Fußball Fußball-WM 2018 Sport

Fußball-WM: Deutschland im Portrait

Balldominater Fußball soll Deutschland die Titelverteidigung bescheren

Fußball-WM: Deutschland im Portrait 15. Mai 20181 Comment

Alle vier Jahre dreht sich in der Welt des Fußballs alles um das wichtigste Turnier: die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Vorbereitung auf Russland portraitiert kultort.at die zehn Top-Favoriten auf den Titel. Jede Woche erwarten euch zwei neue Mannschaften in der Analyse. In diesem Portrait nehmen wir den Weltmeister unter die Lupe.

Team: Deutschland

Trainer: Joachim Löw (seit 2006)

WM 2014: Weltmeister

WM-Teilnahmen: 18

WM-Titel: 4 (1954, 1974, 1990, 2014)

Schlüsselspieler: Jerome Boateng, Thomas Müller (beide Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid)

Gruppengegner: Mexiko, Schweden, Südkorea


MEHR: Alles zur Fußball-WM 2018 auf kultort.at


Stärken: Perfekter Spielaufbau.

Die meisten Wettanbieter sehen den Titelverteidiger auch heuer als größten WM-Favoriten. Blickt man auf die lupenreine Qualifikation, wird schnell klar warum: Zehn Spiele, zehn Siege, 43 Tore bei nur vier Gegentoren steht den Deutschen zu Buche. Bei einem überwiegenden Teil ihrer Darbietungen praktizieren unsere Nachbarn Fußball in Perfektion und machen es dem Gegner schwierig bis unmöglich, sich auf ihr Spiel einzustellen.

Mit dem Innenverteidigergespann des FC Bayern, bestehend aus Mats Hummels und Jerome Boateng, kann man auf ein extrem ballsicheres und spielstarkes Duo setzen, das dem Aufbau aus der eigenen Hälfte enorme Qualität und viele Möglichkeiten verleiht. Mit Toni Kroos dirigiert einer der präzisesten Passgeber der Welt das Mittelfeld, was sich an einer bewerbsübergreifenden Quote von 93,2 % angekommener Pässe (via WhoScored.com) erkennen lässt.

Durch seine Verteilerqualitäten schafft es Deutschland immer wieder, das Spiel zu verlagern und den Spielaufbau breit zu gestalten. So wird mannorientierte Verteidigung dem meist kompakt stehenden Gegner fast unmöglich gemacht, da sich durch frühes Herausrücken auf die Außenspieler viel zu große Lücken bilden würden. Deutschland zwingt gegnerische Mannschaften zu Passivität, wodurch viel Zeit für gut durchdachte Bälle in die Tiefe entsteht — eine Qualität, die Kroos, Özil und Co. beherrschen wie kaum ein anderer.

Schwächen: Spiele mit weniger Ballbesitz.

Die Deutsche Nationalmannschaft ist nicht unantastbar, wie zuletzt Frankreich, Spanien und Brasilien in Testspielen unter Beweis stellen konnten. Alle drei Teams — zugegebenermaßen weit stärker als die Qualifikationsgegner — erlaubten es den Deutschen nicht, ihr gewohntes Spiel aufzuziehen. Der ballbesitzorientierte Fußball war gegen ebenso spielstarke Mannschaften nicht in derselben Form umsetzbar, wie etwa gegen Norwegen oder die Tschechische Republik.

Bei ausgeglichenem Ballbesitzverhältnis ist Deutschland gezwungen, mehr Kraft in Angriffspressing zu investieren, was gegen ballsichere Verteidigungsreihen wie die der letzten Gegner oft aussichtslos und in voller Intensität nicht über 90 Minuten durchzuhalten ist. Durch präzise Pässe aus der Verteidigung kann die erste Pressing-Welle einfach überbrückt und die Deutschen vor Probleme in der Rückwärtsbewegung gestellt werden. Oft ergibt sich dadurch die ungewohnte Situation gegnerischen Ballbesitzes tief in der deutschen Hälfte. Bei der Eins-gegen-eins-Verteidigung gegen technisch herausragende Spieler wie Willian, Isco oder Kylian Mbappé ist der Weltmeister dann genauso in Nöten, wie jedes andere Team auf der Welt.

Im letzten Spiel 2017 gelang Deutschland gerade noch ein 2:2 in letzter Minute daheim gegen Frankreich. Einem 1:1 gegen Spanien folgte dann die erste Niederlage nach 22 ungeschlagenen Partien gegen Brasilien. Ähnliche Gegner erwarten Deutschland auch in fortgeschrittenen Phasen der Weltmeisterschaft. Die letzten Tests machen klar, dass die Titelverteidigung alles andere als einfach wird.

Player to Watch: Thomas Müller

Es ist nicht seine Schnelligkeit und auch nicht seine Technik, die ihn ausmachen. Er hat keinen herausragenden Schuss und auch Flanken und Pässe können andere gefährlicher und präziser an den Mann bringen. Trotzdem zählt Thomas Müller seit Jahren zu den effektivsten Angreifern im Weltfußball und selbst hartnäckige Kritiker müssen ihn als einen der besten Offensiv-Fußballer seiner Zeit anerkennen.

In Punkto Spielintelligenz sucht der 28-Jährige seinesgleichen. Egal wo im gegnerischen Strafraum Gefahr lauert, Müller ist zur Stelle. Hat man zu Beginn seiner Karriere noch oft von Glück gesprochen, so ist man sich mittlerweile weitgehend einig, dass der Bayer das Spiel lesen und Situationen voraussehen kann, wie kein Zweiter. Einmal in aussichtsreicher Position, macht er dann auch fast immer das Tor — egal, ob mit Fuß oder Kopf, mit Oberschenkel oder Knie. Was tollpatschig und unbeholfen aussieht, ist ungemein effizient: 15 Tore und 16 Assists erzielte Müller in dieser Saison für die Bayern.

Seine spontanen Entscheidungen sind unkonventionell, aber fast immer richtig. Ob er direkt an einem Angriff beteiligt ist oder seinen Manndecker im richtigen Moment mitzieht und so Platz für seine Mitspieler schafft — kaum ein Spieler beeinflusst ein Match so sehr wie Thomas Müller. Gut möglich, dass er nach 2010 und 2014 auch heuer Deutschlands Top-Scorer wird.

Prognose: Die Titelverteidigung ist das kompromisslose Ziel, doch der Anwärterkreis auf den Titel größer denn je. Ab dem Halbfinale entscheidet die Tagesverfassung und Deutschland scheitert am späteren Weltmeister.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

One comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.