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Red Bull Salzburg: Fluch oder Segen für die Österreichische Bundesliga?

13 Jahre nach der Übernahme ist Red Bull Salzburg der Champions League näher denn je

Red Bull Salzburg: Fluch oder Segen für die Österreichische Bundesliga? 25. April 20181 Comment

Ressortleiter Sport

Zum ersten Mal seit Rapids Endspielteilnahme 1996 bestreitet am Donnerstag eine österreichische Mannschaft ein internationales Halbfinalspiel. Wenn ein rot-weiß-roter Vertreter so weit fortgeschritten in der Europa League auf eine der erfolgreichsten französischen Mannschaften trifft, ist er als ganz krasser Außenseiter einzustufen.

Möchte man zumindest meinen, denn Red Bull Salzburg darf sich durchaus realistische Hoffnungen auf den Finaleinzug machen. Die Bullen sind allerdings nicht die typische österreichische Mannschaft. Zu gegebenem Anlass werfen wir deshalb einen Blick auf Dietrich Mateschitz’ Projekt in Salzburg und dessen Auswirkungen auf den heimischen Fußball.

Red Bull Salzburg und der Champions-League-Fluch

2005 stieg der Konzern in seiner Heimatstadt erstmals ins Fußballgeschäft ein. Bald übernahm man das Zepter in der Bundesliga und gab es nur zwischenzeitlich wieder ab. International ging aber dennoch wenig. Ob der Stolperstein groß wie Fenerbahce Istanbul oder noch größer wie der FC Düdelingen war — das Ziel, in die Champions-League-Gruppenphase einzuziehen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Mateschitz wurde ungeduldig.

Projekte in anderen Teilen der Welt ließen gleichzeitig vermuten, dass Salzburg nur als Versuchskaninchen herhalten musste, um in weiterer Folge größere Fußballmärkte als den österreichischen zu erobern. Spätestens mit der Gründung von RB Leipzig hatten die Red-Bull-Kritiker ihre Bestätigung. Tatsächlich war die hierarchische Ordnung der beiden deutschsprachigen Red-Bull-“Filialen” ein offenes Geheimnis. Der österreichische Serienmeister wurde zum Ausbildungsverein der jüngeren deutschen Schwester.

Salzburg überbietet Leipzig

Die erste Red-Bull-Teilnahme an der Königsklasse sollte in dieser Saison ebenfalls den Deutschen gelingen. In derselben Spielzeit sind es nun aber die Mozartstädter, die den bisher größten internationalen Erfolg für den Konzern einfahren. Wenn es gelingen würde, Leipzig-Bezwinger Olympique Marseille auszuschalten, wäre das ein starkes Statement in Richtung der Sachsener.

Die Champions-League-Teilnahme könnte man paradoxerweise durch den Umweg Europa League sogar doppelt sichern, sollte man tatsächlich den Titel gewinnen. Durch die überragenden Leistungen des österreichischen Meisters in den vergangenen Europa-League-Saisonen hat Österreich spätestens übernächste Saison den Fixplatz aber ohnehin in der Tasche, wenn der Champions-League-Triumphator sein Ticket auch über den Meisterschaftsweg löst.

Diese neuen Perspektiven könnten den Salzburgern durchaus in die Karten spielen. Die Teilnahme an der Champions League und die damit verbundenen Einnahmen scheinen über den österreichischen Weg einfacher zu sein, denn je. Der Markt Salzburg gewinnt wieder zunehmend an Relevanz.


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Red Bull gegen den Rest

Während das Team von Marco Rose alle Erwartungen übertrifft, spielen neun weitere Mannschaften in Österreich jährlich um den Vizemeistertitel. Sturm Graz, Rapid und die Wiener Austria wechseln sich als Verfolger ab und eines der kleineren Teams — heuer der LASK — mischt für eine Saison auch vorne mit. Selbes Bild seit Jahren. Die finanzielle Lücke zu den Bullen ist einfach zu groß, um ernsthaft konkurrenzfähig zu sein.

