostalgischer Momente. Die Inszenierung wurde noch düsterer und beeindruckt mit mitreißender und packender Story.

Besonders hervorzuheben sind der charakterliche Tiefgang und die geschaffene Empathie mit den Protagonisten. Wenigen Serien gelingt es, jeden einzelnen Charakter mit so viel Liebe zum Detail auszustatten, sodass sich das Publikum mit den Akteuren identifizieren kann. Dies liegt vor allem an den grandiosen schauspielerischen Leistungen der DarstellerInnen. Insbesondere Millie Bobby Brown als Eleven und Noah Schnapp als Will Byers stechen hervor, sowie Winona Ryder als Joyce Byers und David Harbour als Jim Hopper — eine durch und durch grandiose Darbietung. Ein spezieller Shoutout geht an Dustin, der auch nach dieser Staffel für viele Fans der Lieblingscharakter bleibt.


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1. Mr. Robot

Der Titel “Beste Serie 2017” geht an das Meisterwerk von Sam Esmail, denn die dritte Staffel kommt dem Prädikat “perfekt” sehr nahe. Mr. Robot besticht in jedem Aspekt. Alle Charaktere scheinen ausgezeichnet auf die Stärken der SchauspielerInnen ausgelegt zu sein, viele Fragen wurden endlich beantwortet und die Inszenierung jeder Folge ist in ihrer Individualität genial umgesetzt. Die zehn Folgen bilden in ihrer Gesamtheit eine harmonische Erzählung, welche die Handlungsstränge zügig vereint, aber auch genügend Zeit in die charakterliche Weiterentwicklung investiert.


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Schauspielerisch befinden sich Rami Malek als Elliot und Christian Slater als Mr. Robot abermals auf einem sehr hohen Niveau. Zudem erfüllen auch die Nebencharaktere ihre Rollen sehr konsequent. Vor allem die Performance von Bobby Carnavale, der den Mittelsmann Irving zwischen fsociety und Dark Army spielt, ist zu betonen.

Obwohl ein großer Teil der komplexen Handlung aufgeklärt wird, gibt es einige überraschende und gnadenlose “WTF”-Momente, die Fassungslosigkeit erzeugen. Ein Highlight nach dem anderen zauberte Sam Esmail bei der dritten Staffel aus dem Ärmel. Was ist richtig, was ist falsch? Mr. Robot beantwortet diese Frage nicht und zwingt dem Publikum immer wieder die entscheidende Frage auf: “Wie viel darf für ein größeres Wohl der Menschen geopfert werden.” Mr. Robot ist somit eine Serie, die sowohl technisch als auch inhaltlich klasse umgesetzt ist und rangiert somit heuer am Serienolymp.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

[Foto: © Netflix (Dev)/©Courtesy Netflix/Netflix (Eleven)/© Sky/HBO (Jon Snow)/Illustration von James P. Platzer]

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