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84 Jahre und Foodblogger aus Leidenschaft: Herr Peschka im Interview

Als junger Koch in Schweizer Nobelrestaurants, später im traditionellen Gasthaus in Oberösterreich und nun als einer der ältesten Foodblogger im Internet — Herr Peschka kocht einfach großartig

84 Jahre und Foodblogger aus Leidenschaft: Herr Peschka im Interview 5. Januar 20182 Comments

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Vor über sechzig Jahren hat Anton Peschka als Lehrling mit dem Kochen begonnen und damit bis heute nicht aufgehört. Durch seine gesammelten Erfahrungen in der Schweiz gelang es Herrn Peschka im eigenen Gasthaus in Oberösterreich die internationale Gastronomie mit der bodenständigen Landesküche zu verbinden. Seit 1998 genießt er den wohlverdienten Ruhestand und beglückte nur noch Freunde und Verwandte mit seinen Kochkünsten.

Mit Dezember 2014 änderte sich das aber — Herr Peschka kocht wieder für die Öffentlichkeit. Zu seinem 82. Geburtstag wurde der pensionierte Koch von seinen Töchtern mit einem besonderen Geschenk überrascht. Einen Foodblog — ohne kommerziellen Hintergrund, frei von Werbung, einfach nur mit dem Sinn, die großartigen traditionellen Rezepte festzuhalten und für die Zukunft zu sichern.

Herr Peschka mit seiner Kamera, dem Stativ und den Minischeinwerfern für die Bilder

Doch wer denkt, dass Herr Peschka nur den Namen für das Projekt trägt, der täuscht sich gewaltig. Er wählt die Rezepte selbst aus, macht die Fotos und begutachtet täglich die WordPress-Statistiken. Lediglich das Formulieren des Textes und das Veröffentlichen der Beiträge wird von Team Hangerl — den beiden Töchtern — übernommen.

In der Küche, in welcher all die köstlichen Rezepte entstehen, durfte kultort.at diesen sympathischen Herrn zu einem Interview treffen.

kultort.at: Wie war Ihre erste Reaktion auf den Blog als Geburstagsgeschenk?

Herr Peschka: Ich war zuerst ganz überrascht. Ich habe mir gedacht: “Na, was fällt denn denen wieder ein, dass ich mit 82 Jahren noch sowas machen kann?” Das war eigentlich meine erste Reaktion darauf. Aber Rezepte gab es ja genug, also war das alles ganz einfach. Durch meine Erfahrung, die ich in der Schweiz und in sechs verschiedenen Hotels gesammelt habe, gehen mir die Ideen nicht aus. Ich habe auch immer schon zuhause im Wirtshaus mitgeholfen. Somit war das Kochen schon seit frühen Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens.

War Koch zu werden also schon immer Ihr Wunsch?

Naja es war so: Meine Lehrzeit war damals gleich nach dem Krieg, da wurde geschaut, dass man schnell einen Beruf bekommt. Mein Bruder wurde Bäcker und ich sollte Koch werden. Nach der Schulzeit wurde nach einem Lehrplatz gesucht und ich habe zum Glück auch gleich einen gefunden. Im Hotel Schwarzer Bär in Linz. Das war damals ein sehr bekanntes Hotel mit einem guten Restaurant.

Wie war dann Ihr weiterer Ausbildungsweg?

Nach meiner Abschlussprüfung suchte man in der Schweiz gerade sehr viele Mitarbeiter für das Gastgewerbe. Ich habe mich einfach irgendwo beworben. Alles hat gleich geklappt, ich bin in die französischsprachige Schweiz und habe dort die Sommersaison verbracht. Die Besitzer waren sehr zufrieden und wollten mich gleich noch für die Wintersaison. Ich habe mich wirklich wohl gefühlt. Gelernt habe ich auch viel, weshalb ich natürlich Ja sagte. Danach habe ich in Genf als Koch gearbeitet und in Lausanne als Gardemanger (Koch für die kalte Küche). Für eine Saison war ich auch in einem Fischrestaurant tätig, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

Meine längste Zeit verbrachte ich in einem Spezialitätenrestaurant in Lausanne als Sous Chef. Dort habe ich vier Jahre gearbeitet. Nach dieser schönen Zeit musste ich nach Österreich zurück, um meinen Eltern im Wirtshaus zu helfen, wo ich später das Geschäft übernommen habe.

Herr Peschka (ganz rechts) als Koch in der Schweiz

Wären Sie sowieso wieder nach Österreich gekommen oder nur, weil Sie das Wirtshaus übernehmen sollten?  

Nein, ich wäre bestimmt in der Schweiz geblieben. Ich bin dann zwar nach Österreich zurück, aber im darauffolgenden Sommer hat es mich noch einmal so gereizt und ich bin für eine letzte Saison in die Schweiz. Das war aber wirklich meine letzte Zeit im Ausland, bevor ich endgültig in Eferding in unserem Familienbetrieb gelandet bin. Am Anfang hat mir die Schweiz schon sehr gefehlt. Ich hatte dort sehr viele Bekannte und Freunde. Die Chefs, die ich vier Jahre hatte, haben mich sogar noch zweimal in Eferding besucht — was mich sehr gefreut hat.


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Das hört sich nach einer echt guten und schönen Ausbildungszeit an. Können Sie sich an einen Moment erinnern, den Sie nie vergessen werden?

