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Oscars 2018: Wer gewinnen sollte — und wer gewinnen wird

Wir haben sowohl unsere Wunschgewinner als auch die mutmaßlichen Favoriten der sechs großen Oscar-Kategorien gegenübergestellt

Oscars 2018: Wer gewinnen sollte — und wer gewinnen wird 1. März 20181 Comment

In der Nacht vom 4. auf den 5. März (mitteleuropäischer Zeit) ist es wieder soweit. Es ist Oscar-Nacht und viele goldene Statuen warten darauf, den zahlreichen Gewinnern und Gewinnerinnen übergeben zu werden. Die Verleihung findet wie im Vorjahr im legendären Dolby Theatre in Los Angeles statt, Late-Night-Show-Host Jimmy Kimmel darf abermals moderieren.

In diesem Jahr fanden bereits einige Verleihungen statt. Etwa die richtungsweisenden Golden Globes und die Britisch Academy Film Awards (BAFTA Awards). Wer diese verfolgt hat, weiß, dass der Weinstein-Skandal und diverse #MeToo-Debatten noch immer in aller Munde sind. Es ist anzunehmen, dass auch bei der Oscar-Verleihung das eine oder andere Statement bei den Reden losgelassen wird.


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In diesem Artikel liegt der Fokus aber klar auf dem filmischen Part. Die kultort.at-Redaktion hat sich im Vorfeld mit den Nominierungen der sechs wichtigsten Kategorien beschäftigt und diese detailliert unter die Lupe genommen. Können sich die Favoriten durchsetzen? Wird es Überraschungen geben? Welcher Streifen wird als “Bester Film” ausgezeichnet? Hier sind unsere Oscar-Prognosen:

1. Bester Film

Wer gewinnen sollte: Shape of Water

Neun Filme, ein Ziel — den Gewinn der wichtigsten Trophäe der Verleihung. Außer der überraschenden Nominierung von Get Out scheinen alle Werke in dieser Liste berechtigt auf. Am Ende, und wenn man die Konkurrenz im Detail betrachtet, wird es zu einem Fotofinish zwischen Shape of Water und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri kommen. Persönlich als Gewinner wünsche ich mir das Werk des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro. Eine schöne Geschichte über zwei Individuen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Mit einer gelungenen Mischung aus Drama und einem Märchen für Erwachsene kann dieses Werk bestechen.

Wer gewinnen wird: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

So gut die anderen Kandidaten auch sein mögen, sie haben keine Chance gegen das packend inszenierte Drama von Martin McDonagh. Der am zweitmeisten nominierte und eindrucksvoll inszenierte Dunkirk wird eher in den technischen Kategorien abräumen. Darkest Hour und Phantom Thread leben ausschließlich von den großartigen Leistungen der Hauptdarsteller. The Post von Steven Spielberg ist eine überraschungsarm erzählte Ode an die Pressefreiheit sowie Lady Bird und Call Me by Your Name sind zu unbekannt.

Es gibt durchaus Parallelen zum Vorjahr. La La Land war unglaubliche 14-mal nominiert, Moonlight bekam acht Normierungen. Es lief auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen heraus, am Ende siegte das Drama Moonlight von Barry Jenkins (inklusive des Fauxpas vom Präsentator Warren Beatty). So ähnlich wird es auch dieses Jahr ablaufen, dieses Mal mit einem knappen Sieg von Three Billboards. Dabei wäre es schön, wenn man die Panne aus 2017 weglassen würde.


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2. Beste Regie

Wer gewinnen sollte: Christopher Nolan (Dunkirk)

Die Regie ist ein wichtiger Bestandteil eines Werkes. Wie ein Dirigent sein Orchester leiten sie die SchauspielerInnen nach ihren Vorstellungen. Ihr Mitwirken ist entscheidend, ob Kinofans jubelnd oder enttäuschend den Saal verlassen. Christopher Nolan ist ein Regisseur, der es immer wieder schafft, sein Publikum zu überraschen und zu begeistern. Er erschuf die hervorragende The Dark Knight-Trilogie und bewies mit Filmen wie Inception, dass er sehenswerte Streifen auf mehreren Zeitebenen inszenieren kann. Dunkirk kam bereits im Sommer 2017 in die Kinos, doch seine Nominierung ist berechtigt und daher soll Nolan auch gewinnen.

Wer gewinnen wird: Guillermo del Toro (Shape of Water)

Dass Nolan gewinnen wird, ist mit höchster Wahrscheinlichkeit eine reine Wunschvorstellung, fällt er doch wie Jordan Peele (Get Out) unter die Sparte “Überraschung”. Erfreulich ist jedoch, dass nach langer Zeit wieder einmal eine Regisseurin nominiert wurde: Greta Gerwig (Lady Bird). Ihr Sieg kann aber ebenso ausgeschlossen werden wie jener von Paul Thomas Anderson (Phantom Thread). Shape of Water ist einfach ein zeitloser und grandioser Film, der zusätzlich mit einer großartigen Optik auftrumpfen kann. Del Toro wird den Kahn sicher in den Hafen lenken und am Ende die Statue in die Höhe stemmen.

3. Bester Hauptdarsteller

Wer gewinnen sollte: Gary Oldman (Darkest Hour)

In dieser Kategorie kann ein Zweikampf erwartet werden. Ein Duell zwischen den beiden herausragenden Charakterdarstellern Daniel Day-Lewis und Gary Oldman. Im Falle eines Sieges würden beide in die Oscar-Annalen eingehen. Erstgenannter hat bereits Geschichte geschrieben, als er 2013 zum dritten Mal in dieser Kategorie gewonnen hat. Ein möglicher vierter Sieg wäre ein einsamer Rekord und uneinholbar. Für Oldman wäre es eine Premiere, denn der Brite hat noch nie die goldene Statue gewonnen.


