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Hurra, die San Francisco 49ers sind zurück

Dank Jimmy Garoppolo sind die San Francisco 49ers das derzeit heißeste Team der NFL

Hurra, die San Francisco 49ers sind zurück 29. Dezember 2017Leave a comment

Redakteur

Auch wenn der Saisonstart noch alles andere als rund verlief, können die San Francisco 49ers die aktuelle Spielzeit dennoch mit einem sehr positiven Verlauf abschließen. Hier ist eine kleine Reise durch den gold-roten Kosmos.

Die Offseason

Die Erwartungen im Februar waren zwiegespalten, als Kyle Shanahan und John Lynch das Ruder der San Francisco 49ers übernahmen. Als Offensive Coordinator vercoachte Shanahan wenige Tage zuvor in einem historischen Superbowl den möglichen Sieg seiner Atlanta Falcons, wurde aber als neuer Cheftrainer der 49ers präsentiert. Lynch, einer der besten Safties aller Zeiten, wurde schon im Januar von CEO Jed York zum neuen General Manager erkoren. Eine interessante Entscheidung, war Lynch zuvor doch nur als TV-Experte tätig und hatte noch keinerlei Erfahrung in einem Front Office eines NFL-Teams. Die beiden sollten aber endlich wieder für Erfolg in Santa Clara sorgen.

Großes Thema der Offseason war die Personalie Colin Kaepernick, der nach seinem friedlichen Protest gegen willkürliche Polizeigewalt keine Arbeit mehr fand. San Francisco mit Shanahan und Lynch planten nach Kaepernicks freiwilliger Vertragsauflösung ohnehin nicht mehr mit dem Spielmacher, mussten damit aber einen neuen Quarterback finden. In Brian Hoyer wollte man zumindest einen erfahrenen Mann für mindestens eine Saison spielen lassen — ein klassischer Übergangsmann, der die Mannschaft zum einen oder anderen Erfolg bringen soll.


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Die wohl prägendste Phase und erste Duftmarke setzte Lynch beim NFL-Draft: Der 46-Jährige überzeugte mit aggressivem Verhalten, tauschte Picks geschickt ein, stand am Ende mit zwei Erstrunden-Picks da und konnte sich mit Solomon Thomas und Reuben Foster die absoluten Lieblingsspieler in die Mannschaft holen. Dass Thomas und Lynch auch gemeinsam einen Kurs an der Stanford-Universität besuchten, rundete einen fast schon kitschig perfekten ersten Draft-Day ab. An Tag zwei adressierte man doch noch einmal das Quarterback-Thema und pickte überraschend früh C.J. Beathard, von dem Shanahan angetan schien. So startete man also in eine Übergangssaison.

Der Beginn

Natürlich konnte man sich von den neuen 49ers nicht viel erwarten. Die sehr junge Mannschaft war talentiert, es fehlte aber an Erfahrung und einem starken Spielführer. Hoyer konnte diese Rolle nicht erfüllen, er fiel immer wieder durch schwache Entscheidungen auf und konnte sein Team in den ersten sechs Spielen zu keinem Sieg führen. Shanahan reagierte und tauschte auf der Quarterback-Position durch: Rookie C.J. Beathard durfte sich beweisen und lenkte ab Week 7 die Geschicke der Traditions-Franchise.

Neben dem sportlich nicht nach Wunsch verlaufendem Start produzierte San Francisco durch die Entlassung von Linebacker Navorro Bowman weitere Schlagzeilen. Man sah einmal mehr: Mit Lynch als General Manager ist kein Spieler vor einer Kündigung sicher — es scheint aber auch alles andere möglich.

Der Trade für die Zukunft

Durch die schlechte Performance von Brian Hoyer und das noch nicht sehr NFL-würdige Spiel von Rookie Beathard gab es mehrere Theorien, wie San Francisco das Spielmacher-Problem in der kommenden Offseason angehen würde: Kirk Cousins, ehemaliger Spieler von Shanahan, als dieser noch Offensive Coordinator der Washington Redskins war, galt als aussichtsreichster Kandidat für den Job. Hätte man ihn nicht bekommen, hätte man vermutlich mit einem frühen Draft-Pick einen Quarterback (Sam Darnold, Josh Rosen) gepickt. Doch John Lynch nahm allen Theorien den Wind aus den Segeln.

Am 30. Oktober, einen Tag nach der achten Saisonniederlage gegen die Philadelphia Eagles, verkündete man den unerwarteten Trade mit den New England Patriots: Jimmy Garoppolo, der eigentliche Nachfolger von Tom Brady, wurde gegen einen Zweitrunden-Pick im kommenden Draft zu den 49ers getauscht. Lynch hatte wieder zugeschlagen und alle gelinkt. Für den 26-jährigen Garoppolo sollte nun endlich die große Stunde schlagen und nach drei Jahren des Wartens ein Starting-Job herausschauen.

Zunächst ließ Shanahan seine neue Waffe aber weiterhin sitzen und das Playbook kennenlernen. Beathard konnte die 49ers in Woche 10 gar zum ersten Saisonsieg gegen die New York Giants führen. Garoppolo übernahm erst in Week 13 als Starter und sollte die Saison damit komplett auf den Kopf stellen.

Das heißeste Team der Liga

Seitdem hat sich viel getan: Die ersten Mannschaften konnten sich für die Playoffs qualifizieren, Todd Gurley hat sich in den Fokus als Most Valuable Player gespielt und die 49ers sind zum gefürchteten Gegner mutiert. Garoppolo hebt das Spiel seiner neuen Mannschaft erheblich nach oben, kann aus seinen Passfängern das Maximum herausholen und überzeugt durch Spielintelligenz und Clutch-Faktor. Ausbeute bisher: vier Starts, vier Siege — darunter der eindrucksvolle Erfolg gegen die derzeit beste Defensive der Liga (Jacksonville Jaguars), denen “Jimmy G” locker und easy 44 Punkte einschenkte.

Garoppolos Spiel ist unglaublich effektiv und effizient. In vier Spielen (plus einer Angriffserie gegen die Seattle Seahawks in Woche 12, die er mit einem Touchdown abschließen konnte) kommt er in 145 Versuchen auf 100 Completions (69 %) und 1.268 Yards. Im Schnitt wirft er 253,6 Yards pro Spiel — aufgerechnet auf 16 Spiele wären das 4.048 Yards. Seine 8,7 Yards pro Wurf stellen den absoluten Topwert dar, bisher kam er auf sechs Touchdowns und drei Interceptions. Mit vier Siegen in Folge ist man zudem das derzeit erfolgreichste Team der NFL und definitiv wieder relevant.

Wie geht es weiter?

Die San Francisco 49ers sind mit Garoppolo den wichtigen und richtigen Schritt Richtung Erfolg gegangen. Denn: Ohne Garoppolo schnupperte man auch schon an Siegen, allein zwischen Woche 2 und 6 verlor man alle fünf Spiele mit einem Punktunterschied von maximal drei Punkten. Es fehlte hauptsächlich der Spielmacher, der das Momentum schlussendlich noch einmal drehen konnte.

John Lynch wird in der Offseason mit dem bald vertragslosen Garoppolo verlängern. Langfristig und gut bezahlt. Damit reden die 49ers auch wieder ein Wörtchen um die NFC West mit, die in den kommenden Jahren ohnehin enorm umkämpft sein wird.

Stand aller angegebenen Statistiken: 27.12.2017

Martin auf Twitter: @msenfter

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