In der vergangenen Saison konnte in Salzburg bereits ein Umsatz von fast 108 Millionen Euro erzielt werden, mehr als Rapid, Austria und Sturm zusammen. Heuer warten weitere saftige Prämien für den europäischen Erfolg und schon die Teilnahme an der Champions League 2018/19 brächte Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich. Wie stark die Dominanz der Salzburger in der Österreichischen Bundesliga ist, zeigt auch die Tatsache, dass derzeit nur Sturm, Rapid und die Admira keine Leihspieler des Meisters in ihren Reihen haben.

Quelle: Der Standard

Seit dem Besitzerwechsel 2005 bestand im Rest des Landes die Hoffnung, dass Red Bull Salzburg die Konkurrenz mitziehen und das Gesamtniveau der Bundesliga steigern können würde. Eine Wiedererstarkung der Wiener Großklubs wurde vielerseits prophezeit. Eine vergleichsweise große Mannschaft solle zudem Zuschauer in die Stadien locken.

Eingetroffen ist Stand heute das Gegenteil: Der Abstand der Bullen zur Konkurrenz nimmt tendenziell zu und das Interesse sinkt drastisch. Neun von zehn Bundesligavereine verzeichnen teils deutliche Zuschauerrückgänge. Nur Aufsteiger LASK lockt ob der höheren Spielklasse bundesliga.at zufolge mehr Fans an, als im Vorjahr.

Große Chancen auf internationalen Fußball

Dank des starken Abschneidens der Salzburger profitieren die anderen Top-Vereine des Landes zumindest dahingehend, dass Österreich in der 5-Jahreswertung immer weiter nach oben klettert. So konnten in der Vergangenheit unter anderem die Wiener Klubs öfter europäische Luft schnappen, sammelten dadurch Prämien ein und wurden (zumindest in der Theorie) attraktivere Anlaufstellen für talentierte Fußballer.

Ab der kommenden Saison schafft es Österreich sogar zu zwei Champions-League- sowie drei Europa-League-Qualifikationsplätzen, weshalb sich derzeit Sturm und Rapid Hoffnungen auf ganz große Begegnungen in der kommenden Saison machen dürfen. Darüber hinaus winkt dem LASK und der Admira die Europa League, da der Cupsieg mit Salzburg und Sturm zwischen zwei bereits fixierten Quali-Startern ermittelt wird. Die Austria — nach miserabler Saison — und Mattersburg haben auch noch rechnerische Chancen auf internationalen Fußball, was die noch nie da gewesenen Chancen im österreichischen Fußball unterstreicht.


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Österreich bleibt ein Sprungbrett

Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Auswirkungen die Leistungen der Salzburger auf den österreichischen Fußball haben werden, wenn auch in Zukunft Erfolge wie in der heurigen Saison erzielt werden können. Die Möglichkeit für Salzburgs Verfolger international zu spielen könnte durchaus junge Talente anlocken. Dass diese länger bleiben, scheint allerdings weiterhin unwahrscheinlich. Zu groß ist der allgemeine Wunsch, sich in Europas Top-Ligen zu beweisen.

Das Image der “Sprungbrett-Liga” — also einer Meisterschaft, die junge Spieler als Möglichkeit nutzen, um sich ins Rampenlicht zu spielen — wird Österreich nicht so bald abschütteln können. Der Wunsch einer etablierten, angesehenen Liga überschreitet wohl die Kapazitäten unseres kleinen Landes.

Das Ziel einer abermals ausgeglichenen Meisterschaft scheint kurzfristig unerreichbar zu sein. Ohne Projekt à la Red Bull werden Rapid, Sturm und Co. in näherer Zukunft nicht mit der Kaufkraft der Salzburger mithalten können. Zu einem gewissen Grad schlägt Geld eben doch Tradition.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

[Foto: Screenshot via YouTube: “FC Salzburg – Lazio Rom 4:1 | Highlights Europa League 2017/18 – Viertelfinale” von Sky Sport HD]

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