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Sind die Toronto Raptors besser als je zuvor?

Statt einen Neuanfang einzuleiten, setzten die Toronto Raptors auf Kontinuität — der Erfolg gibt ihnen recht

Sind die Toronto Raptors besser als je zuvor? 15. Februar 2018Leave a comment

Redakteur

Es war der 7. Mai 2017. Nach der vierten Niederlage in Serie waren die Playoffs für die Toronto Raptors vorbei. Nie waren die Hoffnungen größer, als dieses Jahr. An der Trade Deadline hatten sich die Kanadier mit Serge Ibaka und P. J. Tucker defensiv verstärkt, um LeBron James in Schach halten zu können. Dieser präsentierte sich jedoch wenig beeindruckt und legte in allen vier Spielen der Serie mindestens 35 Punkte auf.

Im Sommer wurden Stimmen laut, die Raptors sollten ihr Team aufgeben, einen alternden Kyle Lowry ziehen lassen und DeMar DeRozan auf dem Höhepunkt seines Wertes traden. Die Raptors-Führungsetage trotzte den Kritikern und brachte beinahe das gesamte Team zurück.

Neues Jahr, neues Glück

Springen wir in die Gegenwart. Am 11. Februar 2018 besiegt Toronto die Charlotte Hornets überzeugend mit 123:103. Dwayne Casey feiert an diesem Sonntag seinen 300. Sieg als Cheftrainer der Raptors. Es ist bereits der 39. Saisonsieg für die Kanadier. Durch die Niederlage der Celtics gegen die Cleveland Cavaliers springt das Team aus dem hohen Norden an die Spitze der Eastern Conference.

Die amerikanische Basketball-Presse zeigt sich begeistert von der Transformation der Raptoren. Dabei ist das Personal, ebenso wie der Trainer, altbekannt. DeMar DeRozan und Kyle Lowry geben auf den Guard-Positionen den Ton und das Tempo an, unter dem Korb räumt der Litaue Jonas Valanciunas die Rebounds ab und Serge Ibaka sorgt für defensive Präsenz in der Zone. Alles beim Alten.

Junge Rollenspieler übernehmen Verantwortung

Doch um das Fundament aus Stars hat sich eine Gruppe aus Rollenspielern gebildet, die in der NBA ihresgleichen sucht. Der Österreicher Jakob Pöltl sowie Delon Wright, OG Anunoby und Pascal Siakam wurden in den letzen beiden Jahren von den Raptors in der ersten Runde gedraftet, Norman Powell 2015 in der zweiten. Fred VanVleet kam nach Toronto, nachdem er 2016 nicht gedraftet wurde, da er nicht in der G-League spielen wollte. Zusätzlich konnte in der Offseason Veteran C.J. Miles aus Indiana verpflichtet werden.

Die jungen Wilden in Torontos zweiter Reihe sind statistisch gesehen die beste Bank in der Liga. Laut Basketball Reference holt die Aufstellung bestehend aus VanVleet, Wright, Miles, Siakam und Pöltl in 100 Ballbesitzen 31,4 Punkte mehr als der Gegner — und Casey schenkt den Spielern das Vertrauen. Mit rund 155 Minuten ist diese Aufstellung die drittmeist genutzte bei den Raptors. Dicht gefolgt von der selben Aufstellung, mit Powell anstelle von C.J. Miles (81 Minuten, +7,7 Punkte).

Casey installiert neue Offensive

Doch nicht nur den jungen Raptors muss ein großes Kompliment gemacht werden. Dwayne Casey hat — seit Start seiner Amtszeit im Jahr 2011 — aus einer der am wenigsten erfolgreichen Franchises der NBA-Geschichte eine Größe in der Eastern Conference geformt. Und dieses Jahr den Spielstil seines Teams noch einmal modernisiert.

Das Team, das letztes Jahr noch ligaweit den geringsten Anteil seiner Feldwürfe assistiert hatte, spielt jetzt selbstlosen Basketball. Die Spieler verschaffen sich offene Würfe am Korb bzw. von der Dreierlinie und nehmen die Würfe, die der Gegner anbietet. Die Assists stiegen im Gegensatz zum letzten Jahr von 18,5 auf 23,2 pro Spiel. Außerdem wurde versucht, den ineffizienten Mitteldistanzwurf, so gut es geht, aus dem Spiel zu verbannen. NBA Stats zufolge nehmen die Raptors mit 13,3 pro Spiel die fünftwenigsten der Liga und sieben weniger als noch in der Vorsaison. Stattdessen werden mit 32,4 Dreiern pro Spiel die meisten Versuche jenseits der Linie in der Geschichte des Teams genommen.

Die wichtigsten Bausteine dieser Umgestaltung sind die beiden All-Stars DeMar DeRozan und Kyle Lowry, die mit gutem Beispiel vorangehen und gemeinsam für 11,5 Assists pro Spiel verantwortlich sind. Dabei verzichten die Guards auf ihren eigenen statistischen Erfolg und legen punktemäßig jeweils schlechtere Werte auf, als noch in der Vorsaison. Nichtsdestotrotz wurden Lowry und DeRozan erneut zum All-Star-Spiel nach Los Angeles eingeladen.

Diese Selbstlosigkeit wirkt auf das gesamte Team ansteckend und bewirkt eine Kettenreaktion. Dadurch, dass jeder Spieler in der Offensive den Ball berührt, steigt die Motivation aller Spieler, auch Einsatz auf der defensive Seite des Balles zu zeigen. Das Resultat sind Top-Fünf-Platzierungen in der offensiven und defensiven Effizienz.

Toronto wird am Playoff-Erfolg gemessen

Doch am Ende des Tages reicht es für die Raptors nicht mehr, die reguläre Saison als Top-Team abzuschließen. In der schwachen Eastern Conference ist der Weg in die Finalserie so weit offen, wie noch nie. Die Cleveland Cavaliers mussten nach einer für ihre Verhältnisse katastrophalen ersten Saisonhälfte den Kader rundum erneuern und den Boston Celtics fehlt es noch an der nötigen Erfahrung. Sollte Toronto es schaffen, sich Platz eins in der Conference zu sichern, so kann Caseys Team einer der beiden Mannschaften ohnehin aus dem Weg gehen.

Eine Teilnahme in den Finals würde das Dreigestirn aus Casey, Lowry und DeRozan in Kanada unsterblich machen. Allerdings brach das Team in den letzten Jahren immer wieder unter dem Druck der Playoffs zusammen. Die Bausteine sind vorhanden, damit die Geschichte sich nicht wiederholt. Doch Casey muss nun den Mut beweisen, seinen jungen Schlüsselspielern Vertrauen zu schenken. Sollten die Raptors jedoch in alte Muster vergangener Jahre verfallen, ist ein vorzeitiges Ausscheiden vorprogrammiert.

Stand aller angegebenen Statistiken: 15.02.2017

Jan auf Twitter: @JanOnOne

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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