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Die New Orleans Pelicans sind keine One-Man-Show

Die Pelicans laufen zur richtigen Zeit heiß — Grund dafür ist ein Trio an Rollenspielern, das Superstar Anthony Davis optimal ergänzt

Die New Orleans Pelicans sind keine One-Man-Show 27. April 2018Leave a comment

Redakteur

Nach der Verletzung von DeMarcus Cousins vor drei Monaten, erwartete kaum jemand große Dinge von den New Orleans Pelicans in der Postseason. Doch aus dem Team von Cheftrainer Alvin Gentry hat sich ohne den All-Star-Center eine Einheit gebildet, die in der zweiten Runde der NBA-Playoffs die Chance bekommt, den amtierenden Meister herauszufordern.

Nach einem überzeugenden Auftritt gegen die Portland Trail Blazers in Runde eins, in der sie jedes ihrer vier Spiele gewannen, sind die Pelikane das heißeste Team der Liga. Mit Anthony Davis im Zentrum des Geschehens haben sie einen Top-fünf-Spieler in ihren Reihen. Doch es sind auch andere Spieler, die beim Team aus New Orleans zurzeit im Fokus stehen.

Der Neuzugang

Als klar war, dass die Achillessehne von “Boogie” tatsächlich gerissen ist, hatten die Pelicans die Möglichkeit, die Saison herzuschenken, Anthony Davis zu schonen, einen möglichst hohen Draft-Pick abzugreifen und im kommenden Herbst einen neuen Anlauf zu starten. Doch General Manager Dell Demps hatte andere Vorstellungen. Nur wenige Tage nach Cousins’ Diagnose verschiffte er den diesjährigen Erstrunden-Pick, Ömer Asik, Jameer Nelson und Tony Allen nach Chicago und erhielt im Gegenzug Nikola Mirotic und einen Zweitrunden-Pick.

Der gebürtige Montenegriner hatte in den ersten Wochen einige Probleme in der neuen Situation. Doch rechtzeitig zu den Playoffs entledigte Mirotic sich seines Bartes und zeigt sich seitdem auch auf dem Feld von seiner besten Seite. In den vier Auftritten in Runde eins legte der Forward 18,3 Punkte und 9,5 Rebounds pro Partie auf. Dabei traf er höchsteffiziente 57 % seiner Würfe aus dem Feld und 46 % von hinter der Dreierlinie.

Mirotics Fähigkeit, das Spielfeld auseinanderzuziehen, gibt Davis genügend Spielraum im Low Post und die Möglichkeit, von der Dreierlinie aus zum Korb zu ziehen. Dazu übernahm er in der ersten Runde oft die Aufgabe, den gegnerischen Center zu verteidigen, wodurch Davis als Hilfsverteidiger agieren konnte und Körner für die Arbeit in der Offensive sparte. In Runde eins war es jedoch ein anderer Spieler, der in der Defensive groß auftrumpfte.

Der 126-Millionen-Mann

Nachdem die Pelicans sich im letzten Jahr dem Experiment verschrieben hatten, Davis und Cousins gemeinsam spielen zu lassen, fanden sie sich in einer Zwickmühle wieder. Denn aufgrund der großen Verträge ihrer Big Men gab es kaum Möglichkeiten, Spieler von außen zu verpflichten. Der Vertrag von Jrue Holiday hingegen konnte mithilfe der Bird-Regel verlängert werden, jedoch war fraglich, ob der von Holidays Seite geforderte Vertrag gerechtfertigt sei, für einen Spieler der seit Jahren den Erwartungen hinterherläuft und dazu noch verletzungsanfällig ist.

