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Fünf Gründe, warum die Houston Rockets NBA-Champion werden

Können die Houston Rockets am Ende der NBA-Saison nach dem Titel greifen?

Fünf Gründe, warum die Houston Rockets NBA-Champion werden 9. März 20184 Comments

stv. Ressortleiter Sport

Mit einer Bilanz von 51 Siegen und 13 Niederlagen stehen die Houston Rockets momentan an der Spitze der besten Basketballliga der Welt. Mit einer eindrucksvollen Serie von 17 gewonnenen Spielen in Folge überholten sie mit den Golden State Warriors ihren Dauerrivalen und direkten Konkurrenten um den Einzug in die NBA-Finals.

Die Chancen, dass James Harden, Chris Paul und Co. am Ende gar die begehrte Trophäe in den Händen halten und zum dritten Mal in der Geschichte der Franchise einen Titel nach Houston holen können, stehen nicht schlecht — diese fünf Gründe sprechen dafür:

1. James Harden

Mit ihrem absoluten Leader James Harden haben die Houston Rockets den wohl heißesten Anwärter auf den diesjährigen MVP-Award in ihren Reihen. Mit einem Punkteschnitt von 30,9 Punkten pro Spiel ist er momentan der Spitzenreiter der Liga und von so gut wie keinem Verteidiger zu stoppen.

Für seine Scoring-Qualitäten ist der 28-jährige, der sich seinen Bart zum Markenzeichen gemacht hat, schon lange bekannt. Doch die Leichtigkeit, mit der Harden dieses Jahr seine Gegner zur Verzweiflung bringt, ist beeindruckend und stellt nochmals eine Steigerung in seiner bisherigen Karriere da. Im Spiel gegen die Orlando Magics schaffte er es als erster Spieler der NBA-Geschichte 60 Punkte und gleichzeitig ein Triple Double aufzulegen. Und kein Spieler traf bisher öfter von außerhalb der Dreipunktelinie (226) als James Harden.

Dementsprechend selbstbewusst schätzt “The Beard” die Titelchancen seiner Rockets ein. Im einen Interview mit ESPN sagte er offen, dass er sich sicher sei, dieses Jahr die Championship zu gewinnen. Die Offensiv-Power seines Teams spricht dafür. Mit durchschnittlich 114 Punkten pro Spiel liegen die Rockets nur knapp hinter den Warriors. Grund dafür ist nicht zuletzt James Harden, der nicht nur der gefährlichste Scorer im Team ist, sondern mit seiner offensiven Stärke auch immer wieder die gesamte Verteidigung auf sich zieht und somit Lücken für seine Teamkollegen kreiert.

2. Schlüsselposition Point Guard

Die Point-Guard-Position war für die Rockets lange Zeit ein leidiges Thema. Die von General Manager Daryl Morey ausgerufene Suche nach einem echten Star auf der Position des Spielmachers blieb lange Zeit erfolglos. Mit Patrick Beverley spielte sich ein solider Verteidiger in die Startformation, dem das Vertrauen geschenkt wurde und der sich zu einem wichtigen Teil der Mannschaft etablieren konnte. Das gewünschte All-Star-Potenzial brachte er allerdings nicht mit, wodurch im Sommer schließlich der richtungsweisende Trade mit den L.A. Clippers entstand.

Mit Chris Paul gelang den Verantwortlichen in Texas ein echter Coup. Die Freude über den neuen Star-Point-Guard war dementsprechend groß. Doch mit dem Trade stellte sich auch die Frage, welche Rolle James Harden einnehmen wird. Coach Mike D’Antoni zeigte sich in dieser Sache experimentierfreudig. Noch kurz zuvor hatte er mit Harden auf der Spielmacherposition agiert, dieser revanchierte sich mit einer Punkte-Explosion. Das Spiel der Rockets lebte somit noch mehr von Isolation Plays.


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Doch nun hatte man Chris Paul im Team und mit ihm die Möglichkeit, das Spiel facettenreicher zu gestalten. Er ist der Dreh- und Angelpunkt im Aufbauspiel, kann mit seiner Spielintelligenz koordinieren und organisieren und im richtigen Moment selbst das Zepter in die Hand nehmen. Mit Paul haben die Rockets endlich ein echtes Gehirn erhalten, das die Spielsituation jederzeit perfekt einschätzen und lesen kann. Dieser Part hatte in der Spielorganisation zuvor gefehlt. Zu oft verstrickte man sich in kopflose Angriffe und gezwungene Einzelaktionen, die dem Team den Rhythmus kosteten.

Nun, mit Paul im Spielaufbau, hat das Angriffsspiel der Rockets einen echten Charakter bekommen und bietet James Harden einen größeren Spielraum, seine Fähigkeiten zu entfalten, da er nicht mehr mit der Aufgabe des Spielmachers alleine gelassen ist. Zudem schafft das Duo Paul-Harden für Headcoach Mike D’Antoni wesentlich mehr Flexibilität und öffnet eine Vielzahl an taktischen Möglichkeiten. Die beiden Guards sind somit nicht wegzudenken aus dem Kader und werden im Titelrennen eine entscheidende Rolle spielen.

3. Defense

Um einen Titel zu gewinnen, braucht es bekanntlich zweierlei: Offense und Defense. Offensiv sind die Rockets zweifellos eines der besten Teams der Liga, das spiegeln nicht zuletzt die Zahlen wider. Doch die Verteidigung war lange Zeit eine große Schwäche in Houston. Mit Patrick Beverley verlor man letzten Sommer zudem eine wichtige Stütze im defensiven Spiel. Doch die Teamchemie und damit auch die Einstellung zur Verteidigungsarbeit unterzog sich seitdem einer Wandlung.

