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NFL-Playoffs: Was wir in den Wild-Card-Spielen gelernt haben

Bereits in der ersten Runde der NFL-Playoffs kam es zu mehr als nur einer Überraschung

NFL-Playoffs: Was wir in den Wild-Card-Spielen gelernt haben 8. Januar 20182 Comments

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Nach insgesamt 17 Spieltagen sind die NFL-Playoffs 2018 voll im Gange. Somit ist der Großteil der Spieler, Trainer und Co. bereits im Urlaub, während die zwölf letzten Teams um den Einzug in den Superbowl kämpfen. Am ersten Playoff-Wochenende, der sogenannten Wild-Card-Runde, treffen die zwei besten Nicht-Division-Sieger auf die zwei schlechtesten Division-Sieger der jeweiligen Conference. Die zwei Division-Sieger mit der besten Saison-Bilanz (sowohl in der NFC als auch in der AFC) genießen einstweilen ein Bye und können die erste Playoff-Runde gemütlich vor den TV-Geräten verbringen.

Doch was sind einige der größten Lehren aus den ersten vier Playoff-Match-ups? Wir haben uns alle vier Spiele genau angesehen — hier sind vier Takeaways:

1. Vertraue niemals den Chiefs in den Playoffs

Beginnen wir mit einer schon beinahe alljährlichen Tradition: der frühen Playoff-Niederlage der Kansas City Chiefs. Zu Beginn sah alles perfekt für die Mannschaft von Andy Reid aus. Das Offensiv-Quartett der Chiefs — bestehend aus Alex Smith, Travis Kelce, Tyreek Hill und Kareem Hunt — spielte um Meilen besser als der Angriff der Tennessee Titans, wie dieser Drop von Eric Decker wunderschön veranschaulicht:

Doch in typischer Chiefs-Manier (und aufgrund der Verletzung von Kelce) war selbst ein 21:3-Vorsprung nicht genug, um die sechste Heim-Playoff-Niederlage in Serie zu verhindern. Mit 19:0 dominierte Tennessee in der zweiten Hälfte in allen Belangen und konnte das Spiel noch 22:21 drehen.

Die Titans, angeführt von Marcus Mariota und Derrick Henry, können auf dieses historische Comeback immens stolz sein. So ist Tennessee laut The Ringer erst das dritte Playoff-Team in der NFL-Geschichte, das von einem 18-Punkte-Rückstand zur Halbzeit noch zurückkommen und gewinnen konnte. Das Highlight war definitiv der Touchdown-Pass von Mariota zu … Mariota! Das sieht man auch nicht alle Tage:

Wie es mit Kansas City in der Offseason weitergeht, wird interessant zu beobachten sein. Nicht umsonst gibt es bereits Headlines wie “Andy Reid may not be right coach for Chiefs after latest playoff collapse”. Mittlerweile fühlt man sich von diesem Team beinahe verarscht. Jedes Jahr spielen sie eine großartige Regular Season und gelten für längere Zeit als einer der großen Favoriten auf den Superbowl. Jedes Jahr folgt ein ernüchternder Auftritt in der Postseason.

2. Playoff-Erfahrung darf nicht unterschätzt werden

Nach einer überraschend erfolgreichen Saison gab es für die Los Angeles Rams am Samstag einen bitteren Reality-Check. Gegen beinahe fehlerlose Atlanta Falcons setzte es eine doch recht klare 13:26-Niederlage. Somit waren die ersten Playoffs von Headcoach Sean McVay und Co. nach 60 Spielminuten auch schon wieder vorbei.

Zwei Faktoren, über die man nur selten spricht, machten in dieser Partie den Unterschied aus:

  • Special Teams: Das Return-Team der Rams verursachte zwei Ballverluste, während Falcons-Kicker Matt Bryant alle vier seiner Kicks (darunter eine 54-Yards-Bombe) souverän verwertete.
  • Time of Possession: Mit 37 Minuten und 35 Sekunden nutzte Atlanta die beiden Turnovers der Rams eiskalt aus und hielt den Ball mit Abstand länger in den eigenen Reihen. So gab es für Rams-Spielmacher Jared Goff nur wenige Möglichkeiten, zu scoren.

Speziell zu Beginn des Spiels merkte man den Rams ihre Nervosität extrem an, was auch verständlich ist, da beinahe keiner der L.A.-Spieler Playoff-Erfahrung hatte. Für Atlanta auf der anderen Seite scheint der letztjährige Playoff-Run (trotz Superbowl-Debakels) eine wertvolle Erfahrung gewesen zu sein. So wirkten sie von Beginn an abgebrühter, erspielten sich eine 13:0-Führung und blickten nicht mehr zurück.

