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Abschied eines Perfektionisten: Daniel Day-Lewis beendet seine Karriere

Wir blicken zurück auf die außergewöhnliche Karriere des dreimaligen Oscar-Gewinners

Abschied eines Perfektionisten: Daniel Day-Lewis beendet seine Karriere 26. Februar 20183 Comments

Redakteur

Am 24. Februar 2013 fand im Dolby Theatre die 85. Oscarverleihung statt. Argo von und mit Ben Affleck gewann in der Kategorie “Bester Film” und der österreichische Darsteller Christoph Waltz wurde für seine grandiose Performance in Django Unchained mit einer goldenen Statue als “Bester Nebendarsteller” belohnt. Doch die Verleihung stand im Schatten eines Mannes, der an diesem Tag Oscar-Geschichte schreiben sollte. Sein Sieg in der Kategorie “Bester Hauptdarsteller” war einzigartig, weil sich der Schauspieler seit diesem Tag dreifacher Oscar-Gewinner nennen darf. Die Rede ist von Daniel Day-Lewis.

Day-Lewis erlernte den Beruf an der Bristol Old Vic Theatre School in England. Erste schauspielerische Erfahrungen sammelte er 1971 im Drama Sunday, Bloody Sunday des Regisseurs John Schlesinger. Danach widmete er sich verstärkt dem Theater und wurde in den 1980er Jahren Mitglied des Theaterensembles Royal Theatre Company. Darüber hinaus wurde Day-Lewis in dieser Zeit wieder auf der großen Kinoleinwand aktiv und seit seinem Mitwirken in Ghandi im Jahre 1982 ging es mit der Karriere bergauf.


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Daniel Day-Lewis gilt als einer der außergewöhnlichsten Schauspieler unserer Zeit. Ein Perfektionist, der sich mit viel Akribie auf seine Rollen vorbereitet und dafür bekannt ist, mit seinen Charakteren richtig zu verschmelzen. In Im Namen des Vaters verkörperte er einen IRA-Gefangenen, der in den Hungerstreik ging. Day-Lewis hungerte als Vorbereitung auf diese Rolle und, so sagt man, hat er die Filmcrew gebeten, ihn außerhalb der Dreharbeiten zu beschimpfen. Für die naturverbundene Figur Nathaniel Poe in Der letzte Mohikaner lebte er einige Monate in der Wildnis, lernte Kanus zu bauen und Tieren das Fell abzuziehen. Mit dieser Methode des Schauspiels, genannt Method Acting, gewann Day-Lewis drei Oscars.

Durch seine Liebe fürs Detail sorgte der Schauspieler für Authentizität und realitätsnahe Leistungen. Die Kehrseite dieser Art der Vorbereitung ist eine wahre Tortur für Körper und Geist. Das hinterlässt Spuren. Vermutlich suchte sich Day-Lewis gerade deshalb seine Rollen sehr bewusst aus. Der britische Darsteller kündigte in der Vergangenheit öfters seinen Rücktritt an, um dann doch wieder vor die Kamera zu treten. Doch jetzt soll dieser Rücktritt in Stein gemeißelt sein.

Zum Abschied präsentiert er der Filmwelt und seinen Fans noch ein letztes Mal seine Perfektion und Hingabe. In Der seidene Faden von Paul Thomas Anderson verkörpert er einen Londoner Damenschneider der 1950er Jahre. Seine Performance ist einmal mehr außergewöhnlich, was ihm abermals eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Ob Daniel Day-Lewis eine vierte Statue gewinnen kann, bleibt abzuwarten. Trotzdem stellen wir von kultort.at die drei Oscar-Filme des Briten vor und erklären, warum die Werke so sehenswert sind:

1. Mein linker Fuß (1989)

Christy Brown war ein erfolgreicher, irischer Maler und Autor. Als eines von 22 Kindern wuchs er unter ärmlichen Verhältnissen auf. Brown litt an einer schweren Athetose, vereinfacht formuliert so etwas wie eine Lähmung des Körpers. Darüber hinaus galt er als geistig behindert und konnte nur seinen linken Fuß bewegen. Das hielt ihn eines Tages aber nicht davon ab, zu schreiben und zu malen, deshalb erschien im Jahre 1954 sein Erstlingswerk Mein linker Fuß.