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Wer gewinnen wird: Gary Oldman (Darkest Hour)

Für viele ist Gary Oldman der haushohe Favorit. Seine Performance als britischer Premierminister Winston Churchill ist einfach unglaublich stark. Es ist ein wahrer Genuss, ihn auf der Kinoleinwand zu sehen. Mit dieser perfekten Darstellung stellt er sogar jene von Day-Lewis als Damenschneider in Phanthom Thread in den Schatten. Da die weiteren Nominierten Daniel Kaluuya (Get Out), Denzel Washington (Roman J. Israel, Esq.) und Timothee Chalamet (Call Me by Your Name) nicht den Hauch einer Chance haben, wird sich Oldman den Sieg nicht nehmen lassen.

4. Beste Hauptdarstellerin

Wer gewinnen sollte: Sally Hawkin (Shape of Water)

Frances McDormand (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) wird schon als die fixe Siegerin gehandelt, doch im Gegensatz zu Gary Oldman ist ihr Sieg noch nicht so sicher. Sally Hawkins ist der Name der gefährlichen Mitstreiterin, sie verkörpert in Shape of Water fulminant eine stumme Reinigungskraft. Sie muss nonverbal Gefühle zeigen und sich ausdrücken, was sehr schwierig ist. Doch Frau Hawkins schafft das mit Bravour und hätte sich einen Sieg mehr als nur verdient.

Wer gewinnen wird: France McDormand (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri)

Meryl Streep (The Post) sorgte bereits vor den Awards für einen einmaligen Rekord. Die sympathische Darstellerin wurde zum bereits 21. Mal (!) nominiert. Mehr wird am Ende nicht herausschauen, denn Frances McDormand wird ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Sie wurde bereits bei den Golden Globes als “Beste Hauptdarstellerin” ausgezeichnet und gewann in der gleichen Kategorie auch bei den BAFTA Awards. Sie zeigt das gesamte Repertoire der Schauspielkunst — Wut, Hass, Trauer, Sarkasmus und noch vieles mehr. Saoirse Ronan (Lady Bird) ist zwar eine ernstzunehmende Außenseiterin, wie Margot Robbie (I, Tonya) wird sie aber leer ausgehen. McDormand gewinnt nach 1997 (Fargo) ihren zweiten Oscar.

5. Bester Nebendarsteller

Wer gewinnen sollte: Willem Dafoe (The Florida Project)

Es gibt selten Schauspieler, denen man einen Preis mehr gönnt als Willem Dafoe. Ja, seine Leistung in The Great Wall war fürchterlich, doch er gab in der ersten Spider-Man-Trilogie von Sam Raimi einen gelungenen Bösewicht ab und zeigte vor allem im Konsolen-Spiel Beyond: Two Souls sein großes Talent. Nominiert ist er für seine Rolle in The Florida Project, wo er einen Familienvater spielt. Erste Kritiken besagen, dass Dafoe die beste Leistung seiner gesamten Karriere auf die Leinwand zauberte.


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Wer gewinnen wird: Sam Rockwell (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri)

Ein Sieg von Dafoe wäre eine Überraschung, denn die Konkurrenz ist mit Richard Jenkins (Shape of Water), Christopher Plummer (All the Money in the World) und Woody Harrelson (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) sehr stark. Der große Favorit ist aber Sam Rockwell, der in dem Film mit den drei Werbetafeln als Polizist hervorragend glänzt. Seine Leistung ist so überragend, dass selbst Harrelson wie ein Padawan-Schüler wirkt. Rockwell passt perfekt in diese Rolle und wird diese Kategorie für sich entscheiden.

6. Beste Nebendarstellerin

Wer gewinnen sollte: Lesley Manville (Phantom Thread)

Lesley wer? Zugegeben, in dieser Kategorie muss man bei einigen Namen schon auf Google recherchieren, bei welchen Filmen diese Darstellerinnen mitgewirkt haben. In Phantom Thread verkörpert Lesley Manville die Schwester der Hauptfigur, die Daniel Day-Lewis mimt. Sie dient ein wenig als moralische Instanz und mahnt immer wieder dazu auf, dass er seine Launen besser im Griff haben soll. Vielleicht ist sie nicht jedem Filmfan ein Begriff, aber Manville kann mit Day-Lewis sehr stark mithalten und zeigt eine tolle Performance.

Wer gewinnen wird: Allison Janney (I, Tonya)

Allison Janney hier, Allison Janney dort. KritikerInnen schwärmen richtig von der Leistung der US-Amerikanerin aus Dayton, Ohio. Sie spielt in der Filmbiografie I, Tonya die kontrollsüchtige Mutter der Eiskunstläuferin Tonya Harding. Ihre Leistung wurde mit einem Golden Globe als beste Nebendarstellerin belohnt. Darüber hinaus gewann sie einen SAG-Award. Die bekannte Octavia Spencer (Shape of Water), Laurie Metcalf (Lady Bird) und die Sängerin Mary J. Blige (Mudbound) haben ebenso wenig Chancen wie die oben genannte Lesley Manville. Das wird ein klarer Start-Ziel-Sieg für Allison Janney.

Thomas auf Twitter: @plapperblog

[Foto: ABC Image (Schriftzug)/Mr. Gray/Flickr (Statue)/Public Domain Mark 1.0/Illustration von Marcel Weld]

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