Gesellschaft

Was Strumpfhosen, Pädophilie und Facebook gemeinsam haben

Soziale Netzwerke müssen sicherer werden, ohne fragwürdige und strafbare Inhalte

Was Strumpfhosen, Pädophilie und Facebook gemeinsam haben 16. Januar 20181 Comment

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Im vergangenen Sommer wurde ich am Linzer Bahnhof von einem wildfremden Mann gefragt, ob ich meine Strumpfhose ausziehen und ihm um 200 Euro verkaufen möchte. Sein Beweggrund war ein vermeintlicher Ball, der an diesem Tag stattfinden sollte. Komplett perplex erklärte ich, dass es dieselbe Strumpfhose um etwa zwei Euro beim Spar zum Kaufen gäbe. Daraufhin versuchte er mich zu überreden — es wäre gelogen, nicht über einen Verkauf nachgedacht zu haben, aber ich entschied mich klar dagegen. Als er merkte, dass ich nicht einwilligen würde, meinte er nur beleidigt “Na, dann halt nicht”, und ging.

Kurz dachte ich darüber nach, den Vorfall der Polizei zu melden. Winkte dann aber ab, denn der Mann kam mir weder körperlich zu nahe, noch bedrohte er mich, noch war ich zu diesem Zeitpunkt minderjährig. Die Situation war sehr seltsam, ohne Zweifel. Das war der erste Moment, wo ich mit dem Nylon-Fetisch konfrontiert wurde.

Sexueller Fetischismus ist immer noch ein gesellschaftliches Tabu. Zudem existieren viele verschiedene Bedeutungen für den Begriff, die von einer harmlosen sexuellen Präferenz bis zu einer stark ausgeprägten Paraphilie (sexuelle Neigung, die stark von der Norm abweicht) reichen. Solange allerdings sämtliche beteiligte Parteien einverstanden sind und die sexuelle Vorliebe akzeptieren, wird es keine Schwierigkeiten geben. Zu einem ernsthaften Problem wird es jedoch, wenn Kinder involviert werden.

Kinderpornografische Inhalte auf Sozialen Medien

Auf Facebook existierte bis letzte Woche eine private Gruppe, die sich in der Beschreibung der Liebe und Anbetung zu Mädchen bekannte, die Strumpfhosen tragen und zum Posten von Fotos Minderjähriger aufforderte. Beim Titel “Mädchen lieben Strumpfhosen” würde man an Mütter denken, die sich über geeignete Strumpfhosen-Marken für ihre Töchter austauschen — ob atmungsaktiv, warm oder welche dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis entsprechen. Doch leider war die Caption der Gruppe weder harmlos noch ein unlustiger Troll, der sich im Internet wichtig machen wollte.


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Die Inhalte dieser Gruppe waren definitiv kindesmissachtend und die Kommentare dazu zutiefst pervers. Ein Foto zeigte ein Mädchen, das eine Strumpfhose trägt und ihre Füße auf einer Art Medizinball stützt, sodass ihr Po zu sehen war. Die Kommentare waren so abstoßend, dass es schlimmer nicht sein könnte. Sie reichten von “Sehr heiss” und “moechte sie ficken” bis hin zu “das wär jetzt was”.

Screenshots der Kommentare

Es hat nicht nur den Anschein, dass die Rechte und die Anonymität der zur Schau gestellten Kinder missachtet wurden, sondern auch dass sich hier Pädophile eine Gruppe zum Austausch von kindesmissachtenden Medien geschaffen haben.

Pädophilie in Österreich: Zahlen und Fakten

In den 1980er Jahren wurde in links-alternativen Kreisen in Österreich die Legalisierung von Sex mit Kindern programmatisch betrieben — heute werden derartige Forderungen strikt abgelehnt und das aus gutem Grund. Pädophile, die ihre Neigung ausleben, können bei missbrauchten Kindern tiefe psychische Schäden verursachen — von teils körperlichen Schmerzen abgesehen. Immer wieder kommt es in Österreich zu vereinzelten Kindesmissbrauchs-Prozessen, wo die Angeklagten geständig sind, wie auch in einem Prozess im September 2017.

Erst vor wenigen Tagen wurde ein besonders grausamer Fall aufgedeckt, in dem eine Mutter ihren Sohn an mehrere Pädophile verkauft hatte. Was der 9-Jährige erlebt haben muss, ist nicht vorstellbar — vergewaltigt vom eigenen Vater, verkauft von der Mutter, missbraucht und wieder vergewaltigt von Fremden. Bei einer solchen Geschichte läuft es wohl jedem kalt über den Rücken. Manchen wird schlecht, andere empfinden Wut, Beklemmung, Entsetzen, Hass oder sogar Furcht.

