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Gewinner und Verlierer: Oscars 2018

‘Shape of Water’ konnte vier Statuen gewinnen und Gary Oldman bekam wohlverdient seinen insgesamt ersten Oscar

Gewinner und Verlierer: Oscars 2018 5. März 20182 Comments

Redakteur

Die Oscar-Verleihung ist seit wenigen Stunden Geschichte, eine lange Nacht geht zu Ende. Anlässlich des 90. Jubiläums konnten die Gäste im legendären Dolby Theatre viele Filmausschnitte aus den unterschiedlichsten Epochen dieser Zeitspanne bestaunen.

Wie im Vorjahr durfte der US-amerikanische Moderator Jimmy Kimmel das Publikum durch den Abend führen. Mit viel Routine und einer gelungenen Mischung aus Humor und Seriosität moderierte er die Show. Kimmel sprach auch Themen wie Gleichberechtigung und sexuelle Belästigung an, die großen Debatten und Statements zu #MeToo blieben aber großteils aus.

Der Fokus lag mehr auf den Filmen und deren Gewinnerinnen und Gewinnern. Darüber hinaus wurden wieder starke Persönlichkeiten aus der Filmbrache in der Kategorie “In Memorian” verabschieden. Der obligatorische Überraschungsbesuch in einem Kinosaal nebenan mit Stars wie Gal Gadot und Mark Hamill durfte natürlich auch nicht fehlen.


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Die meisten Statuen (vier) konnte Shape of Water gewinnen, aber ist das Märchen für Erwachsene auch der große Gewinner dieser Verleihung? Wer sind die Verlierer und wer die größten Überraschungen? Und wer hat noch gleich den Jet-Ski für die kürzeste Rede gewonnen?

Die großen Gewinner: Shape of Water, Gary Oldman und Blade Runner 2049

Mit sehr hohen Erwartungen und als der große Favorit (13 Nominierungen) ging Shape of Water in das Oscar-Rennen. Beinahe wäre der Fantasy-Streifen als Verlierer abgestempelt worden, jedoch konnte er den Kopf gerade noch so aus der Schlinge ziehen und vier Statuen abräumen. Unter anderem gewann Regisseur Guillermo del Toro seinen ersten Oscar als “Bester Regisseur”, Filmkomponist Alexandre Desplat durfte sich über eine Auszeichnung in der Kategorie “Beste Filmmusik” freuen. Ein wenig überraschend, aber nicht ganz unverdient, war der Sieg in der Königsdisziplin: Shape of Water ist “Der beste Film 2018”.

Verdient, verdienter, Gary Oldman. Der Brite gewann endlich seinen ersten Oscar und das völlig zurecht. Er brilliert im realen Kriegsdrama Darkest Hour, in dem er fulminant den britischen Premierminister Winston Churchill verkörpert. Zudem konnte der Film eine Statue in der Kategorie Bestes Make-Up und beste Frisuren abstauben.

Neben Oldman gewann der britische Kameramann Roger A. Deakins zum ersten Mal die begehrte Statue. Er fängt das beeindruckende Setting von Blade Runner 2049 sehr beeindruckend ein und darf sich zu Recht Oscar-Gewinner nennen. Des Weiteren konnte sich die Inszenierung von Denis Villeneuve in der Kategorie “Beste visuelle Effekte” den Sieg sichern.


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Verlierer (aber eigentlich Gewinner): die leer ausgegangen sind

Einige Nominierte durften sich bereits vor dem Beginn der Verleihung als Sieger fühlen, haben sie doch zum Teil Historisches geschafft. Rachel Morrison (Mudbound) zum Beispiel, die als erste Kamerafrau überhaupt für einen Oscar nominiert wurde. Greta Gerwig ist die erst fünfte Frau in der Rubrik “Beste Regie” und Logan der erste Superheldenfilm in einer wichtigen Kategorie — nämlich für “Bestes adaptiertes Drehbuch”.

