Feminismus-Woche Gesellschaft

Die Bedeutung des Weltfrauentages

Am 8. März wird der Weltfrauentag gefeiert — oder, in offizieller UN-Diktion: der “Tag der Vereinten Nationen für Rechte der Frau und den Weltfrieden”

Die Bedeutung des Weltfrauentages 8. März 2018Leave a comment
Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März findet auf kultort.at die Frauen- und Feminismus-Woche statt. Eine Hommage an die Gleichberechtigung von Mann und Frau und ein Statement zu den immer noch vorherrschenden rechtlichen Unterschieden beider Geschlechter.

Seit hundert Jahren dürfen Frauen in Österreich wählen. Erst 1918 wurde ihnen das allgemeine Wahlrecht verliehen und es dauerte bis 1998, bis in der österreichischen Verfassung die Gleichstellung der Geschlechter verankert wurde.

Der Internationale Frauentag soll uns daran erinnern, dass die Rechte, die Frauen heute als selbstverständlich erachten, es lange Zeit nicht waren — und dass viele weibliche Persönlichkeiten mit Mut und Vehemenz dafür gekämpft haben.

Geschichte des Frauentages

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin war eine der bedeutendsten Frauen in der Geschichte des Internationalen Frauentages. Aufgrund ihrer Initiative wurde 1910 in Kopenhagen erstmals dessen Einführung beschlossen. Der erste Tag der Frau fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt.

Zu den Hauptforderungen der Aktivistinnen rund um Zetkin zählte das aktive und das passive Wahlrecht für Frauen. Die damals größte Unterstützung erhielten die Frauenrechtlerinnen von den Sozialdemokraten. Nicht ganz uneigennützig, denn sie sahen im allgemeinen Wahlrecht für Frauen eine Chance, ihre Anhängerschaft zu vergrößern.

Der Frauentag wurde über die folgenden Jahre ein fixer Bestandteil der sozialistischen Bewegungen und damit ein wichtiges Instrument zur Aufklärungsarbeit.

Im Zuge des Ersten Weltkrieges stand allerdings das Wahlrecht nicht mehr im Mittelpunkt. Der Wunsch nach Frieden und allgemeiner Sicherheit überdeckte kurzfristig alle anderen Bedürfnisse.

Erst im Jahr 1918 wurden die Vorkriegsforderungen der Frauenbewegung erfüllt und das allgemeine Frauenwahlrecht verkündet.


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Die Festlegung auf den 8. März

1921 wurde im Zuge der zweiten kommunistischen Frauenkonferenz der 8. März zum Internationalen Frauentag erklärt. Die UN-Generalversammlung beschloss 1977 dieses Datum als “Tag der Vereinten Nationen für Rechte der Frau und den Weltfrieden” anzuerkennen.

Über den Grund für die Festlegung auf diesen Termin im Kalender gibt es unterschiedliche Theorien und Deutungen. Denn am 8. März haben im Laufe der Geschichte viele bedeutende Ereignisse stattgefunden.

Einige Quellen vermuten als Ursprung den 8. März 1908, an welchem die Arbeiterinnen der New Yorker Textilfabrik Cotton für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen protestierten. Die Fabrikbesitzer schlossen die Frauen als Reaktion auf ihre Forderungen in der Fabrik ein. Mit fatalen Folgen, denn durch ein plötzlich ausbrechendes Feuer starben 129 Arbeiterinnen qualvoll in den Flammen.

Eine weitere Annahme für die Datumswahl ist die Russische Februarrevolution, ausgelöst von den streikenden Bewohnerinnen der armen Stadtviertel in Petrograd. Die Frauen — Arbeiterinnen, Frauen von Bauern und Soldaten — gingen am 8. März 1917 gemeinsam protestierend auf die Straße.

Es gibt noch viele weitere Erklärungen und Herleitungen des festgelegten Tages — alle sind auf die Tatsache weiblichen proletarischen Widerstandes zurückzuführen.

Der Frauentag gegen internationale Missstände weltweit

Der Internationale Frauentag richtet sich gegen die mehrfache Diskriminierung und Ausbeutung von Frauen und Mädchen in aller Welt. Kinderehen, Mädchenmorde und weibliche Genitalverstümmelung sind leider in unseren fortschrittlich scheinenden Zeiten immer noch in einigen Ländern tragische Realität.

