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NBA-Playoffs 2018: Die Hoffnung auf Überraschungen lebt

Die Playoffs kommen langsam in die heiße Phase. Erwartet uns nun eine Überraschung oder bleibt am Ende alles beim Alten?

NBA-Playoffs 2018: Die Hoffnung auf Überraschungen lebt 4. Mai 2018Leave a comment

stv. Ressortleiter Sport

Die diesjährigen Playoffs in der besten Basketballliga der Welt sind bereits seit einem Monat in vollem Gange. In dieser Zeit hat sich einiges getan; es gab Überraschungen, Spannung und jede Menge Highlights. Und dennoch schleicht sich bei vielen Fans so langsam die Vermutung ein, dass am Ende doch wieder das Erwartbare eintreten wird. Das liegt vor allem an einem Team.

Sind die Golden State Warriors noch zu stoppen?

Große Sportereignisse, wie etwa Turniere, haben oftmals eines gemeinsam. Einen Faktor, der das Sportevent erst zu dem macht, was es ist und somit Millionen von Menschen begeistert: die Unberechenbarkeit. Die Tatsache, dass der Ausgang jenes Events im Vorfeld bereits festzustehen scheint, klare Favoritenrollen vergeben werden und am Ende doch alles anders kommt, als geglaubt. Dieser Überraschungsfaktor belebt den Sport, macht ihn für die Fans so aufregend und schlussendlich lässt sich mit ihm sogar das meiste Geld verdienen.

In dem bisherigen Verlauf der NBA-Playoffs war das nicht anders. Bereits in der ersten Runde gab es faustdicke Überraschungen, die kein ernstzunehmender Experte voraussehen hätte können. So bezwangen beispielsweise die New Orleans Pelicans die favorisierten Portland Trail Blazers in nur vier Spielen und zeigten, dass selbst das Unwahrscheinliche im Sport möglich ist. Aber was wäre auch der Sport, wenn eben nicht alles möglich ist?

Insofern ist es kaum überraschend, dass es eine Überraschung gab, denn so will es das Gesetz des Sports. Die Überraschung wirkt so gesehen schon fast wie ein berechenbarer Faktor, der auf jeden Fall eintreten wird. Nur dass zu Beginn noch nicht gewiss ist, wo und wann. Doch am Ende kommt ja doch alles so, wie erwartet.  Zumindest mehr oder weniger.


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In Bezug auf die NBA drängt sich also die Frage auf: Was können wir aus den ersten Spielen der Playoffs lernen? Und was erwartet uns noch? Der amtierende Champion Golden State Warriors scheint wieder einmal auf einem mühelosen Weg in die Conference Finals zu sein. Im Osten geht es wesentlich knapper zu. Dort hat Vizemeister Cleveland — nach einem holprigen Start und einem kräfteraubenden Schlagabtausch mit den Indiana Pacers — plötzlich wieder eine scheinbar gute Ausgangslage, um mit dem Überraschungsteam der regulären Saison, den Toronto Raptors, mithalten zu können.

Im Westen endlich etwas Neues?

Mit den Houston Rockets könnte auch in der Western Conference endlich mal wieder für Spannung gesorgt sein. Das Team von Mike D’Antoni spielt die beste Saison seit Jahren, schloss die reguläre Spielzeit verdient mit dem ersten Platz ab und hatte auch in der ersten Runde der Playoffs wenig Mühe, die Timberwolves aus Minnesota nach Hause zu schicken. Mit den Utah Jazz treffen James Harden und Co. nun auf ein Team, das sicherlich nicht zu unterschätzen ist. Das weiß mittlerweile auch das Starensemble aus Oklahoma City. Doch selbst nach der aktuellen Heimniederlage in Spiel 2 zweifelt kaum jemand am Weiterkommen der Rockets. Ein Ausscheiden wäre eine zu große Überraschung und würde den Rahmen der erwartbaren Unerwartbarkeit definitiv sprengen.


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Sicher ist, dass nichts sicher ist. Doch viel interessanter ist für viele sicher die Frage: Können die Rockets den Champion aus San Francisco am Finaleinzug hindern? Diese Frage könnte für die nahe Zukunft in der NBA fast schon richtungsweisend sein. Zweifellos gibt es Teams, die eine beeindruckende Entwicklung hinlegen und der Beweis dafür sind, dass es auch mit wenig Mitteln möglich ist, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenzustellen.

Die Philadelphia 76ers sind dafür wahrlich das beste Beispiel, doch auch die Utah Jazz, oder eben die so starken Raptors und Rockets machen Hoffnung auf frischen Wind. Selbst die Milwaukee Bucks zeigen trotz Aus in der ersten Runde, dass mit Talent und einer jungen Spielweise einiges zu erreichen ist.

Gerade in diesem Jahr schien die Liga sich neu zu sortieren. Muster und Mannschaften wurden aufgebrochen, zerbrochen und neu geordnet. Die Cleveland Cavaliers hatten damit sicherlich am meisten zu kämpfen. Doch nicht wenige Teams profitierten davon. Hinzu kam ein starker Rookie-Jahrgang. Spieler wie Ben Simmons (Philadelphia) oder Donovan Mitchell (Utah) zeigten ihr gesamtes Potential und verhalfen ihren Teams zu einem echten Leistungsschub, der bis in die Playoffs anhält. Eigentlich eine gute Ausgangslage, um die Liga umzukrempeln, eine neue Ära einzuläuten. Eigentlich.

Einigkeit in der Meisterschaftsfrage

Doch was würde all dies nutzen, wenn sich am Ende doch wieder das eine Team durchsetzt? Wenn die Überlegenheit einfach zu groß ist? Wenn das Erwartbare gegenüber der Überraschung erneut gewinnt? Im zweiten Spiel der zweiten Runde zwischen den Golden State Warriors und den New Orleans Pelicans feierte Stephen Curry Mitte des ersten Viertels nach fünfwöchiger Verletzungspause sein Comeback. Es war eine gewöhnliche Einwechslung, aber die Halle jubelte und applaudierte, als sei den Warriors bereits die Titelverteidigung geglückt.

Tatsächlich sind sich die meisten Experten über den Ausgang der Playoffs bereits einig. Für die Warriors wäre es der dritte Titel im vierten Jahr und die NBA müsste sich wohl über die Ausgeglichenheit der Liga Gedanken machen.


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Zwar ist eine anhaltende Überlegenheit eines Teams in der NBA nichts Neues. Die älteren NBA-Fans erinnern sich sicher gerne an die glorreichen Zeiten der Boston Celtics, Los Angeles Lakers oder Chicago Bulls. Doch irgendwie hoffen wir doch alle darauf, uns nicht sicher sein zu können, wer die Meisterschaft dieses Jahr gewinnt. Wie schön wäre es, wenn plötzlich die Unerwartbarkeit siegt, wenn die Überraschung dem Erwartbaren überlegen ist und wir uns darüber freuen können, endlich wieder überrascht worden zu sein.

Leonard auf Twitter: @leo_laurig

[Foto: Erik Drost/Flickr/CC BY 2.0]

stv. Ressortleiter Sport

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