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‘DAZN’-Analytiker Helge Payer im Interview

Im Gespräch mit dem Ex-ÖFB-Torhüter über seine Arbeit als TV-Experte und den Umgang mit Kritik

‘DAZN’-Analytiker Helge Payer im Interview 3. Januar 2018Leave a comment

Chefredakteur

Helge Payer gilt als einer der beliebtesten Torhüter in der Geschichte des SK Rapid Wien. Insgesamt 297-mal lief der gebürtige Oberösterreicher für den Traditionsverein aus der Hauptstadt auf. Seit rund vier Jahren kommt der ehemalige Nationalteamspieler auch seiner Leidenschaft als Analytiker nach. Zuerst beim ORF, co-kommentiert der 38-Jährige nun seit mehr als eineinhalb Jahren für den kostenpflichtigen Streamingdienst DAZN.

kultort.at hatte die Gelegenheit, sich mit Payer über seine Arbeit als Experte zu unterhalten, welche Meinung er zur Kritik an der Fußballberichterstattung im ORF hat und welche Schritte für DAZN als nächstes anstehen.

kultort.at: Von 2013 bis Herbst 2016 waren Sie Fußball-Experte beim ORF, daraufhin bekamen Sie vom SK Rapid Wien das Angebot für die Stelle als Head of Goalkeeping. Wie schwierig war die Entscheidung beim ORF aufzuhören für Sie?

Helge Payer: Obwohl für mich eine Rückkehr zu Rapid immer klar war, ist mir die Entscheidung schwergefallen, da mir die Arbeit beim ORF enormen Spaß gemacht hat. Ich habe dort eine neue Seite kennengelernt, die mir sehr gut gefallen hat.

Andererseits war die Wahl doch nicht so schwer, weil ich gewusst habe, dass die Position als Head of Goalkeeping bei Rapid etwas ganz Besonderes ist. Diese Stelle wollen sehr viele haben — ich auch. Und bei meinem Herzensverein eine entscheidende Rolle zu spielen ist mir sehr wichtig.

Zudem habe ich gewusst, dass ich bei DAZN noch eine Tür offen habe. Da kann ich meine Leidenschaft als Experte und Analytiker weiterleben. Zwar nicht mehr in dieser Regelmäßigkeit, aber trotzdem in konstanten Abständen.

Wie viel wussten Sie über DAZN, bevor Sie von dem Streamingdienst ein Angebot bekamen?

Ich war selber schon Kunde und habe mir dort viele Spiele angesehen. Als ORF-Experte beschäftigte ich mich bereits zu dieser Zeit mit der Thematik, ein Spiel live mitzukommentieren. Beim ORF war das damals nicht möglich, ich dachte mir allerdings: “Das möchte ich einmal machen.”

Was ist der größte Unterschied zwischen Ihrer Arbeit beim ORF und bei DAZN?

Es gibt keinen wirklich großen Unterschied, außer, dass man bei DAZN nur am Ohr ist, also ausschließlich zu hören ist. Hier muss man versuchen, über die Sprache zu glänzen. Beim ORF als Experte ist man stets sichtbar. Im Grunde gehe ich aber meiner Leidenschaft als Analytiker nach — und das macht mir dort wie dort eine Menge Spaß.

Speziell online findet man immer wieder kritische Äußerungen zur Fußballberichterstattung des ORF. Wenn Sie die Möglichkeit hätten, einen Aspekt an diesen Übertragungen zu verändern, welcher wäre das? Hätten Sie eine bestimmte Idee?

Also ich habe eine ganz andere Meinung dazu. Ich weiß, wie schwer das ist, habe es ja auch jahrelang gemacht. Wenn man vor dem Fernseher sitzt und es fällt etwas auf, ist es sehr leicht, dazu eine Meinung abzugeben. Genau so war es auch, als ich noch Fußball gespielt habe. Da gab es ebenfalls Leute, die gesagt haben: “Den hätte ich gehalten!”

Doch die Arbeit ist sehr schwer. Man sitzt dort und muss sofort einen Kommentar abgeben — das ist alles andere als leicht. Deswegen halte ich von dieser Kritik nichts. Es soll lieber jemand kommen, der es besser macht. Dann darf er seine Meinung abgeben.

Wissen Sie, warum es bei Fußballspielen im ORF im Vergleich zu DAZN noch immer keine Co-Kommentatoren gibt?

Soweit ich weiß, haben sie es schon des Öfteren probiert. Selbst Herbert Prohaska und Hans Krankl waren bereits als Co-Kommentatoren tätig. Warum der ORF das nicht weitergemacht hat, kann ich nicht erklären. Da habe ich keinen Einblick.


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DAZN wird ja besonders bei jüngeren Zielgruppen, die hauptsächlich Online-Medien nutzen, immer populärer. Was ist aus Ihrer Sicht der nächste Schritt, um in der österreichischen Sportjournalismus-Landschaft noch besser Fuß zu fassen?

Ich glaube, dass dieser Fortschritt sowieso von alleine passieren wird. Soviel ich mitbekomme, sind die extrem motiviert — und haben zudem das nötige Kleingeld, um ihre Ideen umzusetzen. Ich bin selbst sehr gespannt, wie es in nächster Zeit weitergehen wird. Möchte sich DAZN in Österreich noch mehr etablieren? Und wie geht es mit Sky bzw. dem ORF weiter? Es ist ja bekannt, dass die Letzteren nun nicht mehr die TV-Rechte haben werden.

Wie es sich jetzt genau weiterentwickeln wird, kann ich nicht sagen, aber ich finde es sehr spannend. Man merkt, dass wir uns in einer Umbruchphase befinden.

Johannes auf Twitter: @Joe_Pressler

[Foto: © Helge Payer]

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