Dieses Spiel ist ein schönes Beispiel dafür, dass Playoff-Erfahrung nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden darf und sich in der NFC noch zu einem entscheidenden Faktor entwickeln könnte. Bis auf Atlanta schaffte es letztes Jahr nämlich kein anderes der heurigen verbleibenden Teams in die Postseason.

3. Jacksonville bleibt schwer einzustufen

In Florida kamen am Sonntag  zwei der längsten Playoff-Durststrecken in der gesamten Liga zu einem Ende. Für die Jacksonville Jaguars war es das erste K.-o.-Spiel im Jänner seit zehn Jahren und für die Buffalo Bills war es sogar die erste Playoff-Qualifikation seit 1999. Umso weniger überraschend natürlich die Motivation der nie enttäuschenden Bills Mafia:

Wie erwartet, entwickelte sich dieses Spiel zu einer wahren Defensiv-Schlacht. So dauerte es ganze 28 Minuten, bis die Bills mit einem Field Goal die ersten Punkte der Partie erzielten. Dank der erneut starken Verteidigung der Jaguars erkämpfte sich Jacksonville am Ende einen 10:3-Heimsieg.

War es eine ausgezeichnete Angriffsleistung der Jaguars? Natürlich nicht. Doch Quarterback Blake Bortles zeigte sich von einer Seite, die zwar auf den ersten Eindruck verwirrend scheint, aber doch auch als beeindruckend angesehen werden muss. In seinem ersten Playoff-Spiel warf er zwar nur für 87 Yards, zeigte aber dafür viel Einsatz und Geschick. So lief Bortles für insgesamt 88 Yards — mehr als jeder andere Spieler in diesem Match-up.

Zudem gelang ihm bei Fourth & Goal an der 1-Yard-Linie der Bills der spielentscheidende Touchdown-Pass. Eine mutige Entscheidung von Headcoach Doug Marrone und ein starker Wurf von Bortles:

Diese Leistung der Jaguars bleibt allerdings sehr schwierig zu kategorisieren, da Buffalo das schwächste Playoff-Team der gesamten Postseason war. Nächstes Wochenende geht es zu den Steelers. Jacksonville gilt natürlich als krasser Underdog, der Jaguars-Sieg in Pittsburgh aus Woche 5 sollte dabei aber nicht komplett in Vergessenheit geraten.

4. Drew Brees spielt Championship-Football und der NFL sind Gehirnerschütterungen egal

Obwohl man in der Regular Season gegen die Carolina Panthers bereits zweimal gewinnen konnte, war es für die New Orleans Saints das erwartet schwierige Spiel. Zur Halbzeit führte New Orleans bereits 21:9, die Panthers kämpften sich allerdings immer wieder zurück und hatten in den letzten Minuten sogar noch die Chance auf den spielentscheidenden Touchdown. Am Ende reichte es aber zu einem 31:26 Heimsieg der von Sean Payton gecoachten Mannschaft aus Louisiana.

Überraschend dabei war die Tatsache, dass das in dieser Saison sonst so fulminante Laufspiel der Saints nicht der Hauptgrund für den Erfolg war. Die Runningbacks Alvin Kamara und Mark Ingram brachten es gemeinsam auf nur 45 Rushing Yards. Ob den beiden nächste Woche gegen die hervorragende Verteidigung der Minnesota Vikings eine besser Leistung gelingt, kann zu diesem Zeitpunkt bezweifelt werden.

Wer sich derzeit aber in absoluter Topform befindet, ist Quarterback Drew Brees. Mit 376 Passing Yards, zwei Touchdowns und einer Interception spielte der in einer Woche 39 Jahre alt werdende Spielmacher erneut ganz groß auf. Jedes Mal, wenn man dachte, die Panthers könnten das Spiel drehen, gelang Brees ein hochklassiger Pass, wie ihn sonst nur Tom Brady und Aaron Rodgers werfen können. Mit Michael Thomas (acht Catches, 131 Yards) hat der Saints-Quarterback zudem einen Receiver, der mittlerweile ohne Zweifel zu den besten Passfängern in der gesamten Liga gehört.

Was im letzten der vier Wild-Card-Spiele nicht so elitär war: der erneut schlechte Umgang der NFL mit verletzten Spielern. Nach einem harten Hit von Saints-Verteidiger David Onyemata konnte Panthers-Quarterback Cam Newton das Feld nicht selbstständig verlassen.

Nach nur einem Play an der Seitenlinie und einer kurzen ärztlichen Kontrolle kam der ehemalige MVP wieder zurück auf das Feld. Völlig unverständlich, denn wenn ein Einbruch kein Indiz für eine Gehirnerschütterung ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Newton hätte nicht mehr eingewechselt werden dürfen und die NFL hat erneut bewiesen, dass die Gesundheit der Spieler alles andere als ganz oben auf ihrer Prioritätenliste steht.

Johannes auf Twitter: @Joe_Pressler

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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