Was ich sicher nie vergessen werde, war mein erster Lohn in Schweizer Franken. Ich hatte nämlich nie eine richtige Uhr. Ich habe immer gesagt, von meinem ersten Lohn kauf ich mir endlich eine eigene Uhr. Allerdings wurde aus dem Wunsch während meiner Lehrzeit nichts. Damals musste ich mir ein Fahrrad kaufen, welches in den 1950er Jahren um die 450 Schilling gekostet hat. Ich habe aber nur zirka 350 Schilling verdient, deshalb musste ich sogar auf das zweite Gehalt warten. Dann habe ich mir endlich eine Omega Uhr gekauft, die ich heute noch habe. Das ist eine schöne Erinnerung an die Schweiz. Es wurde zwar immer sehr viel verlangt, aber ich hatte eine wirklich wundervolle Zeit dort, die ich nie vergessen werde.

Zurück in Österreich, wie ging es Ihnen dann im Familienbetrieb?

Ich habe viele Erfahrungen und Rezepte von der Schweiz mitgebracht und in die österreichische Küche in Eferding eingebaut. Speziell die vielen Gerichte mit Spargel. Diese hatte man damals bei uns noch gar nicht wirklich gekannt. Da habe ich mir gedacht, das probiere ich hier mal — und es hat super funktioniert.

Wie stehen Sie zu den modernen Gesundheitstrends? Das Verzichten auf Gluten, die vegane Ernährung und dergleichen?

Grundsätzlich denke ich mir, jeder soll das essen, was er gerne mag. Aber zudem glaube ich, dass man nicht vergessen sollte, dass die traditionelle österreichische Küche auch sehr gesund sein kann. Man kann bei gewissen Zutaten, wie zum Beispiel beim Fett, einfach etwas reduzieren. Und Gemüse hat man in Österreich sowieso viel. Jetzt ist eh gerade ein neues Rezept für einen einfachen Gemüseteller am Blog gepostet worden.

Wenn Sie jetzt noch nicht in Pension wären, wie würden Sie dann ein Gasthaus führen, in Zeiten der vielen Vorschriften und Debatten, wie aktuell das Nichtrauchergesetz? 

Ich bin selbst Nichtraucher und ich würde ein generelles Rauchverbot im Gasthaus bevorzugen. Unser damaliges Wirtshaus wäre gleich zum Nichtraucherlokal geworden. Wir haben zwar sehr viele Raucher gehabt, speziell die Stammtische, aber ich war immer ein Gegner vom Rauchen im Gasthaus. Damals war der Nichtraucherbereich noch gar nicht üblich und man konnte es deshalb nicht wirklich verhindern. Ich bin mir sicher, wenn das Essen und die Atmosphäre passen, kommen die Leute. Dann verzichten sie gerne mal für eine kurze Zeit auf das Rauchen.


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Die Küche in Ihrem Gasthaus Roter Krebs hatte einen sehr guten Ruf. Was würden Sie sagen, was das am meisten bestellte Gericht?

Das war immer stark saisonbedingt. In der Spargelzeit wurden zum Beispiel im Schnitt zwischen 700 und 800 Kilo Spargel benötigt. Zur Herbstzeit war natürlich das Wild ganz beliebt. Und Fisch ist bei uns sowieso immer gut gegangen, weil wir extra im Gasthaus ein eigenes Aquarium hatten.

Wie ist es jetzt als pensionierter Koch mit so viel Erfahrung, wenn man selbst Gast in einem Restaurant ist? Achtet man da auf etwas besonders genau?

Ja achten schon, aber ich würde mich nicht beschweren oder etwas reklamieren. Wenn es mir gar nicht geschmeckt hat, komme ich eben nicht wieder. Ich denke mir immer, Fehler können jedem passieren. Da muss man sich nicht gleich aufregen, das ist nicht meine Art.

Haben Sie abschließend noch Tipps, die Sie gerne Menschen weitergeben würden?

Ich sag immer, Kochen kann im Grunde jeder. Irgendetwas bekommt man immer hin. Ein Tipp ist, auf jeden Fall nicht immer einen Haufen Gewürze zu kaufen, die dann ewig im Küchenkasten stehen. Im Grunde braucht man nur Salz, Pfeffer und vielleicht etwas Kümmel. Im Sommer hat man dann auch noch oft Schnittlauch oder Petersilie. Darauf schau ich auch bei den Rezepten am Blog, dass sie einfach und verständlich erklärt sind. Ich fotografiere alles genau so, wie es gemacht gehört, damit man es anhand der Bilder schon Schritt für Schritt sehen kann. Es gibt auch ein paar Videos, in denen einfache Tricks erklärt werden.

Wie sind die Reaktionen auf dem Blog? Bekommen Sie oft Feedback?

Ja, schon oft. Gerade heute erst wieder hat mir eine Frau beim Bankomaten auf die Schulter geklopft und mir zum Blog gratuliert. Ich freue mich immer, wenn ich sehe, dass aus so vielen verschieden Ländern Menschen den Blog besuchen. Neben Aufrufen aus Österreich und Deutschland gibt es täglich welche aus den USA und aus Japan. Es waren aber auch schon Länder wie Sri Lanka, Costa Rica, Kamerun, Marokko oder zum Beispiel die Seychellen dabei. Ich finde es immer wieder interessant, welche Rezepte aus welchen Ländern angeklickt werden.

Johanna auf Twitter: @johannaecker_

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