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Der Mut zur Stille: BASWOD im Interview

Im Interview spricht der Musiker über sein neues Album ‘Four’ und dessen Entstehung

Der Mut zur Stille: BASWOD im Interview 8. März 20182 Comments

Am 15. Februar veröffentlichte der Singer-Songwriter BASWOD sein zweites Album. Hinter dem Ein-Mann-Projekt steht der 27-jährige Dominik Linder, der ursprünglich aus Kärnten kommt und nebenbei sein Raumplanungs-Studium in Wien abschließt.

Four besticht durch sanfte und doch bestimmte Klänge, die zum Träumen einladen. Das reduzierte Konzept entschleunigt und bietet den Freiraum, den man heutzutage oft sucht. Wir von kultort.at haben den Künstler in einem Wiener Café getroffen, um mit ihm genau darüber zu sprechen.

kultort.at: Bei deinem ersten Album The Ships Have Set geht es um Veränderung im Sinne von Abschiednehmen. Was genau steht jetzt bei Four inhaltlich im Mittelpunkt?

BASWOD: Four besteht eigentlich aus Geschichten oder auch aus Alltagsgedanken. Wenn man Zweifel an etwas hat oder sich nach etwas sehnt, also Dinge die irgendwie in einem drinnen sind. Eben diese Gedanken, die jeder einmal hat, habe ich probiert, in Geschichten zu verpacken. Bei “Sleep” zum Beispiel, das ist das erste Lied, das ich jetzt rausgebracht habe, geht es um diese Alltagsmüdigkeit, wo man dann einfach nicht mehr so wirklich weiß: “Wohin?” und “Warum?”. Man ist einfach nur müde, will sich hinlegen und das ist in die Geschichte von einem Festival reinprojiziert. Das kennt sicher jeder: Der dritte Tag, man hat einfach irgendwie keine Lust mehr und will eigentlich nur noch ins Bett, sich hinlegen und alles ist zu viel. Ja, das Gefühl zieht sich durch das ganze Album.

Es liegen jetzt circa drei Jahre zwischen deinen beiden Platten. Was hat sich mittlerweile beim Musikmachen selbst für dich verändert?

Ich glaube, die größte Veränderung vom ersten zu diesem Album war, dass ich jetzt in Wien aufgenommen habe. In den fast drei Jahren, die dazwischen waren, habe ich auch viele Lieder in Kärnten recordet. Die waren eigentlich auch schon fertig und in Wien wollte ich noch ein paar letzte Gesangslinien drüber singen. Irgendwie sind dann ganz viele neue Lieder auf einmal da gewesen. Dann sind eben die Songs, die ich in Wien aufgenommen habe, zum Album geworden. Von denen, die ich in Kärnten aufgenommen habe, ist ein Bruchteil zu der EP geworden, die ich vor ein paar Monaten aufgenommen habe.


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Der musikalisch wahrscheinlich größte Unterschied ist, dass es noch mehr reduziert ist. Es ist noch ein bisschen ruhiger und auch akustischer. Auf The Ships Have Set habe ich noch ganz viel mit E-Gitarren gearbeitet und probiert, mit ganz vielen Gitarreneffekten Atmosphären herzustellen. Das habe ich jetzt fast gar nicht mehr, es ist wirklich ein bisschen mehr Mut zur Stille. Das war mir selber auch ganz wichtig bei dem Album, weil ich bei den ersten Liedern, die ich aufgenommen habe, selber Angst gehabt hatte, dass es zu leise ist. Irgendwie hat man sich nicht richtig getraut, dann einfach mal keine Note zu spielen, um dem Ganzen Freiraum zu geben.

Eben genau die EP Inhale ist ja letzten Oktober schon vorab erschienen. Was hat dich denn letztlich bewegt, nicht gleich ein Album zu machen, sondern zuerst eine EP herauszubringen?

Ich war auch schon knapp davor, zu sagen: “Ich will das als Doppelalbum rausbringen.” Dann war aber eben diese eine Woche, wo ich gewusst habe, dass ich das jetzt fertigmache. In dieser einen Woche, also eigentlich in vier Tagen, sind genau die zehn Lieder entstanden, wie sie jetzt auf der Platte sind — genau in der Reihenfolge, wie sie aufgenommen worden sind. Das war dann der Punkt, wo ich gesagt habe, dass es eine Einheit bleiben muss und letztendlich auch das Album werden soll. Alles, was ich davor gemacht habe, soll den Weg zeigen, den ich gebraucht habe, um da hinzukommen. Deswegen habe ich die EP rausgebracht.


