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‘Black Panther’ ist die Innovation, die das Marvel-Universum gebraucht hat

Neben gut umgesetzter Filmtechnik punktet ‘Black Panther' vor allem mit gesellschaftskritischen Aspekten

‘Black Panther’ ist die Innovation, die das Marvel-Universum gebraucht hat 20. Februar 20181 Comment

Ressortleiter Popkultur

“Und täglich grüßt das Murmeltier.” So in etwa lautet das Motto des US-amerikanischen Comicverlags Marvel, denn es verstreicht kaum ein Monat, in dem es keine Produktion zur Erweiterung des Marvel Cinematic Universe (MCU) gibt. Neben bereits etablierten Superhelden und Superheldinnen gesellt sich nun ein weiterer Avenger dazu: Black Panther.

Viele kritisieren die finanzielle Ausschlachtung und die damit einhergehende Banalisierung des MCUs durch die hohe Frequenz an Filmen und Serien. Nichtsdestotrotz sprechen einerseits die Popularität als auch die großteils starken Umsetzungen der einzelnen Produktionen für den hohen Output. Mit dem Black Panther wählt Marvel jedoch einen Superhelden, der sich aufgrund einiger Aspekte von den bisherigen Avengers gezielt unterscheidet.

Der König von Wakanda

Wakanda ist ein zentralafrikanischer Staat, der riesige Vorkommen an Vibranium, dem wertvollsten Element der Welt, besitzt. Deshalb gilt es als das technologisch fortgeschrittenste Land der Erde. Aufgrund der Angst vor der Ausbeutung von anderen Ländern verkauft sich Wakanda jedoch als Dritte-Welt-Staat. Als König T’Chaka (John Kani) bei einem Angriff in Wien getötet wird, muss nun sein Sohn T’Challa (Chadwick Boseman) den Thron antreten.

Neben dem königlichen Erbe erlangt er durch ein Ritual die Kräfte des Black Panthers, mit dessen Fähigkeiten er Wakanda schützen soll. Schon bald darauf steht T’Challa vor seiner ersten Bewährungsprobe als König. Die beiden Bösewichte Ulysses Klaue (Andy Serkis) und Eric Killmonger (Michael B. Jordan) haben ein vibraniumhaltiges Artefakt aus einem Londoner Museum gestohlen. Natürlich muss dieser Gegenstand zurückgeholt werden und Black Panther macht sich mit seinen Verbündeten auf die Jagd.

Black Panther: Typisch Marvel, aber doch anders

Filmtechnisch erkennt man schnell, dass hinter Black Panther die erfolgreiche Marvel-Formel steckt. Gut choreographierte Kämpfe, eine solide und durchdachte Story und die richtige Dosis an Gags sorgen für 121 Minuten tollster Unterhaltung. Ebenfalls stark: Der Cast, der mehrheitlich von dunkelhäutigen SchauspielerInnen besetzt ist. Auf Chadwick Boseman, der Black Panther verkörpert, darf man sich nach dieser Leistung in Avengers 3: Infinity War wirklich freuen. Der restliche Cast mit Michael B. Jordan, Forest Whitaker, Letitia Wright oder Angela Bassett darf überdies sein Können beweisen.


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Visuell ist das Werk grandios umgesetzt. Vor allem durch den Kontrast zwischen den verschiedenen Szenerien hebt sich Black Panther von anderen Marvel-Filmen ab. Wakanda wirkt durch ein gekonntes CGI wie ein futuristisches Utopia, nebenbei zeigen eindrucksvolle Aufnahmen der Savannen die Schönheit Afrikas, während Oakland einen düsteren Gegensatz darstellt.

Durch das Setting avanciert der erste Teil von Black Panther ebenso zu einem Unikat im MCU. In vielen Sequenzen erkennt man die Symbiose zwischen Futurismus und der afrikanischen Kultur. Von Kleidung über Gebäude bis hin zu den Kämpfen wurden historisch kulturelle Besonderheiten nahtlos mit dem Marvel-Stil verknüpft. Vorbild für die Ästhetik des Filmes war in vielen Punkten sicherlich die Gattung des Afrofuturismus.

Auch musikalisch gelingt Black Panther eine außergewöhnliche Mischung. Neben heroischen Themes wurden typisch afrikanische Instrumente sowie derber Hip-Hop-Sound von Kendrick Lamar miteinander kombiniert.

Auch Marvel kann Geschichtsaufarbeitung leisten

Neben den bildlichen Referenzen über die afrikanische Kultur zeichnet sich der Afrofuturismus dadurch aus, dass die noch immer bestehende Diskriminierung sowie Schwierigkeiten der schwarzen Weltbevölkerung thematisiert werden. Darüber hinaus versucht dieses Genre, die Geschichte über Afrika neu zu deuten und aufzuarbeiten. Ryan Coogler (Creed), Regisseur und Drehbuchautor, setzt die Stilmittel des Afrofuturismus beeindrucksvoll um.

“Ehrlich gesagt, war ich mir als Regisseur der Verantwortung, die schwarze Identität endlich in einem anderen Licht zu präsentieren, zu jeder Sekunde bewusst.”
— Ryan Coogler

Die koloniale Ausbeutung Afrikas durch den Westen, Kriege um wertvolle afrikanische Rohstoffe im 20. Jahrhunderts — Black Panther strotzt vor Verweisen auf historische sowie aktuelle Missstände. Wakanda ist ein Beispiel, wie sich Afrika hätte entwickeln können, wäre der schwarze Kontinent nicht zum Spielball der westlichen Mächte geworden. Durch die Isolation von der Weltpolitik konnte der fiktive Staat nämlich aufblühen — doch auch diese konsequente Abschottung wird im Film nach und nach in Frage gestellt.


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Während der ganzen Handlung strotzen die Charaktere nur so vor Selbstbewusstsein, vor allem den Stolz auf ihre besondere Kultur spürt man bei den Auftritten jedes Protagonisten. Allen voran Black Panther, der sich optimal in die Riege der Avengers einordnen kann. Marvel ist es wirklich gelungen, einen neuen Superhelden in das Marvel-Universum einzugliedern — und das mit einem der besten und schon jetzt erfolgreichsten Superhelden-Filme der letzten Jahre.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

[Foto: Screenshot via YouTube: “BLACK PANTHER Trailer German Deutsch (2018)” von KinoCheck]

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