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Die Ligue 1 ist viel relevanter, als ihr denkt

Stars in der französischen Liga sind nichts Neues — internationale Aufmerksamkeit erlangten sie dort aber selten

Die Ligue 1 ist viel relevanter, als ihr denkt 17. Januar 20182 Comments

Ressortleiter Sport

Die französische Ligue 1 genießt nicht das höchste Ansehen bei den internationalen Fußballfans. Abgesehen vom millionenschweren katarischen Projekt in Paris überschreitet das öffentliche Interesse nicht wirklich die Landesgrenzen, die Meisterschaft hat den Ruf einer Ausbildungsliga. Einige großartige Spieler, die einen Teil ihrer Karriere in Frankreich verbrachten, standen erst nach einem Wechsel in die vermeintlichen europäischen Topligen im Rampenlicht. Oft wird dabei vergessen, welche Qualitäten sie zeigten, um überhaupt das Interesse der Scouts zu wecken.

Die falsche Annahme, in Frankreich würden nur junge, ungeschliffene Talente spielen, die erst in England, Spanien, Deutschland oder Italien zu großartigen Spielern werden, ist weit verbreitet. Um diese Ansicht ein Stück weit zu ändern, sind hier sechs Spieler, die bereits während ihrer Zeit im Hexagon absolute Weltklasse waren:

1. Michel Platini

Der junge Michel Platini stieg rasant auf. Mit 17 Jahren gab er sein Debüt für den AS Nancy, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zur großen Hoffnung des französischen Fußballs und bestritt 1976 sein erstes Spiel für das Nationalteam. Bemerkenswert war, dass der Franzose bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres den dritten Platz belegte, obwohl er bei einem kleinen Verein spielte und zu keinem internationalen Turnier qualifiziert war. Anstatt eines der zahlreichen Angebote aus dem Ausland anzunehmen, wechselte Platini 1979 innerhalb der Liga zur großen Mannschaft dieser Epoche, dem AS Saint-Etiénne.

Beim “ASSE” setzte der Mittelfeldspieler seinen Erfolgslauf fort, wurde einmal Meister und blieb weiterhin enorm torgefährlich. Seine Nationalmannschaft führte er nach der ersten Teilnahme seit zwölf Jahren 1978 als Kapitän auch zur Weltmeisterschaft 1982, wo sich die “Equipe Tricolore” erst im Elfmeterschießen des Halbfinales Deutschland geschlagen geben musste. Bereits vor seinem Wechsel zu Juventus Turin, wo er als erster Spieler dreimal in Folge Weltfußballer wurde und nahezu alles gewann, was es zu gewinnen gab, galt Michel Platini als einer der besten Spielmacher der Welt.


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2. Rudi Völler

Rudi Völler spielte nur 58 Partien im Dress von Olympique Marseille. In der kurzen Zeit an der Cote d’Azur hinterließ der Deutsche allerdings Spuren, die bis heute unerreicht sind. 1993 gewann “OM” die erste Auflage der Champions League als erste und bisher einzige französische Mannschaft.

Bereits bei seinem Wechsel in den Süden Frankreichs war Völler weit davon entfernt, ein unbeschriebenes Blatt zu sein, immerhin war er amtierender Weltmeister und konnte in der Vergangenheit die Torjägerkrone in der deutschen Bundesliga und im UEFA-Cup holen. Abgesehen von einem italienischen Cup-Sieg mit der AS Roma hatte er aber keine Titel im Klubfußball gewinnen können. Somit bleibt der Finalsieg gegen den AC Milan 1993 der größte Vereinserfolg in der Karriere Völlers.


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Neben Völler, dem ältesten Spieler Marseilles, waren auch die jungen Franzosen Didier Deschamps, Marcel Desailly und Fabien Barthez im Kader, die heute zu den wichtigsten Namen der französischen Fußballgeschichte zählen.

3. George Weah

Das Leben von Afrikas Fußballer des Jahrhunderts ist wahrhaft filmreif: Vom Straßenfußballer zum Weltfußballer, vom Weltfußballer zum Staatspräsidenten. Aufgewachsen ohne Eltern in einem Slum nahe der liberischen Hauptstadt Monrovia kämpfte sich Weah bis zum kamerunischen Spitzenverein Tonnerre Yaoundé durch, wo er sich ins Radar europäischer Mannschaften spielte.

“Er war wie der Schokohase, den der kleine Junge zu Ostern im Garten findet.”
— Arsène Wenger

Für gerade einmal 50.000 Pounds holte ihn Arsène Wenger 1988 nach Monaco, wo seine unglaubliche Karriere in Europa startete. Bei den Monegassen gewann er den Cup und qualifizierte sich 1992 für das Endspiel des Europapokals der Pokalsieger. Längst zu den besten Spielern des Landes zählend und mit einem ersten Gewinn des afrikanischen Fußballer des Jahres wechselte der Liberianer in die Hauptstadt zum PSG.

In Paris war er ausschlaggebend für die stärkste Phase der Klubgeschichte vor der Ankunft der Investoren 2010. Neben dem Meistertitel 1994 konnte Weah in seiner Zeit bei Paris drei Cup-Erfolge feiern und drang bis ins Semifinale des UEFA-Pokals 1993 und des Europapokals der Pokalsieger 1994 vor.

1995 sollte das vielleicht stärkste Jahr in der Karriere des George Weah werden. Er führte sein Team als Torschützenkönig ins erste Champions-League-Halbfinale der Vereinsgeschichte und wurde zum bisher einzigen afrikanischen Weltfußballer des Jahres gewählt. In Paris schwelgt man immer noch in Erinnerungen an “Paris St. George”.

