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Fußball-WM: Portugal im Portrait

Zum voraussichtlich letzten Mal greift Cristiano Ronaldo nach dem größten Titel im Fußball

Fußball-WM: Portugal im Portrait 22. Mai 20182 Comments

Alle vier Jahre dreht sich in der Welt des Fußballs alles um das wichtigste Turnier: die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Vorbereitung auf Russland portraitiert kultort.at die zehn Top-Favoriten auf den Titel. Jede Woche erwarten euch zwei neue Mannschaften in der Analyse. In diesem Portrait nehmen wir den aktuellen Europameister unter die Lupe.

Team: Portugal

Trainer: Fernando Santos (seit 2014)

WM 2014: Aus in der Gruppenphase

WM-Teilnahmen: 6

Schlüsselspieler: André Silva (AC Milan), Bernardo Silva (Manchester City), Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

Gruppengegner: Spanien, Marokko, Iran


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Stärken: Viel individuelle Klasse in der Offensive.

Der amtierende Europameister zählt im Normalfall auch zu den Top-Favoriten bei der darauffolgenden Weltmeisterschaft. Nachdem aber bereits 2016 der Titel für alle überraschend kam (mit Ausnahme von Teamchef Fernando Santos), ist Portugal sehr schwierig einzuschätzen. Dem kommt hinzu, dass Santos nur 13 Europameistern das Vertrauen schenkt — Portugal hat einen drastischen Umbruch hinter sich.

Der Coach folgt ganz klar einer Leistungslinie, starkes Auftreten bei der Europameisterschaft bedeutet nicht unbedingt eine gesicherte Nationalteamzukunft, wie unter anderem Eder erfahren musste. Neben dem Goldtorschützen von Paris fehlen Renato Sanches, dessen Entwicklung bisher ganz anders läuft, als erwartet und Altstar Nani.

Ein schlechtes Zeichen müssen die genannten Veränderungen nicht bedeuten. Im Gegenteil, Portugal kann auf eine ganze Schar an jungen Offensivtalenten zählen, die einige der Nichtnominierungen verständlich und nachvollziehbar machen. Bernardo Silva hat eine äußerst erfolgreiche erste Saison in der Premier League hinter sich, stand in über 50 Spielen für den neuen Meister Manchester City am Feld. Seine Vorarbeiter-Qualitäten dürften in Russland ein wichtiger Faktor werden.

Auch der zweite Silva, André, spielt mittlerweile eine tragende Rolle im Nationalteam. Nach dem Sommermärchen in Frankreich gab der 22-Jährige sein Debüt für den frisch gebackenen Europameister. Der Start in seine Teamkarriere ist bis dato beeindruckend. Unglaubliche neun Tore in den zehn Qualifikationsmatches (via transfermarkt.at) sichern dem Milan-Legionär seinen Platz an vordester Front der Startelf direkt neben Cristiano Ronaldo.

Technische Qualität bringen auch PSG-Leihgabe Goncalo Guedes (FC Valencia) und der 23-jährige Gelson Martins von Sporting Lissabon mit, zwei weitere Neulinge in der Mannschaft. Die jungen Talente auf der einen Seite, auf der anderen die Routiniers Ronaldo und Ricardo Quaresma, die beide wohl zum letzten Mal vom WM-Titel träumen dürfen. Die Mischung sollte passen.

Schwächen: Wenige Optionen in der Defensive.

Hat Fernando Santos im Angriff die Qual der Wahl, so sieht es in der Defensive deutlich magerer aus. Pepe ist aller Voraussicht nach gesetzt. Neben ihm wird wohl Bruno Alves oder José Fonte spielen, die Innenverteidigung Portugals setzt sich somit aus zwei Spielern Mitte 30 zusammen. Bei all der Erfahrung, die das Gespann mitbringt — gegen temporeichen Offensivfußball, wie jenem von Gruppengegner Spanien, sind Defizite vorprogrammiert.

Vier Gegentreffer in der Qualifikation klingt, zugegeben, nicht weiter beunruhigend. In der einfachsten Gruppe, mit der Schweiz und Ungarn als gefährlichste Gegner, sagt diese Zahl aber nicht allzu viel aus. Alamiert sollte der Europameister durch die ersten beiden Testspiele 2018 sein. Gegen Ägypten und die Niederlande — von der Schwierigkeit ähnlich einzustufen wie die Gruppengegner in Russland — setzte es genauso viele Gegentore wie in der gesamten Qualifikation.

Gerade von nicht qualifizierten Niederländern wurde der Europameister regelrecht vorgeführt. Eine Halbzeit reichte den “Oranjes”, um die gegnerische Defensive komplett auseinander zu nehmen. Richtige Schnitzer gab es in der Abwehr nicht, in den entscheidenden Duellen fehlte Fonte und Co. aber schlichtweg die Spritzigkeit. Dass sein Team in der 0:3-Niederlage defensiv alles andere als WM-reif agierte, bestrafte Trainer Santos mit harten individuellen Konsequenzen. Mit Rolando und Joao Cancelo spielten sich gleich zwei Verteidiger, die von Beginn an auflaufen durften, aus dem WM-Kader.

Portugal fehlt es in der Verteidigung an Optionen für die Zukunft. Wenn es 2016 noch gereicht hat, könnten die Veteranen im Abwehrzentrum diesmal zwei Jahre zu viel in den Beinen haben. Für Santos wird es eine Mammutaufgabe, die körperlichen Nachteile taktisch auszugleichen.

Player to Watch: Cristiano Ronaldo

Die Mannschaft steht und fällt mit Cristiano Ronaldo. Ist der Superstar außer Form, läuft auch beim Rest der Portugiesen meistens wenig. 15 der 32 Quali-Tore Portugals erzielte der Weltfußballer. Damit verhalf er seiner Mannschaft zu neun Siegen aus zehn Spielen und der direkten Qualifikation für die Weltmeisterschaft.

Die einzige Partie ohne den Kapitän verlor die Mannschaft gegen die Schweiz mit 0:2 und brachte dabei lediglich vier Schüsse auf das gegnerische Tor, via uefa.com. Über die gesamte Qualifikation war Ronaldo der ausschlaggebende Faktor. Rechnet man alle Tore weg, die er selbst erzielte oder in deren Entstehung er maßgeblich beteiligt war, so hätte Portugal neun Zähler weniger auf dem Konto.

Sinnbildlich hierfür die Partie gegen Andorra, wo der angeschlagene Stürmer zunächst auf der Bank Platz nahm. Einmal mehr agierte das Team von Fernando Santos komplett farblos bis zu Ronaldos Einwechslung, der den ersten Treffer selbst erzielte, den zweiten einleitete und seiner Mannschaft wichtige drei Punkte auf dem Weg nach Russland bescherte.

Dass es auch ohne Ronaldo funktionieren kann, bewies Portugal eindrucksvoll im EM-Finale. Der Kader ist auf jeden Fall kompetitiv und talentiert genug, um weit zu kommen. Wenn Cristiano Ronaldo allerdings auf dem Feld steht, läuft die gesamte Offensive über ihn, was die Mannschaft berechenbar macht. In Russland müssen andere Spieler aus dem Schatten des Nationalhelden springen, damit nicht wieder nach der Vorrunde Schluss ist.

Prognose: Bereits am ersten Spieltag werden den Portugiesen im iberischen Duell die Grenzen aufgezeigt. Dennoch gelingt ein ähnlich knapper Run wie bei der Europameisterschaft. Bis zum Viertelfinale, wo Frankreich die Revanche für das EM-Finale gelingt.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

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