Gesellschaft

WeChat: Die Überwachung der Regierung ist kein Geheimnis mehr

Durch die Digitalisierung haben sich viele neue Türen für die Gesellschaft geöffnet — das Tor zur eigenen Privatsphäre schließt sich dafür immer weiter

WeChat: Die Überwachung der Regierung ist kein Geheimnis mehr 19. Februar 20182 Comments

Redakteurin

WhatsApp ist in unseren Kulturkreisen nicht mehr wegzudenken. Täglich wird die App von Millionen Menschen auf der ganzen Welt benutzt. Nicht aber in China. Denn dort gibt es eine eigene App namens WeChat, in ihren Breiten besser unter “Weixin” bekannt.

Mit dieser App wird einem nicht nur das Versenden von Nachrichten oder das Telefonieren ermöglicht. Spontan einen Flug zu buchen, einen Arzttermin auszumachen, oder einem Bekannten Geld zu überweisen, ist auf WeChat ohne großen Aufwand möglich. Die App des Internet-Unternehmens Tencent bietet einem beinahe alles, was bei uns aufwendig in verschiedenen Apps erledigt werden muss. Klingt verlockend, doch ist es wirklich von Vorteil, anstelle von mehreren uns geläufigen Apps auf eine einzige umzusatteln?


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Die Reichweite der App wird expandiert

Die App ist gerade dabei, sich immer weiter und weiter zu verbreiten. In Deutschland gibt es inzwischen 2.000 Geschäfte, die bereits die Bezahlung über WeChat zulassen. Allerdings mit einem kleinen Haken: Das gilt nur für chinesische Touristen, die sich gerade im Ausland aufhalten. Viele Touristen aus Asien kommen nach Europa, um hier Urlaub zu machen. Diese sind auch bekannt dafür, dass sie lieber mit Karte oder dem Handy bezahlen. Durch das Anbieten der Zahlungsmöglichkeit mit WeChat-Pay versuchen immer mehr europäische Geschäfte, daraus Profit zu machen.

WeChat wird nicht nur in Chinesisch, sondern mittlerweile in verschiedenen Sprachen angeboten, darunter auch Englisch, Französisch und Deutsch. Die Nutzung von WeChat ist in Europa allerdings noch sehr gering. Das liegt einerseits an der mangelnden Privatsphäre der App, andererseits daran, dass das Angebot noch lange nicht so fortschrittlich ausgearbeitet ist, wie das in China der Fall ist.

Die Macht der Regierung gewinnt Oberhand

Natürlich muss den Nutzerinnen und Nutzern bewusst sein, dass sie unter ständiger Beobachtung stehen. Wie viel Geld ausgegeben wird, wo sich die WeChat-UserInnen aufhalten und mit wem sie in Kontakt stehen. Alles wird gespeichert. In den Datenschutzrichtlinien der App wird sogar angeführt, dass die Daten an die chinesische Behörde weitergeben werden dürfen. Somit macht Weixin nicht einmal ein Geheimnis daraus, dass die privaten Informationen sehr leicht zugänglich sind.

Man bekommt den Eindruck, als wäre es den meisten chinesischen WeChat-UserInnen gleichgültig, dass sie eine sehr geringe Privatsphäre haben. Gewissermaßen muss es ihnen auch sein. Das liegt vor allem aber daran, dass es in China ohnehin nichts Neues ist, dass die Bürger unter starker Überwachung stehen. Nachrichten werden entschlüsselt und wenn sie etwas Unangebrachtes beinhalten, werden sie nicht zugestellt.

So “harmlos” kann es verlaufen  muss es aber nicht. In China wurden inzwischen sogar einige Personen inhaftiert, weil der kommunistischen Regierung der Inhalt gewisser Nachrichten nicht gefiel. Trotzdem ist die App dort nicht mehr wegzudenken. Viele WeChat-UserInnen werden einfach vorsichtiger, was den Umgang mit kritischen Nachrichten betrifft.

Wie sieht die Überwachung in Österreich aus?

In unseren Breitengraden sind viele Menschen zutiefst schockiert, wenn sie von Apps wie WeChat hören. Sind wir in Österreich zu naiv oder wollen wir es einfach nicht wahrhaben, dass es bei uns genauso zum Alltag gehört, wie es das in vielen Teilen Asiens tut? Einem Großteil der österreichischen Bevölkerung läuft es ja bereits bei dem Gedanken, dass die Amazon-Erfindung Alexa alle Gespräche aufzeichnet, eiskalt über den Rücken.

Bei uns ist es noch nicht zwingend erforderlich, den richtigen Namen und die Bankdaten anzugeben, um bei einer App registriert zu sein, trotzdem werden private Daten aufgezeichnet. Durch das Zustimmen von Datenschutzerklärungen werden diese persönliche Informationen zudem oft freigegeben.


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Vielen ÖsterreicherInnen ist es gar nicht bewusst, wie sehr sie betroffen sind. Auch in unserem Land werden private Daten, die man bei Apps oder Social-Media-Webseiten angibt, gespeichert und eventuell auch an Dritte weitergegeben. In Österreich wird versucht, die Cyber-Sicherheit zu gewährleisten und noch weiter zu verstärken.

In der österreichischen Regierung gibt es dazu verschiedene Meinungen. Die ÖVP versucht, einen Bundestrojaner durchzusetzen. Diese Spionage-Software soll dem Staat ermöglichen, verdächtige Personen auszukundschaften oder zu überwachen und dadurch an Daten zu kommen. Bis zu dem jetzigen Zeitpunkt wehrt sich die FPÖ noch konsequent gegen diesen.

Die Öffnung dieser Nische, die dem Bundestrojaner den Zugriff auf private Daten erlauben würde, bietet natürlich auch Kriminellen eine einfache Möglichkeit, auf private Daten zuzugreifen. Es wäre eine riskante Entscheidung. Bisher gibt es für das Spionage-Programm aber noch keine Lösung innerhalb der österreichischen Regierung.

Katharina auf Twitter: @ina_stelzinger

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