Daniel Day-Lewis verkörperte im Jahr 1989 in der gleichnamigen Verfilmung diesen Charakter. Es ist bestimmt nicht einfach, eine geistig behinderte Person mit viel Fingerspitzengefühl zu spielen, ohne dass es lächerlich rüberkommt. Doch der Schauspieler bewies wahres Talent und zeigte eine einzigartige Leistung.

Seine Darstellung verhalf ihm 1990 zu seinem ersten Oscar. Er setzte sich unter anderem gegen Morgan Freeman (Miss Daisy und ihr Chauffeur) und Robin Williams (Der Club der toten Dichter) durch. Der Film ist vermutlich nicht jedem bekannt, aber wegen der außergewöhnlichen Performance von Day-Lewis sollten Filmfans ihren Horizont erweitern und sich dieses reale Drama ansehen.

2. There Will Be Blood (2007)

Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. grassierte das Erdölfieber. Öl wurde vor allem als Hauptbrennstoff für Öllampen verwendet. In weiterer Folge sorgten die ersten Verbrennungsmotoren für einen erneuten Boom bei der Erdölförderung. Dieses Grundszenario diente dem US-amerikanischen Regisseur Paul Thomas Anderson als Basis für There Will Be Blood. Eine Geschichte über den fiktiven Charakter Daniel Plainview, der auf der Suche nach erdölreichen Gebieten durch die kalifornische Fauna zieht.

Die Hauptfigur wird von Daniel Day-Lewis verkörpert. Ein Mann, der erfolgshungrig ist und mit allen Mitteln versucht, durch Erdöl reich zu werden. Die Geschichte ist unfassbar stark. Im Laufe der Inszenierung entwickelt sich der Charakter Daniel Plainview von einem seriösen Geschäftsmann zu einem skrupellosen Ölmagnaten, der mit aller Gewalt Geld verdienen will und dabei sogar über Leichen geht. Zudem bietet das Werk ein tolles Setting.

Bei der Oscar-Verleihung 2008 staubte der Brite seine zweite Statue ab. Die Konkurrenz, wie George Clooney (Michael Clayton) und Tommy Lee Jones (Im Tal von Elah), hatte keine Chance.

3. Lincoln (2012)

Wir kennen ihn alle als den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Rede ist von Abraham Lincoln, der im Jahre 1860 als erster Republikaner das Amt des Präsidenten angehen durfte. 1864 kandidierte er ein zweites Mal und wurde erfolgreich wiedergewählt. Er regierte das Land nicht nur während des Bürgerkrieges, sondern seine beiden Amtszeiten waren die bedeutendsten in der Geschichte der USA. Lincoln kämpfte für das Ende des Krieges und vor allem für die Abschaffung der Sklaverei.


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Regielegende Steven Spielberg inszenierte das Historiendrama, welches die letzten Monate im Leben von Abraham Lincoln zeigt. Er buhlte sehr, sehr lange um die Gunst von Daniel Day-Lewis, der schließlich zusagte und durch die ungewohnt lange Vorbereitungszeit von fast einem Jahr bereits als Abraham Lincoln am Set ankam. In gewohnter Lewis-Manier hatte er den Präsidenten zum Leben erweckt. Seine Sprache, seine Art sich fortzubewegen waren unglaublich stark und einzigartig. Bei Regieanweisungen und in Drehpausen wollte Day-Lewis, dass Herr Spielberg ihn mit “Mr. President” anspricht.

Als Belohnung erhielt er 2013 die dritte goldene Statue als “Bester Hauptdarsteller”, gewann in dieser Kategorie gegen Größen wie Hugh Jackman (Les Miserables), Denzel Washington (Flight) und Bradley Cooper (Silver Linings). Lincoln ist eine echte Empfehlung, speziell für Filmfans, die historischen Inhalt, tolle Kostüme und Sets sowie Schauspielkunst von hoher Perfektion erleben möchten.

Bei all diesen grandiosen Werken und den herausragenden Leistungen des Charakterdarstellers ist es kaum zu glauben, dass die Filmlandschaft in Zukunft auf Filme mit Daniel Day-Lewis verzichten muss. Aber wer weiß, vielleicht kehrt er nach Jahren für eine weitere Rolle zurück und wird uns wieder mit einer grandiosen Performance verblüffen.

Thomas auf Twitter: @plapperblog

[Foto: Screenshot via YouTube: “DER SEIDENE FADEN Trailer German Deutsch (2018)” von KinoCheck]

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