Feminismus-Woche Gesellschaft

Bist du ein Feminist?

Nicht nur Frauen, auch Männer haben eine klare Meinung zum Feminismus

Bist du ein Feminist? 6. März 20182 Comments

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März findet auf kultort.at die Frauen- und Feminismus-Woche statt. Eine Hommage an die Gleichberechtigung von Mann und Frau und ein Statement zu den immer noch vorherrschenden rechtlichen Unterschieden beider Geschlechter. 

Der Feminismus hat es nicht leicht. Zu oft wird der Begriff verkannt und die weiblichen Verfechterinnen als sexuell frustrierte Männer-Hassende-Möchtegern-Weltverbesserinnen bezeichnet — und infolgedessen angefeindet. Es heißt, dass ausschließlich Frauen für den Feminismus einstehen und es deren Intention ist, Männer aus jeglichen Machtpositionen zu vertreiben. Eine Unwahrheit jagt die nächste.

Um einige Vorurteile aus der Welt zu schaffen, hat kultort.at mit jungen Männern gesprochen und versucht, den offenkundigen Problemen des Feminismus auf den Grund zu gehen.

Wie junge Frauen den Feminismus aktuell empfinden und interpretieren, könnt ihr hier nachlesen.

Stephan, 24

kultort.at: Was bedeutet für dich Feminismus?

Im Feminismus geht es um die Gleichstellung von Personen unabhängig des Geschlechts und um das Aufholen der gesellschaftlichen Stellung der Frau.

Was hältst du persönlich vom Feminismus?

Ich sehe mich selbst als Feminist. Ich habe eine positive Einstellung gegenüber dem Feminismus.

Gibt es deiner Meinung nach Negativbeispiele, die den Feminismus in ein schlechtes Licht rücken oder den Sinn dahinter falsch darstellen?

Ja gibt es natürlich, leider. Ich glaube, dass das Wort oder auch die Einstellung oft kritisch gedeutet werden, weil es als Angriff auf die Mannheit einer Gesellschaft gesehen wird. Das ist natürlich nicht das Konzept dahinter. Das wird selbst von Menschen, die sich selbst als FeministInnen bezeichnen, missverstanden oder missinterpretiert.

Sind für dich T-Shirts mit Aufdrucken wie “Frauen regieren die Welt” oder “The Future is Female” Negativbeispiele für den Feminismus?

Nein nicht wirklich, aber das habe ich interessant gefunden. Ich interpretierte das so, dass “The Future is Female” im deutschsprachigen Raum Fuß fasst, weil “die Zukunft” ja ein Femininum ist. Das Ziel dahinter ist aber, dass die Weiblichkeit einer Gesellschaft gestärkt und besser verankert wird. Wenn man sich von Aussagen wie “Frauen regieren die Welt” angegriffen fühlt, ist das einfach nur dumm. Es stimmt nicht und wird vermutlich nie stimmen, weil niemals ein Geschlecht alleine die Welt regieren kann. Ich fühle mich als Mann dadurch nicht angegriffen und nicht bedroht.

Benjamin, 21

Wie würdest du Feminismus definieren und bezeichnest du dich selbst als Feminist?

Feminismus ist die Gleichheit aller Menschen in unserer Gesellschaft. Und ja, ich würde mich absolut als Feminist bezeichnen.

Hast du die Ansicht, dass der Feminismus in unserer Gesellschaft negativ behaftet ist?

Total. Es gibt ja den Begriff Femi-Nazi. Ich finde, dass unterwandert die Sache an sich. Es ist dann oft so, dass manche Frauen, die den Feminismus vertreten, als “Furien” bezeichnet werden. Das tut der Sache nichts Gutes und zieht es ins Lächerliche. Ein Beispiel wäre die Nationalhymne. Einige sagen, dass es viele wichtigere Dinge gibt, als über das Gendern in der Nationalhymne zu diskutieren. Ich bin für das Gendern in der Nationalhymne, ich mach’s auch selber — bei Fußballspielen “packen” das die Leute gar nicht —, aber ich glaube, man sollte das auf eine andere Ebene ziehen. Mit unserer neuen Regierung wird das allerdings sowieso nichts. Ich glaube leider auch, dass das Frauenvolksbegehren nichts erreichen wird.

