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Golden State Warriors: Vom Gejagten zum Jäger?

Nach schwachen Leistungen im März werden erste Zweifel an den Golden State Warriors laut. Wie gut sind sie für die Playoffs aufgestellt?

Golden State Warriors: Vom Gejagten zum Jäger? 6. April 2018Leave a comment

Redakteur

Nur eine Niederlage in den letztjährigen Playoffs, wichtige Vertragsverlängerungen mit Führungsspielern, eine deutlich tiefere Bank. Die Vorzeichen für die Titelverteidigung der Golden State Warriors hätten nicht besser sein können. Die starken Leistungen der Konkurrenz und vor allem die erneute Verletzung von Superstar Stephen Curry werfen jedoch Fragen auf.

Welche Gründe haben die schwachen Leistungen?

Bereits vor der Saison lag für Headcoach Steve Kerr die größte Herausforderung darin, dass die Selbstzufriedenheit nicht überhandnimmt. Nach drei Finals-Teilnahmen in Serie wirken gerade die Führungsspieler müde und verletzungsanfällig. Immer wieder wurden Stephen Curry, Kevin Durant und Draymond Green geschont.

Kontrovers diskutiert wurde außerdem das Spiel gegen die Phoenix Suns, bei dem Kerr seine Trainertätigkeit den Spielern überließ. Ein Anzeichen für Selbstzufriedenheit beim Coach?

Man muss ganz klar festhalten, dass die Männer aus der Bay Area — bisher — unter ihren Möglichkeiten spielen. Gerade mit den Leistungen im März kann niemand zufrieden sein. Nur sieben Siege in 14 Spielen sind eindeutig zu wenig. Von einer dominanten Playoff-Form ist das Team noch weit entfernt.

Das wohl größte Problem der Mannschaft in Blau und Gelb sind vor allem Verletzungen. Neben der Innenbanddehnung von Curry waren auch Durant (Rippen) und Klay Thompson (Daumen) für mehrere Wochen außer Gefecht. Ohne die drei All-Stars fehlen dem Team die gefährlichsten Scorer und Ballhandler.

Momentan werden die Startaufstellungen immer wieder neu durchgewürfelt und das Team muss zum Playoff-Start eventuell auf seine größte Waffe verzichten — den Wurf von jenseits der 7,24 Meter. Mit Nick Young und Shaun Livingston als Back-up-Guards mangelt es im Vergleich zur Konkurrenz deutlich an Qualität, beide besitzen keinen zuverlässigen Wurf.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Curry?

Ganz klar, ohne Curry steht der beste Offensiv-Akteur zumindest in der ersten Playoff-Runde nicht zur Verfügung. Im Verlauf der Regular Season konnten die Warriors ohne den 30-jährigen Spielmacher eine äußerst magere Bilanz von 16 Siegen und 12 Niederlagen vorweisen. Ohne Curry leidet vor allem die Ballbewegung, die Warriors verzeichnen weniger Assists und die Wurfauswahl verschlechtert sich deutlich.

In Zahlen ausgedrückt: Mit Curry auf dem Feld nehmen die Warriors nur 28,9 % ihrer Wurfversuche aus der Mitteldistanz (Rang 2), ohne ihn sind es hingegen 42,9 % (Rang 27). Mit Quinn Cook steht zwar ein Ersatz bereit, der jenseits der Dreipunktelinie gefährlich werden kann (42,9 % Dreier-Quote), aber nur 2,9-mal pro Spiel von Downtown abdrückt (Curry 9,8-mal). Veteran Shaun Livingston wird wie in den Playoffs 2016 mehr Spielzeit bekommen, mit einer Karriere-Dreier-Quote von lediglich 18.6 % wird er allerdings andere Aufgaben als das reine Scoring übernehmen.

Für Headcoach Kerr stellt sich also die schwierige Aufgabe, die richtige Aufstellung zu finden. Möglich wäre eine Fünf ohne traditionellen Point Guard, bei der Durant, Green und Andre Iguadala den Spielaufbau übernehmen. Wichtig wird außerdem, stets einen Scorer auf dem Feld zu haben.

Sind die Warriors noch Titelfavorit?

Nimmt man den Heimvorteil in der ersten Runde hinzu, sollten sie diese Serie unbeschadet überstehen. Je nachdem, wie schnell und wie belastbar Curry wieder auf dem Parkett steht, könnte sich aber schon in der zweiten Playoff-Runde ein wahrer Krimi entwickeln.

Der Weg in die NBA-Finals könnte für die Warriors in dieser Spielzeit härter werden denn je. Die vor Saisonbeginn hochgelobte und deutlich verstärkte Bank liefert den vier All-Stars kaum Unterstützung. Dem Team fehlen konstante Schützen von außen, denn ohne Curry, Thompson und Durant hätte Golden State eine Dreier-Quote von 22,6 % und würde damit weit abgeschlagen den letzten Platz in der gesamten NBA belegen.


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Ganz anders hingegen die Houston Rockets, die momentan den ersten Platz in der Western Conference belegen. Gleich sechs Spieler legen 11,6 Punkte oder mehr auf, sie spielen eine extrem dominante Saison (64 Siege, 15 Niederlagen), und das Guard-Duo aus James Harden und Chris Paul hat sich als äußerst schlagkräftig erwiesen.

Oftmals wirkt der Angriff aber noch zu berechenbar und auf Einzelaktionen ausgerichtet. Mit Durant und Green, die zwischenzeitlich immer wieder als “Defensive Player of the Year”-Kandidaten gehandelt wurden, sollte Golden State gerade in der Verteidigung leichte Vorteile verbuchen und als leichter Favorit in eine mögliche Playoff-Serie gehen.

Unterm Stricht steht insgesamt ein mittelgroßes Fragezeichen hinter den Warriors. Mit einem gesunden Curry muss man sie wohl als absoluten Titelfavoriten sehen, ohne ihn sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung aber enorm. Die Last einer ganzen Franchise ruht somit auf seinem lädierten linken Knie.

Stand aller angegebenen Statistiken: 6. April 2018

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[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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