Popkultur TV & Kino

Gibt es den perfekten Film?

Wir gehen der Frage auf den Grund, nach welchen Kriterien ein Film perfekt sein kann

Gibt es den perfekten Film? 29. Januar 20181 Comment

Redakteur

Jährlich erscheinen unzählige Filme in den Kinos, direkt auf Blu-Ray und auf Streaming-Anbietern. Dabei werden die unterschiedlichsten Genres bedient, von Action über Fantasy bis hin zu realistischen Dramen und Horror-Thrillern. Der ein oder andere Regisseur vermischt sogar manche Genres, sodass nicht ganz klar ist, welche Art von Film wir gerade sehen. Das kann durchaus ein kluger Schachzug sein, um mehr Menschen zum Konsum ihrer Werke zu locken. Auf der anderen Seite kann es aber schwierig werden, weil das Vermischen von Genres nicht immer schlüssig funktioniert.

Wenn all diese Fakten berücksichtigt werden, stellt sich folgende Frage: Gibt es den perfekten Film? Kann es diesen überhaupt geben und was können Gründe sein, damit Fans und Filminteressierte ein Werk als perfekt inszeniert sehen? Diese Fragen zu beantworten, ist ein fast unmögliches Unterfangen, weil die Geschmäcker und die Wahrnehmungen immer noch subjektiver Natur sind.

Wir haben es trotzdem versucht und präsentieren euch nicht nur einen potenziell perfekten Film, sondern auch Beispiele für Werke, die einwandfreie Elemente beinhalten.

La La Land — das perfekte Ende

Wenn man über 100 Filme im Jahr im Kino sieht, lassen sich einige Parallelen ziehen. Komödien verwenden oftmals denselben Humor, Dramen bedienen sich in vielen Fällen derselben Thematiken und die Autoverfolgungsjagden in Actionfilmen sind teilweise genau gleich langweilig konstruiert. Daher ist es die Aufgabe eines jeden Filmregisseurs und Produzenten, Inhalte zu kreieren, die neu und innovativ sind. Ansonsten müssen sie es schaffen, bereits bekannte Themen charmanter umzusetzen oder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. So ein Regisseur ist der Amerikaner Damien Chazelle.


MEHR: Die 10 besten Filme 2017


Herr Chazelle hat 2017 mit La La Land nicht nur das Genre des Musicals wiederbelebt, sondern auch ein Werk mit dem besten Ende der Filmgeschichte inszeniert. Während der gesamten Lauflänge verfolgt das Publikum einen Mann und eine Frau, deren Pfade sich kreuzen. Sie lernen sich kennen, lieben und müssen eine wichtige Entscheidung treffen. Eine Entscheidung zwischen Vernunft und Herz inklusive dessen Auswirkungen. Dennoch schaffte es der Regisseur, eine Sequenz einzubauen, wie es gewesen wäre, hätten sich die Protagonisten anders entschieden. Unglaublich stark gemacht, emotional und schlicht und ergreifend perfekt.

Die dunkelste Stunde — das perfekte Schauspiel

Seit einer Woche kann Die dunkelste Stunde in den Kinos bestaunt werden. Ein Film über Winston Churchill, der während des Zweiten Weltkrieges Premierminister von Großbritannien war. Er kam eher unfreiwillig an die Macht und zu einem Zeitpunkt, in dem das Deutsche Reich nicht nur halb Europa eingenommen, sondern auch das gesamte britische Heer am Strand von Dünkirchen eingekesselt hatte. Alle Entscheidungen, die hinter den Kulissen getroffen wurden, die damalige politische Situation und die große Last, die auf den Schultern von Winston Churchill gelegen ist — all das greift der Film auf.

Bereits in den ersten Minuten ist erkennbar, dass dieses Werk auf einen Akteur zugeschnitten ist — Gary Oldman. Der britische Darsteller verkörpert Churchill mit einer unglaublich starken Performance, Leidenschaft und viel Herzblut. Die Kamera fängt seine Szenen und Dialoge teilweise von sehr nah ein, damit ZuschauerInnen jede Emotion hautnah miterleben können. Gary Oldman spielt seine Figur so authentisch, dass talentierte SchauspielerInnen wie Ben Mendelsohn oder Lily James neben ihm wie Statisten wirken.

Böse Zungen behaupten, der Film sei entstanden, damit Oldman endlich seinen wohlverdienten Oscar bekommt — in Fachkreisen auch Oscar Bait genannt. Auch wenn an diesen Aussagen etwas dran sein sollte, so ist Die dunkelste Stunde ein Beispiel für perfekte Schauspielkunst und ein Oscar für Oldman nur eine verdiente Konsequenz.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri — der perfekte Film?

Zunächst sei die Frage erlaubt, ob ein Film, bei dem drei riesige Werbetafeln im Mittelpunkt stehen, perfekt sein kann? Ja, kann er. Regisseur Martin McDonagh hat ein Meisterwerk des Arthaus-Kinos erschaffen. Ein Film, der sehr viele emotionale Momente aufgreift und dennoch überraschend lustig ausfällt. Darüber hinaus beinhaltet die Handlung keinen Bösewicht, die Polizei wird nicht inkompetent dargestellt und als Zuschauer und Zuschauerin verstehst du alle Parteien — jede Entscheidung ist nachvollziehbar.


MEHR: Auf diese 10 Filme freuen wir uns 2018 am meisten


Der Kern des Filmes ist aber der brilliante Cast, angefangen bei der hervorragenden Frances McDormand, die für ihre Leistung bereits einen Golden Globe gewonnen hat. Zudem beweisen Woody Harrelson, Peter Dinklage und Sam Rockwell große Schauspielkunst. Tolle Dialoge und eine äußerst gelungene Kameraarbeit runden den sehenswerten Film ab. Cineasten und Fans von kleineren Filmen, die sich von der Masse abheben, kommen nicht an diesem Werk vorbei. Ob er als Gesamtwerk perfekt ist, kann und sollte jeder für sich selber entscheiden.

Die Unmöglichkeit, den allgemein perfekten Film zu küren

Es gäbe noch viele Beispiele von Filmen, die perfekte Elemente beinhalten. ES aus dem Jahr 2017 ist eine perfekte Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Horror-Sequenzen, Blade Runner 2049 sticht durch eine perfekte und hochwertige Kameraarbeit heraus und der Animationsfilm Coco bietet perfekte Animationen und tolle Farben. Den perfekten Film ausfindig zu machen, ist jedoch äußerst schwer.

Vielleicht ist es Three Billboards outside Ebbing, Missouri — vielleicht ein anderer. Für Fans von Dwayne “The Rock” Johnson wird der Kriterienkatalog für ein perfektes Werk ein anderer sein wie für Menschen, die schon gespannt auf die nächste Biopic warten. Geschmäcker sowie die subjektive Wahrnehmung sind verschieden. Die einen wollen knallharte Action und lockere Sprüche, die anderen anspruchsvolle Dialoge. Hauptsache, sie wurden gut unterhalten und verlassen den Kinosaal zufrieden. Auch das kann eine Form von Perfektion sein.

Thomas auf Twitter: @plapperblog

[Foto: LBJ Library/Flickr (Harrelson)/Public Domain Mark 1.0/Nicholas Andrew/Flickr (Stone)/Public Domain Mark 1.0/Nicholas Andrew/Flickr (Oldman)/Public Domain Mark 1.0/Illustration von James P. Platzer]

Redakteur

One comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*