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Wie genau kann man sich diesen Schaffensprozess vorstellen? Der Name Four bezieht sich immerhin genau auf diese vier intensiven Tage. Hast du dich da wirklich alleine zurückgezogen?

Es war ganz intensiv. Ich kann gar nicht so wirklich sagen, wie das alles passiert ist. Ich habe versucht, wirklich jeden Klang auszuschotten, indem ich die Rollläden runtergemacht und die Vorhänge zugezogen habe. Das heißt, ich bin fünf bis sechs Tage nur im Dunkeln gesessen. In der Früh bin ich aufgestanden, habe die Gitarre in die Hand genommen, was gespielt, einfach direkt Mikrofone hingestellt und angefangen, etwas aufzunehmen.

Für deine zwei Singles “Sleep” und “Drive” gibt es mittlerweile schon Videos auf YouTube. Bei “Sleep” wirst du am Ende, im Wasser treibend, von deinem Boot zurückgelassen und bei “Drive” steigst du nach scheinbar endlosem Fahren vom Fahrrad. Wie kann man das interpretieren?

Bei “Sleep” war der Grundgedanke, dass ich mich von einem Boot durch die Masse ziehen lasse, was dann wieder zu dieser Müdigkeit zurückführt. Man läuft so durch den Alltag und kriegt eigentlich gar nicht mehr mit, was um einen passiert. Man ist eigentlich wie ferngesteuert, deswegen auch dieses auf dem Wasser treiben. Bei “Drive” haben wir überlegt, wie es jetzt am besten aufhören könnte. [lacht] Also das ist eigentlich der Grund, warum es aufhört, wie es aufhört.

Beim Namen BASWOD kann man sich denken, dass der vom englischen “basswood” kommt. Gibt es da vielleicht auch eine Geschichte dazu?

Das Schöne bei dem Namen ist, dass es mir eigentlich egal ist, wie man ihn ausspricht — ob jetzt englisch oder österreichisch — ich finde, es klingt beides OK. Mein eigentlicher Grundgedanke war dann, dass es etwas sein soll, was es so noch nicht gibt und was kein Wort ist. Meine Mitbewohnerin und ich haben dann ganz lange überlegt. Sie hat dann gemeint, vielleicht sollte ich irgendeine Holzsorte nehmen. Das passt eben zur Musik, sowas Rohes wie Holz. Dann sind wir draufgekommen, dass Lindenholz “basswood” heißt und mein Nachname ist eben Linder. [lacht]

Gibt es bestimmte Interpreten oder auch andere Inspirationen, die dich zu der Musik gebracht haben, die du heute machst?

Ja, die gibt es ganz sicher, es ist mir oft gar nicht so bewusst. Die erste Musik, die ich wirklich ernsthaft gehört habe, war Coldplay. Ich war wirklich vernarrt in die Band. A Rush of Blood to the Head und Parachutes, die zwei Alben, waren ein Wahnsinn für mich. Ich höre es heute nicht mehr wirklich, aber ich glaube, es ist irgendwie immer noch ein Einfluss. Ich höre Sufjan Stevens, Bon Iver und so ganz viel, aber ich finde, das liegt dann fast schon wieder zu sehr auf der Hand. Ich glaube, dass ich von Bands, die ich in meiner Jugend gehört habe, mehr beeinflusst bin, als von Bands, die ich jetzt höre.

Was für Pläne hast du denn für die Zukunft? Wirst du auf Tour gehen?

Es kommen jetzt einzelne Konzerte, verteilt über das nächste halbe Jahr. Ich hoffe, dass es sich ausgeht und einige Festivals noch Slots haben. Aber ja, es wird einige Konzerte geben. Ich bin auch am Überlegen, noch eine EP mit dem alten Material aufzunehmen. Dann wäre das Album quasi eingebettet in alle Songs, die es gebraucht hat, um dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin.

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[Foto: © Anna M. Burgstaller]

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