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Zwischen Jugendidol und Overacting: Die Karriere von Jennifer Lawrence

Bei der Frage, ob Jennifer Lawrence eine der besten Schauspielerinnen ist, spalten sich die Geister

Zwischen Jugendidol und Overacting: Die Karriere von Jennifer Lawrence 9. April 2018Leave a comment

Redakteur

Was haben Emma Stone und Jennifer Lawrence gemeinsam? Richtig: Beide Schauspielerinnen haben bis dato einen Oscar gewonnen — jeweils in der Kategorie “Beste Hauptdarstellerin”. Stone gewann die Statue für ihre starke Performance im Musical La La Land, Lawrence in ihrem Mitwirken an der Seite von Bradley Cooper in der Tragikomödie Silver Linings. Dass der Sieg für Emma Stone hochverdient war, steht außer Frage. Doch bei Jennifer Lawrence fragen sich viele Filmfans und KritikerInnen, warum gerade sie diesen Oscar gewonnen hat.


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Die 27-jährige Schauspielerin ist das, was man eine Spätberufene nennen kann. Erst im Alter von 18 Jahren ergatterte die US-Amerikanerin 2008 in dem Drama Auf brennender Erde ihre erste Spielfilmrolle. Für ihre Leistung wurde Lawrence bei den Filmfestspielen von Venedig in der Kategorie “Beste schauspielerische Nachwuchsleistung” ausgezeichnet. Sehr beachtlich, denn sie hat keine Schauspielausbildung und mit 14 Jahren die Schule geschmissen.

Mittlerweile ist Jennifer Lawrence eine der bestbezahltesten Schauspielerinnen der Gegenwart und sorgt dafür, dass Filminteressierte die Kinosäle hauptsächlich wegen ihr besuchen. Wie ist das möglich, wenn sie von sehr vielen Menschen als überbewertet und bloß solide angesehen wird? Wir von kultort.at haben uns gefragt, wie dieses Phänomen passieren konnte und haben uns mit der Karriere der noch jungen Schauspielerin beschäftigt.

Das Jugendidol

2010 war jenes Jahr, in dem ihre Karriere so richtig an Fahrt aufgenommen hatte. Nach ihrem Durchbruch im kleineren Film Winter’s Bone folgte die erste Rolle in einem Blockbuster. Sie verkörperte in X-Men: Erste Entscheidung eine Mutantin namens Raven alias Mystique und wurde so einem breiten Publikum bekannt. Bereits in diesem Film ist zu erkennen, dass Lawrence durchaus mit Talent gesegnet ist, denn ihre Leistung war ordentlich.

Im Leben eines Schauspielers und einer Schauspielerin gibt es oft Figuren, mit denen sie immer in Verbindung gebracht werden. Ein Image, welches man schwer loswird. Peter Falk wird immer Columbo sein, Emma Watson Hermine Granger aus der Harry Potter-Reihe und Elijah Wood der Hobbit Frodo aus der Der Herr der Ringe-Trilogie. Im Falle von Jennifer Lawrence ist es definitiv ihre Rolle der Katniss Everdeen aus der Jugendbuch-Verfilmung Die Tribute von Panem. Eine starke, junge Frauenfigur, mit der sich viele Teenager identifizieren können.

Die Handlung spielt in einer dystopischen Welt. Es geht um Macht, Unterdrückung und um eine kleine Gruppe, die den Aufstand plant — eine perfekte Mischung, insbesondere für Jugendliche und Fans der Bücher. Die Kinosäle wurden gestürmt und Jennifer Lawrence wurde über Nacht zu einem Jugendidol. Vor allem weibliche Teenager blickten zu ihr auf, sie entwickelte sich für viele zur Lieblingsschauspielerin und ihrem großen Vorbild. Der große Hype, der dadurch entstanden ist, kann für eine junge Schauspielerin nicht immer positiv sein.

