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Vier große Fragen zu den NBA-Conference-Finals

Noch vier Teams kämpfen um den Titel, doch worauf kommt es jetzt für die Warriors, Rockets, Celtics und Cavaliers an?

Vier große Fragen zu den NBA-Conference-Finals 15. Mai 2018Leave a comment

Redakteur

Die NBA-Saison 2017/18 steuert auf ihr heiß ersehntes Finale zu. Im Westen kommt es zum viel erwarteten Showdown zwischen Titelverteidiger Golden State und dem besten Team der Regular Season, den Houston Rockets. Im Osten hingegen sägt ein stark verletzungsgeschwächtes Team aus Boston am Thron von King James und seinen Cleveland Cavaliers. Wir präsentieren euch die jeweils entscheidenden Faktoren für die vier Titelanwärter.

Boston: Wie verteidigt man LeBron James?

Zugegeben, diese Frage kommt nicht überraschend. In den vergangenen Playoffs konnten die Celtics bereits überragende Einzelkönner wie Giannis Antetokounmpo und Joel Embiid in Schach halten. Keiner von beiden verfügt jedoch über die Fähigkeit eines James, ganze Playoff-Serien herumzureisen und zu dominieren.

Gegen Milwaukee und Philadelphia konnte man beobachten, dass Center Al Horford die undankbare Aufgabe übernahm und den jeweils besten Spieler des Gegners erstaunlich gut verteidigte. Seine Playoff-Bilanz vor der aktuellen Serie gegen James ist jedoch erschreckend schwach — 15 Niederlagen und nur ein Sieg sprechen eine deutliche Sprache. Horford dürfte also froh sein, dass die Celtics über gute Flügelverteidiger verfügen.

“Totally a collective effort. You have to guard LeBron as a team. LeBron’s a special player.”
— Brad Stevens, Celtics-Headcoach

Allen voran sei hier Jaylen Brown erwähnt (2,01 m, 102 kg), der James (2,03 m, 113 kg) wohl — wie bereits in der Regular Season — am häufigsten gegenüberstehen wird. Unterm Strich ist aber auch er auf seine Mitspieler angewiesen, denn der mittlerweile 33-jährige Anführer der Cavaliers lässt sich nur im Teamverbund stoppen.

Auf Coach Stevens kommt eine taktisch anspruchsvolle Aufgabe zu. Verteidigt man James im Eins-gegen-eins, gibt es in der Liga keinen Spieler, der ihn wirklich stoppen kann. Wird James jedoch gedoppelt, öffnen sich Räume für die gefährlichen Schützen im Team. Kyle Korver (46,2 % in den Playoffs), J. R. Smith (41,0 %) und Kevin Love (38,5 %) könnten das eiskalt ausnutzen. Es wird also eine Gratwanderung für die Männer aus “Beantown”.

Dass James im ersten Spiel kaum ablieferte (15 Punkte, 5-16 Feldwürfe, 0-5 Dreier), zeigt deutlich, wie gut Boston im Team verteidigen kann. Der klare 108:83-Sieg kam aber auch aufgrund der äußerst schwachen Wurfquoten der Cavaliers zustande — nur 36 % der Zweier und unfassbar schlechte 15,4 % der Dreier fanden ihren Weg ins Netz. Dass solche Quoten nicht als Normalform zählen, dürfte jedem klar sein.

Cleveland: Welchen Kevin Love sehen wir?

Nach dem Abgang von Kyrie Irving wurde erwartet, dass Kevin Love zum Co-Superstar aufsteigt. Im Vergleich zur Vorsaison spielte er allerdings weniger Minuten, erzielte weniger Punkte und holte weniger Rebounds. Hinzu kam eine längere Pause im Februar und März, die sich nahtlos in seine lange Krankenakte einreihte.

In der ersten Playoff-Runde gegen Indiana zeigte er Licht und Schatten. Auf 19 Punkte in Spiel 3 folgte eine unterirdische Performance in der darauffolgenden Partie: 5 Punkte, 20 % aus dem Feld und kein einziger Treffer von Downtown. Beim Sweep gegen die Toronto Raptors konnte er sich zwar stabilisieren (20,5 Punkte, 11,5 Rebounds, 90 % Freiwurfquote), dabei kam ihm jedoch das Match-up mit Torontos Center Jonas Valanciunas entgegen.

Gegen die Celtics bekommt er mit Al Horford nun einen Gegenspieler, der ihm in Athletik, Inside-Outside-Spiel und Basketball-IQ sehr ähnlich ist. Für den Erfolg der Cleveland Cavaliers ist es deshalb enorm wichtig, wie gut Love sich darauf einstellen kann. Um Spiele zu entscheiden, gibt es LeBron James. Um über 48 Minuten überhaupt im Spiel zu bleiben, braucht es hingegen die Unterstützung von Kevin Love.