Neben seinem einzigartigen Talent auf dem Platz wurde er von Mitspielern und Trainern immer als heimatverbundener Mensch beschrieben. Die Kriegslage in Liberia habe ihn den gesamten Lauf seiner Karriere emotional mitgenommen. Kaum verwunderlich also, dass es Weah nach dem Ende seiner aktiven Fußballerkarriere in die Politik zog. Von seinem ganzen Land verehrt und einst von Nelson Mandela als “der Stolz Afrikas” bezeichnet, ist George Weah seit Dezember der Präsident seines Heimatlandes.

4. Ronaldinho

Der brasilianische Ballkünstler ist vor allem durch sein Engagement beim großen FC Barcelona und in der “Seleção” renommiert. Dabei hat “Ronnie” bereits bei seiner ersten europäischen Station in Frankreichs Hauptstadt die Fußballwelt verzaubert.

Die meisten seiner großen Erfolge, wie den zweifachen Titel des Weltfußballers, gewann der Brasilianer zwar in seiner Zeit bei den Katalanen, den größten Triumph seiner Karriere, die gewonnene Weltmeisterschaft, feierte er allerdings 2002 als Spieler des PSG. In Paris selbst konnte er keine Titel gewinnen, dennoch bleibt er den Fans als einer der großartigsten Balltechniker in Erinnerung, die je ihren Fuß auf den Rasen des Parc des Princes gesetzt haben.

Bis heute hat sein zweijähriges Wirken unvergleichliche Auswirkungen auf das Image und die Beliebtheit des Vereins. Viele Pariser wurden durch seine Magie am Ball Anhänger des Klubs, darunter auch die jetzigen Eigenbauspieler Adrien Rabiot, Presnel Kimpembe und Alphonse Aréola. Letzterer erzählte letztes Jahr bei einem Besuch des Brasilianers im Trainingszentrum, dass dessen PSG-Trikot sogar das erste gewesen sei, das er besaß. Der französische Nationaltorhüter ist damit wohl bei weitem nicht der Einzige.

5. Didier Drogba

Auch der vielleicht wichtigste Stürmer der Geschichte des FC Chelseas erlernte das Fußballspielen in Frankreich. Wie ein Jahrzehnt zuvor Rudi Völler, sollte es auch Didier Drogba in die Hafenstadt Marseille ziehen. Seine Profikarriere begann der in Frankreich aufgewachsene Ivorer aber bei Le Mans und wechselte 2002 zu Guingamp, wo er sich mit 20 Treffern erstmals in die Notizblöcke europäischer Scouts schoss. Zu einer wirklich heiß begehrten Aktie am Transfermarkt wurde Drogba aber erst in seiner Saison bei Marseille. 19 Treffer gelangen ihm in der Meisterschaft, zudem führte er seine Mannschaft zum ersten Mal seit dem Champions-League-Sieg wieder in ein europäisches Finale.

Das Finale des UEFA Cups gewann zwar Valencia, Drogba konnte dem Turnier mit vier Treffern seinen Stempel dennoch aufdrücken, nachdem er bereits fünfmal in der Gruppenphase der Champions League getroffen hatte. Er wurde Zweiter in der Wahl zu Afrikas Fußballer des Jahres und nach der Saison von José Mourinho an die Stamford Bridge gelockt.

In gerade einmal zehn Monaten konnte der Rekordtorschütze der Elfenbeinküste in Marseille Legendenstatus erreichen — und das, obwohl er keinen Titel gewinnen und in der Liga nur den enttäuschenden siebten Platz erreichte. Neben seinem Talent ist seine offene Liebe zum Verein und sein enthusiastischer Charakter Grund dafür. Bei seinem Champions-League-Tor für den FC Chelsea beim Marseille-Rivalen PSG 2004 ließ er sich ein paar kleine Provokationen in Richtung der blauroten Fan-Sektoren nicht nehmen.

6. Karim Benzema

Aus der goldenen Generation Olympique Lyons, die zwischen 2002 und 2008 siebenmal in Folge Meister wurde, würde eine ganze Reihe an Spielern in diese Liste passen. Éric Abidal, Florent Malouda, Michael Essien und Mahamadou Diarra, um nur ein paar zu nennen, können heute auf außergewöhnliche Karrieren zurückblicken. Einer der letzten aktiven Spieler der glanzvollen Zeit des “OL” sollte zu einem der besten Stürmer werden, die Frankreich in diesem Jahrtausend hervorbrachte.

Karim Benzema war erst zarte 17 Jahre alt, als er 2004 in die erste Mannschaft seines Jugendvereines beordert wurde. Wie in den Jahren davor gewann Lyon auch in den Saisonen, die folgten, die französische Meisterschaft und war zudem Dauergast in der K.-o.-Phase der Champions League.


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Gerade die Spiele gegen Benzemas jetzigen Arbeitgeber bleiben den Franzosen in guter Erinnerung, entwickelte sich “OL” doch zu einem regelrechten Angstgegner der Königlichen. Der junge Karim kam gegen Zidane und Co. zwar nicht zum Einsatz, machte sich aber europaweit einen Namen, erzielte in seinem ersten Nationalteamspiel 2007 gegen Österreich das einzige Tor, wurde 2008 in Frankreich Torschützenkönig und Spieler des Jahres und wechselte ein Jahr darauf für 35 Millionen Euro nach Madrid, wo er dreifacher Champions-League-Sieger und zweifacher Meister wurde.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

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