Der große Verlierer: Lady Bird

Eine Münze hat immer zwei Seiten, denn wo es Gewinner gibt, sind die Verlierer nicht weit. Das Coming-of-Age-Drama Lady Bird ist der große Verlierer dieser Awards, da er von fünf möglichen Statuen keine einzige gewonnen hat. Die größten (Außenseiter-)Chancen gab es in der Königskategorie “Bester Film” und für die aufstrebende Saoirse Ronan in der Rubrik “Beste Hauptdarstellerin”. Ebenfalls erfolglos waren das Drama Mudbound (4 Nominierungen), Star Wars: Die letzten Jedi (4 Normierungen) und der rasante Action-Thriller Baby Driver (3 Nominierungen).

Gewinner (und gleichzeitig Verlierer): Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und Phantom Thread

Auf den ersten Blick kann Three Billboards als Gewinner angesehen werden. Das packende Drama, garniert mit viel schwarzem Humor, konnte zwei Statuen für sich entscheiden und zwar in zwei wichtigen Kategorien. Sam Rockwell (“Bester Nebendarsteller”) holte sich ebenso wie Frances McDormand (“Beste Hauptdarstellerin”) den fix eingeplanten Sieg ab. Schaut man genauer hin, so ist das Werk von Martin McDonagh allerdings ein Verlierer des Abends. Es ging sowohl in der Kategorie “Beste Regie” als auch in “Bestes Originaldrehbuch” leer aus.


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Ein Schlag ins Gesicht war dann allerdings der Gewinn von Shape of Water als “Bester Film”. Eine Mini-Überraschung, denn viele Kinofans und KritikerInnen fanden das Werk von Guillermo del Toro nicht sehr gelungen. Unter dem Strich bleiben für Three Billboards bei sieben Nominierungen nur zwei Statuen — viel zu wenig und deswegen ein Verlierer dieser Awards. Ebenfalls ein Gewinner, aber auch Verlierer ist Phantom Thread, der letzte Film mit Daniel Day-Lewis. Bei sechs Nominierungen gewann er lediglich in der Rubrik “Bestes Kostümdesign“. Dieser Sieg war dafür umso verdienter. Call Me by Your Name war viermal nominiert, siegte aber nur in einer Kategorie: “Bestes adaptiertes Drehbuch”.

Die große Überraschung: Jordan Peele (Get Out)

Der Hybrid aus Horror, Thriller und Komödie wurde im Vorfeld der Awards ganze viermal nominiert. Unter anderem in den Hauptkategorien “Bester Film” und “Bester Hauptdarsteller” (Daniel Kaluuya). Get Out ist ein sehr ordentlicher Film, dennoch kamen diese Nominierungen sehr unerwartet. Dann der Knalleffekt: Jordan Peele gewinnt eine goldene Statue, noch dazu in der Rubrik “Bestes Originaldrehbuch”. Kein Lady Bird (Greta Gerwig), kein Three Billboards (Martin McDonagh) und schon gar nicht Shape of Water (Guillermo del Toro). Jordan Peele machte das Rennen und sorgt somit für die größte Überraschung des Abends.

Keine Überraschung war hingegen der Sieg von Allisson Janney in der Rubrik “Beste Nebendarstellerin“. Sie brilliert in I, Tonya an der Seite von Margot Robbie als die Mutter von Tonya Harding und wurde bereits im Vorfeld mehr als nur hochgelobt. Der Gewinn der begehrten Statue war so sicher wie ein Seitenhieb von Moderator Jimmy Kimmel in Richtung Matt Damon.