In Game 1 gab es im Duell zwischen Love und Horford einen deutlichen Gewinner. Immer wieder konnte der Dominikaner die schwache Defense von Love ausnutzen und den Celtics zu einer 36:18-Führung im 1. Viertel verhelfen. Im gesamten Spielverlauf traf der 29-Jährige All-Star 5 von 14 Würfen und war bei Horford (20 Punkte, 8-10 FG, 50 % Dreier, 6 Assists) und Marcus Morris größtenteils abgemeldet.

Houston: Kann Chris Paul den Fluch besiegen?

Während die Warriors Jahr für Jahr dominieren, bereitete man in Houston heimlich deren Ablösung vor. Zu Beginn dieser Saison schien es, als sei mit Chris Paul das fehlende Puzzlestück gefunden. Zusammen mit P. J. Tucker und Luc Mbah a Moute wurden bewusst Spieler verpflichtet, die in einem möglichen Aufeinandertreffen mit Golden State den Unterschied ausmachen können.


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Für Paul zählt dabei nur eines: gewinnen! Der 33-Jährige gilt als einer der besten Aufbauspieler aller Zeiten, konnte aber noch nie die NBA-Finals erreichen. Mit 65 Siegen führten die Rockets die Liga in der Regular Season an. Die Chancen auf den Titel stehen für Paul so gut wie noch nie.

“I think Chris is the obvious difference in their team now. He gives them a new dimension that they haven’t had before.”
— Steve Kerr, Warriors-Headcoach

Dass er für das große Duell mit den Warriors bereit ist, zeigte Paul bereits in den drei bisherigen Aufeinandertreffen der Regular Season. Hier erzielte er 21,7 Punkte (3,1 mehr als im Saisondurchschnitt), legte 8,7 Assists auf (+0,6) und traf 44 % seiner Dreier (+6 %). Im entscheidenden Playoff-Spiel gegen Utah setzte “CP3” mit 41 Punkten, 10 Vorlagen und einer unfassbaren Dreierquote von 80 % nochmals ein deutliches Ausrufezeichen in Richtung Bay Area. In Spiel 1 war zwar zu sehen, dass Paul (23 Punkte, 11 Rebounds) mit den vielseitigen Verteidigern der Warriors das ein oder andere Problem haben könnte, trotzdem will der 1,83 m große Magier endlich seinen Playoff-Fluch besiegen. Die Warriors dürften selbst nach ihrem Sieg im Auftaktspiel gewarnt sein.

Golden State: Tradition oder Moderne?

Dass die Golden State Warriors einen attraktiven und modernen Team-Basketball spielen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Mit den Rockets haben sie nun einen ähnlichen Gegner, der die Mischung aus Dreipunktewürfen und dem Erzwingen von Freiwürfen auf die Spitze treibt. Einziger Haken: Houston vertraut mit Clint Capela (Game 1: 12 Punkte, 6 Rebounds) auf einen “echten” Center.

Bei Warriors-Headcoach Steve Kerr dürfte diese Personalie ein Gedankenkarussell auslösen, welches den gesamten Ausgang der Serie beeinflussen kann. Sollte er einem traditionellen Center das Vertrauen schenken (JaVale McGee, Zaza Pachulia, Jordan Bell), limitiert er sein eigenes Offensiv-Spiel, da alle drei genannten auf dieser Seite des Parketts über keine nennenswerten Skills verfügen. Im erfolgreichen Game 1 setzte Kerr keinen der drei Big Men auch nur für eine Minute ein. Stattdessen vertraute der Coach auf die Bankspieler Kevon Looney (25 Minuten) und David West (4 Minuten).

So startete Draymond Green auf der Fünf. Capela muss so einen deutlich spielstärkeren Gegner verteidigen, der ihn vom Korb wegzieht. Die entstehenden Räume können problemlos von den vielen gefährlichen Scorern im Team genutzt werden. In der Regular Season gelangen den Warriors so unfassbare 127,7 Punkte auf 100 Ballbesitze gegen die Rockets, wenn der 23-jährige Schweizer auf dem Feld stand und seine Position als Ringbeschützer verlassen musste. In Spiel 1 verhalf diese Taktik dem Titelverteidiger zu einer überdurchschnittlichen Dreierquote von 39,4 %.

Im Laufe der weiteren Serie besteht jedoch die Gefahr, dass Green gegen den deutlich größeren und athletischeren Capela vor allem in der Verteidigung den Kürzeren zieht. Ob den Warriors am Ende Tradition oder Moderne auf der Fünf zum großen Erfolg verhelfen? Selbst nach ihrem 119:106-Sieg im ersten Spiel bleibt diese Frage noch offen.

Stand aller angegebenen Statistiken: 15. Mai 2018

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[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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