Der Aktionstag bietet zudem die Gelegenheit, um aktuelle politische Ziele und Probleme zu diskutieren. Beispiele hierfür sind die Arbeitszeitverkürzung, ohne daraus resultierende Lohnabschläge, bessere Kinderbetreuung für berufstätige Frauen oder auch Themen wie das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch. Ein Recht übrigens, das aktuell — mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand — sogar in Europa wieder vermehrt infrage gestellt wird.

Im Zuge des Welttags finden in großen und kleinen Städten rund um den Globus Veranstaltungen, Demonstrationen und Vorträge diverser Gewerkschaften und Frauengruppen statt.


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Andere Länder, andere Sitten

In Österreich wird der Internationale Frauentag vor allem genützt, um die Gesellschaft zu informieren und zentrale Themen wie die Forderung nach Gleichberechtigung, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit oder die Anerkennung der Erziehungszeit der Kinder zu beleuchten. Außerdem wird dieser Welttag genutzt, um über gesundheitliche Themen wie Vorsorge bei Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs zu informieren.

Ganz anders zelebrieren Länder wie China und Russland den Anlass: Chinesische Frauen haben beispielsweise am Nachmittag des Weltfrauentages arbeitsfrei.

Der russische Weltfrauentag hat generell nur sehr wenig mit dem Kampf um Gleichberechtigung und Frauenrechte zu tun. Der Frauentag lässt sich mehr mit dem Valentins- oder Muttertag vergleichen. Es geht darum, alle Frauen zu verwöhnen — mit Liebe, Blumen und ganz viel Aufmerksamkeit. Freundin, Ehefrau, weibliche Verwandte, Geschäftspartnerinnen und Kolleginnen stehen an diesem Tag im Mittelpunkt und werden beschenkt. Fällt der Internationale Frauentag auf einen Samstag oder Sonntag, ist der darauffolgende Montag in Russland arbeitsfrei. Ob diese Art von Feiertag jedoch auch im Sinne der Frauenrechtlerinnen des Zwanzigsten Jahrhunderts wäre, ist zu bezweifeln.

Die Wichtigkeit des Frauentages

Die Hauptforderung der ursprünglichen Frauenbewegung wurde mit dem Wahlrecht erfüllt. Dieses besteht, wie eingangs erwähnt, in Österreich seit hundert Jahren.

Hundert Jahre sind im Vergleich zu der Zeit, in der Frauen auf dieses Recht verzichten mussten, eine kurze Zeitspanne. Starke und mutige Frauen haben das Wahlrecht hart erkämpft und in der Geschichte somit viel erreicht. Der Internationale Frauentag soll uns an ihre Bemühungen erinnern, uns aber auch auffordern, die weiblichen Rechte innerhalb sowie außerhalb der Landesgrenzen zu beachten.

Von der völligen Gleichberechtigung der Frau kann auch in Österreich noch nicht gesprochen werden. Dies belegen die Zahlen der Statistik Austria bezüglich des Lohnunterschiedes der Geschlechter. Die Gender Pay Gap wird dabei einheitlich für alle Mitgliedstaaten der EU anhand des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes in der Privatwirtschaft berechnet. Die Lohnschere zwischen Frauen und Männer lag 2016 bei 20 Prozent und damit noch immer deutlich über den EU-Durchschnitt von 16,2 Prozent.


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Auch wenn wir uns in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern glücklich darüber schätzen können, dass das Thema Gleichberechtigung viel Aufmerksamkeit bekommt, sollte Frau nicht vergessen: Das war nicht immer so.

Nach wie vor ist für Frauen wichtig, ihre Rechte einzufordern, sich nicht von Versprechen blenden zu lassen und sich gut zu informieren. Viele Männer unterstützen die Forderungen für die reale Gleichberechtigung, sie sind Verbündete auf dem Weg in eine gute Zukunft. Jene, die es nicht sind, gilt es zu überzeugen, denn Frauen haben nicht erst seit hundert Jahren eine Stimme.

Übrigens: Die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

Johanna auf Twitter: @johannaecker_

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