Holiday und New Orleans einigten sich auf einen mit 126 Millionen US-Dollar dotierten Fünfjahresvertrag. Der Guard aus UCLA hat in der regulären Saison 81 der 82 möglichen Spiele bestritten. Damit wurden die gesundheitlichen Fragen aus dem Weg geräumt. In den Playoffs legte Holidays Produktion auf dem Feld noch einmal richtig zu. Seine 27,8 Punkte pro Spiel sind für den ehemaligen 76er ungeahnte Höhen. Dennoch ist es seine Verteidigung, die den Guard in elitäre Kreise aufsteigen lässt.

150-mal verteidigte Holiday den Portland-Star Damian Lillard in den vier Spielen der ersten Runde. Dabei gelangen dem Spielmacher der Trail Blazers nur 22 Punkte bei Wurfquoten von 25,8 % aus dem Feld und 26,7 % von hinter der Dreierlinie, via NBA Stats. Außerdem beging Holiday dabei nur ein Foul, während er acht Turnover von Lillard forcierte. Gemeinsam mit Rajon Rondo an seiner Seite schaltete Holiday den hochtalentierten Backcourt der Blazers nahezu komplett aus. Womit wir zu dem letzten Teil des Trios kämen.

Das Phänomen

Die Karriere von Rajon Rondo war auf dem absteigenden Ast. Doch bereits letztes Jahr in den Playoffs zeigte der Point Guard, dass das Phänomen “Playoff Rondo” immer noch in ihm schlummert. Bereits in jungen Jahren rief er in den wichtigen Spielen seine besten Leistungen ab. Noch in der letzten Saison brachte Rondo mit den Chicago Bulls die an Nummer eins gesetzten Boston Celtics an den Rand einer Niederlage, bevor er sich die Hand brach. Sein Vertrag in Chicago wurde nicht verlängert, doch sein guter Draht zu DeMarcus Cousins sicherte ihm einen Einjahresvertrag in New Orleans.

Nach einer unaufregenden regulären Saison zeigt Rondo in den Playoffs wieder seine individuelle Klasse. Der Guard verbesserte sich in den vier Spielen gegen die Blazers in jeder relevanten Kategorie. Statt 8,3 Punkten, 8,2 Assists und 4 Rebounds legte er gegen Portland 11,3 Punkte, 13,3 Assists und 7,5 Rebounds auf. Zusätzlich stieg seine Dreierquote auf 42,9 % und seine Freiwurfquote auf 80 %.

Viel wichtiger als seine Statistiken sind jedoch Rondos Qualitäten als Anführer. Als einer der wenigen Pelikane mit erwähnenswerter Playoff-Erfahrung bestimmt er das Tempo des Spiels und sorgt immer wieder für einfache Punkte seiner Mitspieler. Qualitäten, die man sich in New Orleans in den letzten Jahren von Jrue Holiday erwartete. Dieser ist jedoch in seiner momentanen Rolle als Shooting Guard deutlich komfortabler. Der gute Mix aus Offensive und Defensive macht den Backcourt der Pelicans in den letzten Wochen so besonders.

Der Superstar der New Orleans Pelicans

Am Ende bleibt es aber Anthony Davis, der die Pelicans auf ein anderes Level hebt. Nach dem Ausfall von Cousins haben alle Spieler des Teams von Alvin Gentry einen Schritt nach vorne gemacht. Ohne diese Entwicklung gäbe es wohl auch keine zweite Runde in Louisiana. Doch Anthony Davis ist endgültig in die Höhen aufgestiegen, die Experten ihm schon im College prophezeiten.

Viele glauben, dass der Verteidiger, der Davis’ Kombination aus Kraft, Schnelligkeit und Talent in Schach halten kann, noch geboren werden muss. Vielleicht ist es aber auch Golden States Draymond Green. Dieser hat in den nächsten maximal sieben Spielen die Chance, es mit dem Power Forward aufzunehmen. Doch sollte Davis erneut derart dominieren, dann gibt es zurzeit wohl keine Antwort auf “The Brow”. Und dann haben die Pelicans die Chance, jedes Spiel zu gewinnen.

Jan auf Twitter: @JanOnOne

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC SA-BY 2.0]

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