Der Oscar-Gewinn

“And the Oscars goes to…. Jennifer Lawrence.” Es klingt wie ein Widerspruch, garniert mit einem schlechten Aprilscherz. Wie hat es eine Schauspielerin, die eigentlich als überbewertet gilt, geschafft, eine goldene Statue zu gewinnen? Vor allem, weil die Tragikomödie Silver Linings des Regisseurs David O. Russel ein guter, aber kein herausragender Film ist.


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An der Seite des hervorragend aufspielenden Bradley Cooper spielte sie eine emotional instabile Figur namens Tiffany. Nach dem Tod ihres Mannes verliert sie ihren Job und stürzt sich in eine Affäre nach der anderen. Eines Tages trifft Tiffany auf den Charakter von Cooper und hilft ihm dabei, seine große Liebe zu finden. Dass die Inszenierung ab diesem Zeitpunkt vorhersehbar wird, versteht sich von selbst.

Die Leistung von Jennifer Lawrence kann als solide eingestuft werden. Sie versuchte ihre Gefühle glaubhaft rüberzubringen, dennoch kann in dieser Performance etwas Auffälliges beobachtet werden. Bei ihr hat man immer das Gefühl, dass sie zu Overacting neigt — das nicht realistische und wenig überzeugende Zeigen von Emotionen. Der Oscar-Gewinn geht trotzdem in Ordnung, vermutlich war die Konkurrenz (unter anderem waren Jessica Chastain und Naomi Watts nominiert) noch schwächer.

Die Verwandlung

Der Gewinn einer goldenen Statue bei der prestigeträchtigsten Preisverleihung der Welt bringt in den meisten Fällen einen Stein ins Rollen. Lawrence gelangt mehr in den Fokus der Medien, Fans und Filmschaffenden. Diese präsentieren Angebote am laufenden Band und auch die Gage erhöht sich stetig. Doch ein besonders Merkmal wird ihr immer bleiben: Die Tatsache, dass sie von vielen überbewertet wird.

Ein gutes Beispiel dafür ist Passengers, ein Sci-Fi-Film des Norwegers Morten Tyldum, in dem sie eine Journalistin spielte. Auf einem 120 Jahre andauernden Weg zu einem neuen Planeten wacht sie unerwartet aus dem Kälteschlaf auf und trifft auf den Charakter von Chris Pratt, in den sie sich dann verliebt. Über weite Strecken machte sie ihre Leistung sehr ordentlich und versuchte, gefühlvoll zu spielen. Doch im letzten Drittel kippt diese Atmosphäre und Jennifer Lawrence betrieb ihr bekanntes Overacting. Sie schreit sehr lautstark durch das Raumschiff und legt die falschen Mimiken an den Tag.

Dennoch sollten wir fair mit ihr umgehen, denn Lawrence hat bewiesen, dass sie sehr wandlungsfähig ist und viele verschiedene Rollen spielen kann. Sei es die reale Figur Joy Mangano in der Filmbiografie Joy – Alles ist möglich oder als Spionin im Agenten-Thriller Red Sparrow, wo sie Mut zur Nacktheit beweist und harte Folterszenen über sich ergehen lässt. Aus meiner Sicht ist das ihre beste Leistung und nach und nach kann ich mich mit ihr als Schauspielerin anfreunden.

Die goldene Himbeere

Der Golden Raspberry Award, auch bekannt unter den Namen Razzie Award, Anti-Oscar oder Die goldene Himbeere: Einen Tag vor der Oscar-Verleihung werden in teils absurden Kategorien wie etwa “Das schlechteste Leinwandpaar” die misslungensten Filme “prämiert”.

Was hat das Ganze mit Jennifer Lawrence zu tun? Ganz einfach, sie wurde für ihre Rolle in Mother! von Darren Aranofsky für die Goldene Himbeere nominiert. Besser kann man diesen Artikel nicht beenden. Denn ihre Leistung in diesem verrückten Film kann so beschrieben werden: Bemüht und ordentlich, doch immer mit einer Portion Overacting.

Thomas auf Twitter: @plapperblog

[Foto: NASA HQ PHOTO/Flickr/CC BY-NC-ND 2.0]

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