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Bist du eine Feministin?

Viele Frauen kämpfen Seite an Seite mit Feministinnen, verstehen sich aber nicht als diese

Bist du eine Feministin? 5. März 20183 Comments

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Feminismuswoche
Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März findet auf kultort.at die Frauen- und Feminismus-Woche statt. Eine Hommage an die Gleichberechtigung von Mann und Frau und ein Statement zu den immer noch vorherrschenden rechtlichen Unterschieden beider Geschlechter. 

Der Feminismus hat die unterschiedlichsten Auslegungen. Mit manchen identifizieren sich viele, mit anderen nur wenige. Doch alle sind sich einig: Der Begriff hat einen schlechten Ruf. Emma Watsons meint: “Im Feminismus geht es darum, Frauen eine Wahl zu geben. Feminismus ist kein Stock, mit dem man andere Frauen schlagen kann.” Mit diesen Worten wurde 2017 eine weitere Diskussion zur Definition ausgelöst.

Um zu verstehen, wie junge Frauen den Feminismus aktuell empfinden und interpretieren, hat kultort.at mit Studentinnen gesprochen und sie zu den verschiedensten Dingen bezüglich der gesellschaftlichen Bewegung befragt.

Was Männern der Feminismus-Begriff bedeutet, könnt ihr hier nachlesen.

Johanna, 21

kultort.at: Wie lautet deine Einstellung zum Feminismus? 

Ich finde das Thema sehr wichtig. Viele Leute haben aber das Problem, dass sie Feminismus sofort mit dem Extremen verbinden. Das ist einfach falsch. Denn jeder sollte Feminist sein! Viele rechtfertigen sich sofort, wenn sie sich als FeministInnen geoutet haben. Die haben das Gefühl, extra erwähnen zu müssen, dass sie eh nicht zu den extremen Aktivisten zählen. Der Feminismus sollte einfach aus dieser Schublade herauskommen, immer gleich extrem sein zu müssen.

Was hältst du von Buttons, T-Shirts und anderen Artikeln, die sich mit ihrem Aufdruck dem Feminismus widmen?

Nur T-Shirts bringen halt nichts. Wenn ich mir jetzt als Frau ein T-Shirt anziehe, aber ich vertrete gar nichts von dem Hintergedanken und kenne mich gar nicht mit dem Thema aus, dann finde ich das lächerlich. Ich denke, viele tragen es einfach, weil man es beim H&M kaufen kann. Die wissen teilweise gar nicht, was Feminismus überhaupt bedeutet. Wenn informierte Leute solche T-Shirts anhaben, dann finde ich das aber richtig cool.

Inwiefern hast du dich mit dem Feminismus näher beschäftigt?

Es kommt immer auf deinen Freundeskreis an. Wenn der offen ist und du kannst mit allen über solche Themen reden, dann spricht man automatisch viel darüber. Wenn sich Leute gar nicht dafür interessieren, wird man nie viel darüber reden und hat selbst eine vermutlich andere Einstellung dazu. In der Uni gab es feministische Übungen und Vorlesungen, wo wir zwei, drei Tage intensiv über alles diskutiert haben. Da merkt man auch, wie breit das Thema eigentlich ist — das war sicher eine der coolsten Übungen auf der Publizistik.


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Würdest du dich als Feministin bezeichnen?

Ja, eindeutig.

Julia, 20

Wie bist du dem Feminismus gegenüber eingestellt?

Was mich stört, ist, dass Menschen gleich ein schlechtes Bild darüber haben. Ich habe das Gefühl, dass Leute oft Angst haben, sich als FeministInnen zu definieren. Weil der Feminismus so verschieden definiert wird und ein stark subjektives Wort ist, das jeder anders sieht und empfindet.

Würdest du dich vor anderen als Feministin bezeichnen?

Für mich persönlich ist es nicht wichtig, ob ich mich Feministin nenne oder nicht. Aber prinzipiell ja, ich finde, dass es viele schöne Definitionen davon gibt und ich finde es auch schön, wenn Menschen sagen, sie kämpfen für Gleichberechtigung und setzen sich dafür ein. Wenn man andere Leute unterstützen will, die von der breiten Gesellschaft nicht unterstützt werden. Also prinzipiell bezeichne ich mich als Feministin, ich mag aber nicht — wie viele andere auch — in die Definitionen von Menschen fallen, deren Ideologien ich nicht vertrete.

Würdest du sagen, dass wir eine neue Definition für Feminismus brauchen?

Ich glaube, es wäre momentan nicht klug, noch mehr in die Richtung zu definieren. Es ist sowieso schwierig, eine generelle Definition zu finden, die allen Menschen passt. Gerade bei so einem emotionalen Thema. Als Frau steckt man da relativ tief drinnen. Es ist halt ein total emotionales und polarisierendes Wort, dass schnell kritisch und falsch gesehen wird. Es ist besser, wenn man keine neue Definition nimmt, sondern den Leuten erklärt, was man selbst darunter versteht und das Extreme aus dem Begriff wegnimmt. Eigentlich ist Feminismus dann gar nicht so ein Unwort.


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Maria, 22

Was bedeutet für dich Feminismus? 

Für mich bedeutet Feminismus, der Versuch einer Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Gerechtigkeit zu schaffen und die Grenzen aufzubrechen, zwischen den binären Geschlechtern.

Würdest du dich als Feministin bezeichnen?

Auf jeden Fall.

Findest du, dass beim Wort etwas Negatives mitschwingt? 

Ja schon, aber das ist “socially constructed”. Es kommt darauf an, in welchen Kreisen man sich bewegt und in welcher Kultur. Feminismus zum Beispiel in El Salvador hat eine absolute Power. Wo du stolz bist, wenn du Feministin bist oder einen Feministen kennst. Hier heißt das oft, dass du gegen Männer bist. Es ist einfach abhängig von der Kultur.

Und vermutlich auch abhängig von Stadt oder Land?

Ja, das glaube ich auch.

Wie hast du dich bisher mit dem Feminismus befasst?

Vom Studium her, wir haben ganz viel über Gender Studies gemacht. Selbst habe ich mit “Die Welt der Frauen” begonnen, mich damit zu beschäftigen. Und ich habe Simone de Beauvoir und Judith Butler versucht zu lesen und bin kläglich gescheitert. Die beste Zeitschrift, die ich jetzt gerade für mich entdeckt habe, ist an.schläge. Einfach top, top, top.

Hast du Freunde, die sich mit dem Feminismus nicht identifizieren können? 

Der Feminismus ist so breit und jeder hat seine eigene Definition. Ich mag dieses Betiteln “Ich bin Feministin” und mit dem gehe ich hinaus überhaupt nicht. Ich glaube, jeder aus meinem Freundeskreis hat eine liberale Einstellung und will die Konstrukte zerbrechen und uns einfach nur als Menschen sehen — nicht als Mann und Frau. Ich glaube, wir brauchen die Begriffe Feminist und Feministin nicht. Aber ich bin der Meinung, dass wir Quoten brauchen. Sie im ersten Schritt einführen, damit ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Mann und Frau zur Normalität wird — und wir die Quoten im nächsten Schritt nicht mehr brauchen.

Lisa auf Twitter: @lugerblis

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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