Gesellschaft

Selbstzweifel durch Social Media — die Zivilisationskrankheit der heutigen Zeit?

Der Drang nach Follower und “Gefällt mir” steigt, während das Selbstbewusstsein immer weiter sinkt

Selbstzweifel durch Social Media — die Zivilisationskrankheit der heutigen Zeit? 11. April 20181 Comment

Redakteurin

Online-Plattformen wie Instagram, Facebook und YouTube sind heutzutage nicht mehr wegzudenken — wie denn auch? Die meisten Jugendlichen können keinen Tag mehr “normal” leben, ohne dabei regelmäßig ihre Social-Media-Apps zu öffnen. Es liegt also auf der Hand, dass Soziale Netzwerke süchtig machen und somit auch das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl stark beeinflussen. Die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, ist viel zu groß.

Doch genau diese Angst löst auch negative Emotionen aus. Viele junge Menschen bekommen das Gefühl, dass sie ein langweiliges Leben führen, während alle anderen auf Partys oder spannenden Reisen sind. Doch die meisten präsentieren sich im Internet fast ausnahmslos von ihrer besten Seite und posten nur die Fotos, auf denen sie sich selber schön … ja, sogar makellos finden.

Daran ist eigentlich nichts Verwerfliches. Wer würde schon freiwillig ein vermeintlich hässliches Foto von sich ins Netz stellen? Doch die stark bearbeiteten Bilder schaden dem Selbstbewusstsein vieler Jugendlicher. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die verstärkte Nutzung von Social Media die mentale Gesundheit vieler NutzerInnen beeinflusst. Immer mehr Jugendliche leiden unter Depressionen, Angststörungen und Panikattacken.

Durch die stetig wachsenden, negativen Gefühle, die viele Mädchen und Jungen erleben, verändert sich auch das Schlafverhalten. Wenig oder schlechter Schlaf führt schließlich dazu, dass das Gehirn nicht richtig funktioniert. Durch Schlafmangel sind junge Menschen schlechter gelaunt, unmotiviert und fühlen sich unwohl. Die Handynutzung direkt vor dem Schlafen ist kontraproduktiv — es gibt keinen Abstand zur virtuellen Welt.


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Soziale Medien vermitteln vielen jungen Erwachsenen das Gefühl, sie wären nicht genug. Eine unrealistische Lebenserwartung entsteht. Die Ansprüche, ein perfektes Leben zu führen, immer die neuesten Kleidungsstücke zu besitzen oder den aktuellsten Trends hinterher zu rennen, nehmen überhand. Können diese Erwartungen nicht erfüllt werden, sinkt der Selbstwert — und die Angst wächst.

Braucht es in Zukunft mehr Schönheitsoperationen?

Insbesondere das Selbstbewusstsein von Mädchen leidet unter häufiger Verwendung von Social Media. Rund 70 Prozent junger Frauen zwischen 18 und 24 Jahren können sich vorstellen, eine Schönheitsoperation zu machen, nur um sich auf Bildern attraktiver zu fühlen. Durch den ständigen Vergleich mit anderen Personen, fällt es vielen jungen Menschen schwer, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie sind.

Die Scheinwelt und die reale Welt sind für viele Jugendliche kaum mehr zu unterscheiden — durch das Dauer-Online-Sein verschwimmen die Grenzen hier immer weiter. Ob junge Menschen mit sich zufrieden oder unzufrieden sind, ist von der Anzahl an Follower und Likes abhängig. Bestätigung oder Anerkennung zu bekommen ist den Menschen immer schon wichtig gewesen — warum sollte es also jetzt ein Problem darstellen?

Das liegt daran, dass viele junge Menschen das positive Feedback ausschließlich über ihre Social-Media-Kanäle bekommen und kaum über persönlichen Kontakt. Im Fokus steht hauptsächlich das äußere Erscheinungsbild von Jugendlichen und nicht der Charakter. Außerdem wird auf die Meinung des direkten Umfelds gleich viel Wert gelegt, wie auf die von fremden Personen. Wer braucht schon Lob in der Schule, wenn er viele “Gefällt mir” auf Instagram bekommen kann?


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Soziale Medien geben Menschen die Chance, ständig in Verbindung zu bleiben und jederzeit erreichbar zu sein. Ständige Erreichbarkeit kann in Notfällen oder unvorhersehbaren Situationen sehr behilflich sein. Aber es bietet eben auch eine große Angriffsfläche. Beleidigungen und negative Kommentare können anonym ohne großen Aufwand versendet werden. Mobbing im Internet kann zu Einsamkeit, Schlafproblemen, Depression und Angst führen.

Die Organisation Bündnis gegen Cybermobbing hat eine große Studie mit 1.586 SchülerInnen zwischen zehn und 21 Jahren durchgeführt. Mehr als 13 Prozent der jungen Menschen haben bereits Mobbing im Internet am eigenen Leib erfahren. Einige der Cybermobbing-Opfer leiden permanent unter der Belastung und jedes fünfte der betroffenen Kinder spielte bereits mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen.

Durch die verstärkte Verwendung von Sozialen Medien werden immer mehr junge Menschen online beleidigt, erniedrigt oder sogar bedroht. Wie man der Statistik entnehmen kann, werden Nachrichtendienste wie WhatsApp am meisten bei Cyberattacken verwendet. Die Täter versenden Nachrichten ebenso über Soziale Netzwerke oder Chatrooms. Seit 2013 sind diese Zahlen angestiegen, was auf die verstärkte Verwendung von Online-Plattformen zurückzuführen ist.

Nicht alles hat negative Auswirkungen auf den Selbstwert

Die Generation Y kann sehr gut mit viel Information gleichzeitig umgehen. NutzerInnen können gegenseitig voneinander lernen und sich auch unterstützen. Vielen hilft es, zu wissen, dass auch andere Selbstzweifel haben und sie nicht alleine sind. Über Soziale Medien können sich Gleichgesinnte finden, die ähnliche Probleme haben und sich darüber austauschen. Manchen fällt es schwer, sich der Familie oder engen Freunden zu öffnen. Durch Social Media ist es einfacher mit jemandem in Kontakt zu treten, und sich gegenseitig anonym Probleme anzuvertrauen.

Mittlerweile gibt es schon mehrere Kampagnen, die dazu auffordern, dass geistige Gesundheit an erster Stelle stehen soll und ein gesunder Umgang mit Sozialen Medien erlernt werden muss. Das Young Health Movement hat sich zum Beispiel mit ihrem #StatusOfMind das Ziel gesetzt, die positiven Aspekte von Online-Plattformen für das mentale Wohlbefinden zu fördern.

Letztendlich ist es uns allen selbst überlassen, wie lange wir uns in Sozialen Medien aufhalten — oder ob wir unsere Zeit lieber in andere Dinge investieren.

Katharina auf Twitter: @ina_stelzinger

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