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‘Deadpool 2’: Der Meta-Superheld kehrt mit einem Gag-Feuerwerk zurück

Mit einer extrem hohen Dichte an Witzen schafft es ‘Deadpool’, das Publikum durchgehend in den Bann zu ziehen

‘Deadpool 2’: Der Meta-Superheld kehrt mit einem Gag-Feuerwerk zurück 21. Mai 20181 Comment

Ressortleiter Popkultur

Keine Sorge, der folgende Beitrag beinhaltet null Spoiler zu dem Spielfilm Deadpool 2.

Im Jahr 2018 klingeln die Kassen bei Marvel sehr laut. Black Panther kann bis dato das größte Einspielergebnis (über 1,3 Milliarden US-Dollar) eines Marvel-Superhelden-Solofilms vorweisen, Avengers: Infinity War ist bereits ein Monat nach Erscheinen mit über 1,6 Milliarden der lukrativste Film der Marvel-Franchise. Im Mai sorgt nun ein etwas anderer Held für den nächsten Hype: Wade Wilson alias Deadpool.


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Entgegen der oben genannten Blockbuster gehört Deadpool nicht zum Marvel Cinematic Universe (MCU), sondern beide Teile gehören zu der X-Men-Franchise. Dessen Rechte liegen “noch” bei 20th Century Fox. Der Rest, darunter das MCU, befindet sich bereits in den Händen von Disney. Nichtsdestotrotz besitzt der unkonventionelle Antiheld Deadpool mehrere Alleinstellungsmerkmale, mit denen er sich von allen anderen Superhelden absetzt. Bereits der erste Film (2015) konnte überwiegend überzeugen, doch mit Deadpool 2 kann David Leitch als Regisseur noch einen draufsetzen — und das aufgrund mehrerer Aspekte.

Ein Gag nach dem anderen

Kaum ein anderer Film konnte bereits in der Promophase durch dermaßen originelle sowie witzige Trailer und Teaser punkten. Einmal wird Bob Ross auf den Arm genommen, beim nächsten Mal spielt Deadpool den Kampf zwischen ihm und Cable mit Lego nach. Auch bei der Presseaussendung fällt die Filmbeschreibung sehr abstrus aus: So versucht der Barista Wade Wilson eine Barkeeper-Schule abzuschließen, nachdem er seinen Geschmackssinn verloren hat. Dabei muss er sich anschließend gegen Ninjas, Yakuza und sexuell aggressive Kaninchen behaupten. Hut ab vor der Marketing-Abteilung. Die Erwartungen an den eigentlichen Film waren enorm, konnten aber mit einer hohen Gag-Dichte übertroffen werden.

Eines vorweg: Nicht bei jedem werden die Gags zünden, denn oft können sie nur verstanden werden, wenn man ein popkulturelles Vorwissen aufweist. Vor allem sollte eine Affinität zum Superhelden-Genre gegeben sein, ansonsten kann sich der grandiose Humor nicht entfalten. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger enthält Deadpool 2 noch mehr Referenzen auf andere Werke: das MCU, DC, Star Wars, X-Men. Gefühlt bleibt kein Werk vor dem roten Antihelden verschont. Nicht mal er selbst.

Deadpool, der Meta-Superheld

Dass Deadpool solch eine Bandbreite an Möglichkeiten hat, einen großen Teil der Popkultur durch den Kakao zu ziehen, liegt an seinem Selbstverständnis als Superheld. Dabei durchbricht der Protagonist immer wieder die vierte Wand, indem er direkt mit dem Publikum spricht. Zum einen holt Deadpool gegen das Genre selbst aus, da er sich über das oft verwendete Schema F anderer Filme lustig macht oder bei einem Kampf das hervorragende CGI lobt. Dabei löst sich die zentrale Figur vorübergehend vom Film und tritt in eine Art Meta-Ebene auf.

Insbesondere Ryan Reynolds scheint die optimale Besetzung für den Meta-Superhelden zu sein. Nach seinem bescheidenen Auftritt als Green Lantern — bitte schaut euch die Post-Credit-Szenen bei Deadpool 2 an! — scheint der Kanadier seine Paraderolle gefunden zu haben. Die Meta-Ebene wird sogar in Bezug auf den Schauspieler des Öfteren erreicht, weil Deadpool im Film weiß, dass er vom 42-Jährigen verkörpert wird. Bei Deadpool 2 durfte er sogar am Drehbuch mitwirken. Diese Selbstreferenzialität erschafft einen großen Spielraum für Gags, sodass man während der zwei Stunden Laufzeit durchgehend gefesselt ist — wenn man nicht gerade vor lauter Lachflashs vom Kinosessel fällt.

Josh Brolin, CGI und brachiale Action

Der Grundpfeiler des Erfolgs ist primär der Humor, trotzdem kann der Film auch mit anderen Aspekten auftrumpfen. Lobenswert ist abermals Josh Brolin, der den Bösewicht Cable verkörpert. Brolin, welcher bei Avengers: Infinity War Thanos darstellen durfte, zeigt seine Stärken als Antagonist. Vor allem die Kombination aus Deadpool und Cable weist eine sehr hohe Chemie auf, die bei den ganzen Aufeinandertreffen omnipräsent ist. Ähnlich wie bei Thanos in Avengers ist Cable ein sehr tiefschichtiger Charakter, dessen Handlungen nachvollziehbar und nicht dem klassischen Gut-Böse-Schema entsprechen.


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Darüber hinaus punktet das Werk mit toll inszenierten Kampfchoreographien, dank denen sich Deadpool 2 nicht vor anderen Superheldenfilmen verstecken muss. Das CGI — auch wenn manchmal die übermäßige Benutzung davon auf die Schippe genommen wird — funktioniert sehr gut. Deswegen besticht Deadpool 2 neben dem gelungenen Drehbuch auch mit einer ansehnlichen Inszenierung. Momentan scheint sowieso die Ära der Superheroes zu sein. Trotzdem stellt Deadpool ein Unikat dar, der sich vom Rest abhebt — als einer der interessantesten und besten Charaktere der derzeitigen Filmlandschaft.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

[Foto: Screenshot via YouTube: “Deadpool 2 | The Trailer” von 20th Century Fox]

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