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NFL-Playoffs: Was wir in der Divisional-Runde gelernt haben

Die zweite Runde der NFL-Playoffs brachte uns zwei Underdog-Siege — und einen All-Time-Classic

NFL-Playoffs: Was wir in der Divisional-Runde gelernt haben 15. Januar 2018Leave a comment

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Bereits in den Wild-Card-Spielen sahen wir mehrere interessante Ergebnisse, doch was am Wochenende in der Divisional-Runde abging, wird NFL-Fans noch lange in Erinnerung bleiben — sowohl positiv als auch negativ. Wirft man noch einmal einen Blick auf die Pre-Game-Wettquoten, konnten sich nur zwei der vier Favoriten durchsetzen. Nimmt man die New England Patriots weg, stand seit 2010 keines der anderen drei Teams mehr in der Championship-Runde.

Doch was wird uns von der Divisional-Round wirklich in Erinnerung bleiben? Hier sind vier Takeaways:

1. Kein Wentz, kein Problem

Nicht oft kommt es vor, dass das beste Regular-Season-Team einer Conference in der Divisional-Runde als Underdog ins Spiel geht. Nach der Verletzung von Carson Wentz in Woche 14 und den hauptsächlich schwachen Auftritten von Backup-Quarterback Nick Foles wurden die Philadelphia Eagles zuhause (!) gegen die Atlanta Falcons vom Großteil der NFL-Community als Außenseiter angesehen — auf ESPN gingen sogar zehn der elf Experten und Expertinnen von einem Falcons-Sieg aus.

In der Anfangsphase sah es nach einer weiteren starken Mannschaftsleistung von Atlanta aus. Man konnte sich eine Drei-Punkte-Führung erspielen und zu Beginn erinnerte das Spiel an den Sieg der Falcons in der Woche zuvor gegen die Los Angeles Rams. Eagles-Hoffnungsträger Nick Foles hatte mit der schnellen Atlanta-Verteidigung seine Probleme und fand überhaupt keinen Rhythmus.

Eagles-Headcoach Doug Pederson entschied sich nach dem ersten Viertel dazu, noch mehr Fokus auf das Laufspiel zu legen sowie mit Nick Foles etwas kreativer zu agieren. So spielte Philadelphia viel öfter die Run-Pass-Option, um ihrem Quarterback mehr Zeit zu verschaffen und die Verteidigung der Falcons zu verunsichern.

Dank dieser Umstellung und der gewohnt starken Eagles-Defense — Fletcher Cox ist der lebende Beweis, dass es auf unserem Planeten bereits Aliens gibt! — reichte es für das beste NFC-Team der Regular Season für einen 15:10-Heimsieg gegen die Falcons, die in den entscheidenden Momenten sehr einfallslos wirkten und außer Pässen auf Julio Jones wenig Kreativität zeigten.

Philadelphia steht nun zum ersten Mal seit 2009 im NFC-Championship-Game. Die Rolle als Underdog scheint für die Eagles dabei kein Problem zu sein.

Screenshot via NBC

2. Das Patriots-Rad dreht sich weiter

Rund zehn Tage ist es her, dass ein ESPN-Artikel von Seth Wickersham über die Patriots für Aufsehen sorgte und in Frage stellte, ob in New England wirklich alles so rundläuft, wie der Teamerfolg den Anschein erweckt. Noch interessanter wurde die ganze Geschichte, als die Tennessee Titans in der Nacht von Samstag auf Sonntag (mitteleuropäischer Zeit) nach einem großartigen einhändigen Catch von Rookie-Hoffnung Corey Davis mit 7:0 in Führung gingen.

Doch dieser Titans-Touchdown weckte New England erst so richtig auf und aufgrund eines 21:0-Viertels der Patriots im zweiten Abschnitt war die Partie zur Halbzeit schon so gut wie gegessen. Nach einer zweiten, sehr langweiligen Hälfte war es dann auch offiziell: Die New England Patriots stehen zum siebten Mal in Folge im AFC-Championship-Spiel. ZUM SIEBTEN MAL IN FOLGE!!!