Hast du die Unterstützungserklärung unterschrieben?

Ja sicher. Aber wir sehen am Nichtrauchergesetz, dass das nichts bringen wird. Ich glaube, dass sich in die Richtung Frauenrechte in den nächsten — hoffentlich weniger als — fünf Jahren nichts verändern wird. Vielleicht kommt es sogar zu Rückschritten. Frauen und Männer müssen jedoch unbedingt gleichberechtigt werden. Aber nicht gleich angesehen, denn Männer und Frauen sind nicht gleich, das nicht. Aber die Chancen sollten dieselben sein.

Was sagst du dann zum Thema Frauenquoten?

Wenn es in einem Bereich weniger qualifizierte Frauen gibt als Männer, finde ich es sinnlos. Aber ich finde, bei Bewerbungen sollte generell der Name und das Geschlecht weggelassen werden. Und nach dem System stellst du dann die Leute ein. So beugst du Rassismus und Sexismus vor.

Man liest oft, dass Frauen in von Männern dominierten Bereichen es sich nicht zutrauen, Führungspositionen einzunehmen. Dann wäre es doch schlau, am Selbstbewusstsein von Frauen zu arbeiten, um in diesen Bereichen durchzustarten?

Ja, aber ich glaube, dass sich das langsam wandelt. War bei Richtern auch so. Früher waren mehr Männer als Frauen Richter, das hat sich jetzt umgedreht. Ich habe da auch mal mit der Judith Raab von den NEOS geredet. Sie hat generell gesagt, dass Frauen besser seien. Wir waren damals in der Schule und zu zwölft bei ihr — und nur Männer. Sie hat uns da wirklich an den Kopf geworfen, dass Frauen alles besser können. So ein Ansatz zu Feminismus ist fragwürdig, das halte ich für nicht sinnvoll.


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Thomas, 30

Wie würdest du Feminismus definieren? 

Für mich bedeutet Feminismus, die Angleichung der Rechte zwischen den beiden Geschlechtern in der Gesellschaft und im Alltag. Es geht nicht nur rein um Frauenrechte an sich, weil wenn wir da anfangen, müssen wir bei den Männerrechten auch anfangen.

Findest du, dass das Wort Feminismus negativ konnotiert ist und FeministInnen öfter einen eher schlechten Ruf haben?

Prinzipiell in der Gesellschaft? Ja, das glaube ich schon.

Warum?

Weil ich finde, dass solche Diskussionen ab und zu an den realen Problemen der Gesellschaft vorbeigehen. Es wird manchmal einfach übertrieben — das sehe ich nicht nur beim Feminismus so, sondern generell — und geht zu sehr ins Extreme. Ich finde es prinzipiell in Ordnung und gut, aber wenn man zu sehr ins Detail geht und versucht, etwas auf Druck zu ändern, schreckt das viele Leute ab und somit wird das komplette Gegenteil erreicht.

Würdest du dich als Feminist bezeichnen? 

Nein, ich bin eher für pragmatische Ansätze.

Aber du bist für Gleichberechtigung? 

Ja, aber ich würde mich nicht als Feminist bezeichnen, weil ich das Wort an sich nicht gerne habe.

Wäre dann für diese Bewegung, die Gleichberechtigung als Ziel hat, die Etablierung eines neuen Wortes sinnvoll? 

Brauchen wir überhaupt ein Wort dafür? Ich bin einfach für Gleichberechtigung für jegliche Geschlechter. Ich brauche kein Wort dafür. Ich glaube, dass der Feminismus im Moment einfach keinen guten Ruf hat. Und es kann niemand etwas gegen die Gleichberechtigung aller Menschen haben.

Lisa auf Twitter: @lugerblis

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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