Mit 109,2 zugelassenen Punkten pro Spiel waren die Rockets in letztem Jahr im unteren Mittelfeld der Liga (Platz 26). In der aktuellen Spielzeit werden nicht nur mehr Körbe erzielt, sondern auch wesentlich weniger zugelassen. 105,2 gegnerische Punkte pro Spiel und Platz 12 im Ligavergleich, eine deutliche Steigerung. Grund dafür ist auch, dass es Coach D’Antoni geschafft hat, aus seiner Mannschaft eine Einheit zu bilden, in der sich die Spieler gegenseitig vertrauen, füreinander arbeiten und sich helfen.

Zwar zählt die Defense der Rockets noch immer nicht zu den besten der Liga, doch allein diese Steigerung im Vergleich zu letztem Jahr zeigt, was für ein Potenzial in der Mannschaft steckt. Wenn Harden und Co. wirklich um die Meisterschaft mitspielen wollen, müssen sie in der Verteidigung allerdings noch einen Zahn zulegen.

4. Kaderqualität

Das Potenzial von James Harden als Go-to-Guy wurde schnell deutlich, als er vor sechs Jahren Oklahoma City verließ, um bei den Houston Rockets seine Rolle als Leader einzunehmen. Der Rest des Kaders war seitdem weitestgehend von Inkonstanz und Umbruch geprägt. Spieler wie Ty Lawson oder Dwight Howard, die nach Texas gelockt wurden, um den Kern der Mannschaft zu verstärken und Harden zu entlasten, fanden nicht in ihre Rollen und wurden schnell wieder entlassen.

Nachdem man sich unter Coach Kevin McHale im Jahr 2013 endlich wieder für die Playoffs qualifizieren konnte, blieb der gewünschte Erfolg allerdings aus. Das Erreichen der Conference Finals im Jahr 2015 war ein Höhepunkt, der nicht lange anhalten sollte. Erst nach der Übernahme von Coach Mike D’Antoni sollte wieder ein frischer Wind in der Wüste von Texas wehen.

2016 wurden Eric Gordon und Ryan Anderson geholt. Clint Capela wurde in dieser Zeit zu einem unverzichtbaren Teil der Mannschaft und ist mittlerweile der wichtigste Mann unter dem Korb. 2017 bzw. 2018 kam dann mit P.J. Tucker, Luc Mbah a Moute, Gerald Green und Joe Johnson ein guter Mix aus erfahrenen Rollenspielern, die ihre Fähigkeiten gezielt einzusetzen wissen und die — jeder für sich — den Unterschied ausmachen können.

Vor allem Johnson, der mit einem Alter von 36 Jahren jede Menge Erfahrung aufweisen kann, war für die Rockets eine logische Verpflichtung. In den Jahren 2002-05 spielte er bereits in Phoenix unter D’Antoni, die beiden kennen und mögen sich. Mit seinem starken Distanzwurf passt er zudem perfekt zum schnellen Spiel der Rockets. Selbst wenn D’Antoni eine größere Formation auf das Parkett schickt, bleibt sein Team immer noch gefährlich von außen. Mit dieser Rollenverteilung könnte sich Johnson an der Seite von Trevor Ariza einfinden, der neben seiner starken Verteidigungsarbeit das Spiel in die Breite zieht und hinter der Dreierlinie auf offene Würfe lauert.

Die Rockets haben es also mit einer cleveren Personalplanung geschafft, in kürzester Zeit ein hochgradig talentiertes Team zusammenzustellen, das in dieser Besetzung ganz oben mitspielen kann.

5. Direkter Vergleich

Dass Houston somit auch zu den Favoriten im Titelrennen zählt, dürfte klar sein. Was sie nun aber von dem anderen großen Team, den Golden State Warriors, unterscheidet, ist nicht ganz gewiss. Qualitativ sind beide Teams sicherlich momentan auf Augenhöhe. Dafür sprechen nicht nur die tief besetzten Kader, sondern auch die Statistiken. In fast allen Bereichen liegen die beiden Mannschaften aus dem Westen ganz nah beieinander.


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Was die Rockets jedoch klar von den Warriors separiert, ist der momentane Höhenflug. Mit 17 Siegen in Folge ist das Momentum klar auf Seiten der Rockets. Die Zeichen, dieses Jahr etwas Besonderes schaffen zu können, stehen gut in Houston. Das wissen nicht nur die Fans, sonder auch die Spieler, Trainer und Verantwortlichen, was zu einer Extra-Portion Motivation führen dürfte.

Aus drei Spielen gegen die Warriors konnten diese Saison zwei gewonnen werden. Es wurde deutlich, dass man mit dem besten Team der vergangenen drei Jahre nicht nur mithalten kann, sondern auch in der Lage ist, dieses zu besiegen.

In der Bay Area ist es hingegen stiller geworden. Mit der bisherigen Saisonausbeute von 51 Siegen und 14 Niederlagen kann man zwar zufrieden sein, auf einer Welle der Euphorie reitet man in San Francisco zurzeit aber nicht — im Gegensatz zu der Begeisterung, die in Houston herrscht. Die Warriors, die ohne Zweifel noch immer einen fantastischen Basketball spielen, laufen im direkten Vergleich mit den Rockets Gefahr zu stagnieren, denn momentan ist man in Houston einfach frischer, frecher und angriffslustiger unterwegs. Ob das am Ende reicht, um die Warriors auszuschalten und die Finals für sich zu entscheiden, bleibt abzuwarten. Die Zeichen stehen jedoch sehr gut — so gut, wie nie.

Stand aller angegebenen Statistiken: 9. März 2018

Leonard auf Twitter: @leo_laurig

[Foto:Erik Drost/Flickr/CC BY 2.0]

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