Zudem ist Tom Brady nun der älteste Quarterback mit einem Playoff-Sieg — der bisherige Rekordhalter war Brett Favre. Also weiterhin alles easy in Foxborough und nächste Woche geht es dann , wie erwartet, gegen den Rivalen aus Pittsbur- … Moment, was?

3. Pittsburgh hat einen neuen Angstgegner

Der dominante 30:9-Sieg der Jaguars in Pittsburgh aus Woche 5 scheint kein Zufall gewesen zu sein. Denn noch überraschender als diese Regular-Season-Performance war der Spielauftakt des Divisional-Aufeinandertreffens zwischen den Steelers und den Jacksonville Jaguars. So stand es nach rund 18 Minuten und zwei Ballverlusten von Ben Roethlisberger bereits 21:0 für die Gäste aus Florida.

Den Steelers rund um Roethlisberger, der mit 469 Yards einen neuen Pittsburgh-Postseason-Rekord aufstellte, und ihren talentierten Receivern gelangen daraufhin zwar ein wunderschöner Touchdown-Catch nach dem anderen. Aufgrund einer katastrophalen Leistung der Pittsburgh-Defense schaffte es Jacksonville allerdings, in den entscheidenden Momente den Vorsprung stets aufrechtzuerhalten.

Nach diesem 45:42-Schocker stehen die Jaguars zum ersten Mal seit 1999 im AFC-Championship-Spiel. Eine Tatsache, die Defensive End Calais Campbell bereits vor einer Woche prophezeit hatte, als er einem Reporter sagte, dass es ihm egal sei, ob Jacksonville mit 2:0 oder mit 45:42 gewinnen würde.

Dazu noch ein “Fun Fact” für alle Browns-Fans unter euch: Blake Bortles und die Jaguars haben in den letzten beiden Spielzeiten mehr Spiele in den Playoffs gewonnen, als Cleveland in der Regular Season. Take that for data!

4. Nichts ist besser als Playoff-Football

Das letzte Divisional-Spiel zwischen den Minnesota Viking und den New Orleans Saints ist ein wunderbares Beispiel, warum es in der Sportwelt beinahe nichts Besseres als die NFL-Postseason gibt. In kaum einem Sport kann sich das Momentum so schnell wenden. In kaum einem anderen Sport benötigt es nur eine einzige Aktion, um eine gesamte Saison auf den Kopf zu stellen. In kaum einem anderen Sport hört man Kommentatoren im Jahr 2018 immer noch sagen: “I’ve never seen anything like this.”

Dabei sah es für beinahe drei Viertel nach einem dominanten Heimsieg der Vikings aus. 17:0 führte Minnesota kurz vor dem letzten Spielabschnitt. Die Violetten sahen in allen Belangen wie das mit Abstand bessere Team aus. Besonders hervorzuheben ist Defensive Tackle Linval Joseph, der einen Laufversuch der Saints nach dem anderen verhinderte. Nach dem ersten Viertel hatte Drew Brees ein unterirdisches Quarterback-Rating von 0,0.

Nach zwei Touchdown-Catches von Saints-Receiver Michael Thomas am Ende des dritten bzw. zu Beginn des letzten Viertels merkte man, wie das Publikum immer nervöser wurde. Plötzlich kamen den Vikings-Fans wieder Erinnerungen an einige ihrer bitteren Playoff-Niederlagen hoch.

Was in den verbleibenden Minuten geschah, war wirklich ganz großes Kino. So kam es in den letzten 181 Spielsekunden zu insgesamt vier (!) Führungswechsel — gekrönt durch den spielentscheidenden 61-Yards-Touchdown von Stefon Diggs, der Minnesota in das Championship-Game gegen Philadelphia katapultierte. Um es mit den Worten von NFL-Experte Robert Mays zu beschreiben: “Football, man.”

Johannes auf Twitter: @Joe_Pressler

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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