An dieser Stelle gilt es zu erwähnen, dass nicht alle Pädophile Kinderschänder sind. Es gibt einige, die sich ihrer Neigung bewusst sind, deswegen eine Therapie aufsuchen und ihre Sehnsüchte niemals ausleben würden. Für diese Menschen müssen gratis Therapien angeboten werden, um ihnen zu helfen, ihr unrechtmäßiges Verlangen zu unterdrücken. Es muss frei zugängliche Stellen geben, an die sich Pädophile anonym und diskret wenden können. Nur so ist es möglich, Präventionsmaßnahmen zu treffen und Kindesmissbrauch zu stoppen. Aber auch die, die das “Geschäft” fördern — wie etwa Kinderpornografie-Betreiber — und diejenigen, die Kinder für pornografische Zwecke filmen, sollten von der Bildfläche verschwinden.


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Pädophile entscheiden sich nicht freiwillig, Kinder sexuell anziehend zu finden. So wenig wie man sich entscheidet, hetero, schwul oder lesbisch zu sein, wie VICE in einem Interview mit einem Pädophilen betont. Seitens der Gesellschaft braucht es mehr Verständnis gegenüber die von der Pädophilie Betroffenen, die ihre Neigung dezidiert nicht ausleben und gegen sie ankämpfen.

Die Reaktion von Facebook zu “Mädchen lieben Strumpfhosen”

Gruppen in Sozialen Netzwerken, in denen höchst fragwürdige Fotos von Kindern ohne deren Erlaubnis oder der Erlaubnis der Eltern gepostet werden, ist nicht das geringste Fünkchen Verständnis entgegen zu bringen. Viele Facebook-NutzerInnen meldeten “Mädchen lieben Strumpfhosen” via Facebook und erhielten zunächst nur folgende Antwort:

Screenshots der Antwort

Diese Antwort ist unzulänglich und wirft einige Fragen auf. Schließlich reicht es bei derart prekären Angelegenheiten nicht, nur den “speziellen Content” zu entfernen. Die schauderhafte Absicht dieser Gruppe war bereits bei einem Blick auf die Beschreibung klar.

Das sah zum Glück die Polizei auch so. Die Gruppe ist nun entfernt, die Administratoren werden vermutlich ausführlich geprüft und angezeigt. Der Verlauf dieses Falles gibt jedoch zu denken. Löscht Facebook derartige Gruppen nur dann, wenn die Polizei eingeschaltet wird? Wie viel dürfen sich Menschen auf Facebook erlauben?

In einem Artikel des SZ-Magazins berichtet eine ehemalige Mitarbeiterin des Facebook-Lösch-Teams über ihre Arbeit, die sie nach drei Monaten bereits zur Kündigung veranlasste. Hass, Gewalt, Hetze, Kindesmisshandlungen, Enthauptungen, Mord — für sogenannte “Content Moderatoren” sind solche Abstrusitäten alltäglich. Pro Tag laufen bei Facebook um die 6,5 Millionen Meldungen ein. Für die Moderatoren heißt das 1.300 Meldungen am Tag abzuarbeiten, für die sich nur wenige Sekunden Entscheidungszeit pro Fall genommen werden können — erschreckend wenig Zeit.


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Facebook muss sich in dieser Richtung definitiv verbessern und die Gemeinschaftsstandards verschärfen. Viel zu oft kommt es zu einer Verharmlosung von Inhalten und Kommentaren, die ethisch nicht vertretbar sind. Seien es rassistische Kommentare, pro-nationalsozialistische Aussagen oder Videos, in denen rohe Gewalt gezeigt wird. Es ist ein riesiges Problem, dass die Inhalte im Schnellverfahren geprüft werden, wie auch FUTUREZONE.at berichtet. Es heißt dazu seitens einer Facebook-Sprecherin:

Das sind menschliche Entscheidungen und daher passieren manchmal Fehler. Das betrifft sowohl Postings, die fälschlicherweise gelöscht werden als auch Beiträge, die online bleiben. Selbst Juristen sind sich oftmals nicht einig, wie etwas einzuordnen ist.

Natürlich machen Menschen Fehler. Diese dürfen aber nicht daraus bestehen, in solchen Angelegenheiten zu lasch zu handeln. Es gibt das Sprichwort: “Im Zweifel für den Angeklagten.” Für Facebook-Content wäre eine Umformulierung zu “Im Zweifel für den Kläger” bestimmt sinnvoller. Besser einen diskutablen Beitrag übervorsichtigerweise zu früh löschen, als zu spät.

Im Fall von “Mädchen lieben Strumpfhosen” wäre sofortiges Löschen jedenfalls angemessen gewesen.

Lisa auf Twitter: @lugerblis

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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