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Die Kultort NBA-Awards zur Saisonhalbzeit

Die Hälfte der NBA-Saison ist gespielt — doch welche Spieler verdienten sich zu diesem Zeitpunkt die Regular-Season-Awards?

Die Kultort NBA-Awards zur Saisonhalbzeit 17. Januar 20181 Comment

Redakteur

Nach knapp 41 Saisonspielen ist es traditionell an der Zeit, die Midseason-Awards zu vergeben. Manche Spieler haben enttäuscht, andere überrascht — und immer wieder wurden Träume und Hoffnungen von Verletzungen gedämpft. Legen wir also los mit der großen Preisverleihung zur Saisonhalbzeit:

MVP (Most Valuable Player): James Harden (Houston)

Screenshot via espn.com

In dieser Saison liefern sich James Harden und LeBron James (Cleveland) ein denkbar knappes Rennen um die höchste Auszeichnung der Regular Season. Beide legen unfassbar gute Statistiken auf und sind gleichzeitig für den Teamerfolg unverzichtbar. Man könnte also behaupten, sie verkörpern den MVP-Award in der klassischen und modernen Auslegung. Beide sind nicht nur die “wertvollsten”, sondern auch die “besten” Spieler der Saison 2017/18.

Unterm Strich geht der Award mit einem denkbar knappen Vorsprung an den bärtigen Point Guard aus Houston. Mit Harden auf dem Feld hatten die Rockets das höchste Offensive Rating der Liga, ohne ihn sind sie auf Platz acht abgerutscht. Seine Vertretung in dieser Zeit? Niemand geringeres als Hall-of-Fame-Point-Guard Chris Paul.

Hinzu kommt Hardens unfassbar effiziente Spielweise (ein Player Efficiency Rating von 30.46, Rang 1), eine nochmals verbesserte Dreier-Quote (39 % bei 10,6 Dreipunktewürfe pro Spiel) und seine Führungsrolle bei der Verwandlung der Rockets in einen ernstzunehmenden Contender im NBA-Westen. Nach überstandener Verletzungspause dürfen wir also noch einiges von ihm erwarten.


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Defensive Player of the Year: Joel Embiid (Philadelphia)

Screenshot via espn.com

Die Auszeichnung zum besten Verteidiger der Liga ist in diesem Jahr ein schwieriges Unterfangen. Kawhi Leonard (San Antonio) und Rudy Gobert (Utah) fehlten lange verletzt und können deshalb nicht berücksichtigt werden. Al Horford (Boston) verankert die beste Defensive der Liga, ist mit seinen 2,08 Metern aber oft zu klein oder zu unathletisch, um im Eins-gegen-eins effektiv zu verteidigen.

Unter den verbleibenden Kandidaten sticht besonders Joel Embiid als Ringbeschützer hervor. Mit ihm auf dem Parkett verbessern sich die Philadelphia 76ers im Defensive-Rating um 5,6 Punkte und erlauben nur knapp 1,7 Punkte pro Spielminute. Auch in der Pick-and-Roll-Verteidigung zeigt Embiid immer wieder gutes Timing und die Mobilität, den abrollenden Gegenspieler vor sich zu halten.

Im weiteren Saisonverlauf könnte allerdings Titelverteidiger Draymond Green Boden gutmachen und sich die Verteidiger-Krone aufsetzen. Green verteidigt bisher auf einem äußerst hohen Level, allerdings fehlt ihm noch der letzte Biss im Vergleich zur Vorsaison. Nicht zu vergessen ist Detroits Center Andre Drummond, der das beste Defensive Rating der Liga auflegt und in der Rebound-Statistik — wie jedes Jahr — ganz oben mitmischt. Das Rennen um den DPOY-Award wird also bis zum Saisonende äußerst hart geführt.

Rookie of the Year: Ben Simmons (Philadelphia)

Screenshot via espn.com

Es war vom ersten Tag an ein ungleiches Duell. 76ers-Guard Ben Simmons gegen die gesamte Rookie-Klasse 2017. Aufgrund seiner Verletzung musste er ein Jahr zuschauen, konnte aber hinter den Kulissen NBA-Luft schnuppern, sich an den prall gefüllten Spielplan und die Reisestrapazen gewöhnen. Die vielzitierte Rookie-Wall schien er einfach umgangen zu haben.

Seit seinem NBA-Debüt im Oktober präsentiert er sich nicht wie ein Neuling, sondern wie ein echter Anführer. Seine Körpersprache, seine Gestik, die Anweisungen an Mitspieler und das Selbstvertrauen, das er ausstrahlt, zeugen von unfassbarer Reife auf und neben dem Parkett. Mit seinen 2,08 Metern ist der Linkshänder ein außergewöhnlicher Point Guard, der von seinem ausgezeichneten Passspiel lebt und ein äußerst gutes Ballhandling besitzt. Außerdem legt er knapp 17 Punkte pro Partie auf — und das ohne einen vorhandenen Wurf.