Gewinner: Dunkirk und Coco

Wie zu erwarten schlug die Stunde von Dunkirk in den technischen Kategorien. Je ein Sieg für “Bester Schnitt”, “Bester Tonschnitt” und “Bester Ton” ergibt insgesamt drei goldene Statuen. Die Konkurrenz — wie Star Wars: Die letzten Jedi, Baby Driver und vor allem Blade Runner 2049 — hatte keine Chance. Das neueste Werk von Christopher Nolan beeindruckt mit einem bombastischen Sound und in Kooperation mit dem Soundtrack von Hans Zimmer ergibt das ein besonderes Filmerlebnis.


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Der Animationsfilm Coco aus dem Hause Disney/Pixar wurde im Vergleich zu Dunkirk nur zweimal nominiert, konnte aber in beiden Kategorien gewinnen. Der Sieg als “Bester Animationsfilm“ war zu erwarten, jener als “Bester Filmsong” weniger. Viele Fans hätten sich “This Is Me” aus The Greatest Showman gewünscht, denn dieser Song hat mehr Eindruck hinterlassen.

Verlierer: The Post

The Post ist ein gutes Beispiel dafür, dass bekannte Namen allein kein Garant dafür sind, dass ein Film ausgezeichnet wird. Natürlich ist Meryl Streep eine sympathische Zeitgenossin und sorgte vor der Verleihung mit ihrer bereits 21. Nominierung für einen einsamen Rekord. Doch das reale Drama rund um die Pentagon Papers wurde nicht packend genug erzählt. Da hilft es auch nicht, dass eine Regie-Legende wie Steven Spielberg den Film inszeniert hat. Ein wichtiger Film, der sehr gut in die heutige Zeit hineinpasst, doch die Konkurrenz war einfach viel zu groß und daher ging der Streifen leer aus. Victoria & Abdul (2 Nominierungen) und The Beauty and the Beast (2 Nominierungen) konnten so wie The Post keine Statue gewinnen.

Das Highlight der Verleihung: Frances McDormand

Die Schauspielerin aus Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gewann nicht nur die Statue als “Beste Hauptdarstellerin“”, sondern sorgte auch für einen schönen Moment und ein wahres Highlight. Ihre Dankesrede war nicht nur humorvoll und voller Stolz für ihre Familie, sondern sie widmete ihren Sieg auch allen weiblichen Nominierten in jeder einzelnen Kategorie. Sie bat alle nominierten Frauen aufzustehen, um mit ihr zu feiern. Die erste, die aufstand, war Meryl Streep.

Gewinner: Faye Dunaway und Warren Beatty

Wer erinnert sich noch an das letzte Jahr, als die beiden Legenden aus Hollywood das falsche Kuvert in der Hand hielten und den falschen Film genannt haben? Ein Fauxpas, der nicht passieren darf, denn auf der Bühne herrschte das pure Chaos. Als die beiden bei dieser Verleihung erneut die prachtvolle Bühne im Dolby Theatre betreten haben, war kurzzeitig das große Entsetzen zu spüren. Dieses Mal konzentrierten sich Dunaway und Beatty etwas mehr und nannten den richtigen Film. Da man aber nie sicher genug sein kann, kontrollierte der Mexikaner Guillermo del Toro das Kuvert noch einmal genau. Er las seinen Film Shape of Water und freute sich nachher umso mehr.

Gewinner: Basketball

Zum Schluss sei noch folgende Frage erlaubt: Was haben Kobe Bryant, NBA-Legende und fünffacher Champion mit den Los Angeles Lakers, der amerikanische Trickfilmzeichner Glen Keane und Star Wars-Komponist John Williams gemeinsam? Sie alle haben an dem animierten Kurzfilm Dear Basketball gearbeitet, der mit einer Statue belohnt wurde. Richtig gelesen: Basketballer Kobe Bryant, der das Drehbuch dazu geschrieben hat, darf sich Oscar-Gewinner nennen. Manche Sachen kann man nicht erfinden.

Thomas auf Twitter: @plapperblog

[Foto: Screenshot via YouTube: “THE SHAPE OF WATER | Official Trailer | FOX Searchlight” von FOX Searchlight]

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