Mit Donovan Mitchell (Utah) und Jayson Tatum (Boston) folgen auf den weiteren Plätzen zwei Spieler, die zwar effizienter scoren und sich problemlos ihren Wurf kreieren können, im Gesamtpaket aber nicht an Simmons herankommen. Als Überraschungskandidat ist außerdem Kyle Kuzma (L.A. Lakers) zu erwähnen, der seinem Teamkollegen Lonzo Ball die Show stiehlt.


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Most Improved Player: Victor Oladipo (Indiana)

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Als Victor Oladipo im Sommer für George Paul nach Indiana kam, wurde er von vielen belächelt. In seiner fünften NBA-Saison scheint der zweite Pick des NBA-Drafts 2013 aber endlich in der Liga angekommen zu sein. Mit ihm als Go-to-Guy liegen die Pacers im ausgeglichenen Osten auf Playoff-Kurs.

Bei kaum einem Spieler ist die Verbesserung zur Vorsaison so gut an Statistiken abzulesen, wie bei Oladipo:

  • Punkte pro Spiel: +8,4
  • Trefferquote: +4,8 % bei +3,9 Würfen pro Spiel
  • Dreier-Quote: +5,5 %
  • Rebounds: +0,9
  • Assists: +1,4

Und all das mit nur einer Minute mehr Spielzeit und als absoluter Dreh- und Angelpunkt im Spiel seiner Mannschaft.

Der 25-jährige Shooting Guard nutzte die Chance zum Neuanfang im basketballverrückten Indiana, arbeitete im Sommer unermüdlich an seinen Schwächen und zeigt endlich die Entwicklung, die in den letzten Jahren immer wieder von ihm erwartet wurde. Nach knapp 40 Spielen stellt sich also die Frage, ob der Trade von George wirklich ein Verlust für die Pacers war.


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Sixth Man of the Year: Lou Williams (L.A. Clippers)

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Die Nummer 23 der Los Angeles Clippers ist die personifizierte Mikrowelle und liefert von der Bank genau das, was man von ihm erwartet: gnadenloses Scoring! Den Golden State Warriors schenkte er im Januar 50 Punkte ein und sorgte so für den überraschenden Erfolg der Clippers. Im Duell mit den Charlotte Hornets konnte er 6 von 9 Dreiern versenken und 40 Punkte erzielen.

Im Saisondurchschnitt steht er bei starken 23,3 Punkten pro Spiel und legt eine äußerst solide Wurfquote von 45,3 % auf. Hinzu kommt eine Freiwurfquote von stolzen 90,6 % bei 6 Freiwürfen pro Spiel. Sein Drive zum Korb stellt die Verteidiger immer wieder vor Probleme. Mit einem Karriere-Bestwert bei Assists (5 pro Spiel) rundet er die Bewerbung zum Sixth Man of the Year ab.

Für den 31-jährigen Guard wäre es nach 2014/15 die zweite Auszeichnung zum besten Bankspieler der Liga. Angesichts seiner starken Leistungen, mit denen er die Playoff-Hoffnungen in Los Angeles am Leben erhält, wäre es nur verdient.

Coach of the Year: Brad Stevens (Boston)

Screenshot via Basketball Reference

Den Superstar nach nur vier Minuten mit einer schlimmen Verletzung verloren? Eines der jüngsten Teams der NBA? Ganze elf Neuzugänge im Kader? Kein Problem für Brad Stevens, den gerade mal 41-jährigen Headcoach der Boston Celtics. Mit seinem Team steht er mit 34 Siegen und 11 Niederlagen an der Spitze der Eastern Conference.

In seiner bereits fünften Saison an der Seitenlinie der Kobolde hat er wahre Wunder vollbracht. Al Horford überzeugt als passstarker Center, Kyrie Irving hat das Verteidigen für sich entdeckt, Jayson Tatum und Jaylen Brown bilden eines der aufregendsten jungen Duos der Liga und das Team wirkt trotz der vielen Neuzugänge wie eine eingeschworene Einheit.

Stevens und seine Truppe sind auf dem besten Weg, eines der erfolgreichsten jungen Teams der NBA-Geschichte zu werden. Dem (wahrscheinlichen) Playoff-Duell mit den Cleveland Cavaliers können sie voller Selbstvertrauen entgegenblicken, in den nächsten Jahren könnte es sogar zum ganz großen Wurf reichen.

Stand aller angegebenen Statistiken: 17.01.2017

kultort.at auf Twitter: @kultort

[Foto: Keith Allison/Flickr (Harden)/Flickr (Williams)/CC BY-SA 2.0/Brent Burford Photography/Flickr (Embiid)/CC BY 2.0/Alvin Domondon/Flickr (Stevens)/CC BY 2.0/Wikimedia Commons (Simmons)/Illustration von James P. Platzer]

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