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Fußball-WM: Brasilien im Portrait

Trotz enormem Druck will die “Seleção” mit schönem Spiel zum sechsten WM-Titel tanzen

Fußball-WM: Brasilien im Portrait 24. Mai 20182 Comments

Redakteur

Alle vier Jahre dreht sich in der Welt des Fußballs alles um das wichtigste Turnier: die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Vorbereitung auf Russland portraitiert kultort.at die zehn Top-Favoriten auf den Titel. Jede Woche erwarten euch zwei neue Mannschaften in der Analyse. In diesem Portrait nehmen wir den Rekordweltmeister aus Brasilien unter die Lupe.

Trainer: Tite (seit 2016)

WM 2014: Aus im Halbfinale (1:7 gegen Deutschland)

WM-Teilnahmen: 20

WM-Titel: 5 (1958, 1962, 1970, 1994, 2002)

Schlüsselspieler: Marcelo, Casemiro (beide Real Madrid), Neymar (Paris Saint-Germain)

Gruppengegner: Schweiz, Costa Rica, Serbien


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Stärken: Technische Sonderklasse.

Brasilien spielt zweifelsfrei einen Fußball, den kaum eine andere Nation bieten kann. Das Spiel der “Seleção” ist ein technisch außergewöhnliches. Ist die brasilianische Offensive am Ball, agiert sie auf höchstem Niveau. Zu verdanken haben sie das ihren fantastischen Einzelspielern und ihrem Trainer, der eine Einheit aus ihnen formte.

Tite, wie er gerufen wird, hat das Level seiner Nationalelf seit der Amtsübernahme 2016 auf eine neue Stufe gehoben. Seine Bilanz klingt wie die eines zukünftigen Weltmeistertrainers: 19 Spiele, davon 15 Siege und drei Remis bei nur einer Niederlage. Wie es scheint, hat er an den richtigen Rädchen gedreht. Speziell die Offensive rund um Superstar Neymar blüht in der taktisch bevorzugten 4-1-4-1-Formation auf. Das Zusammenspiel zwischen Neymar, Coutinho und Gabriel Jesus erinnert an die goldenen Zeiten des brasilianischen Fußballs. Dahinter wird in Form von Paulinho, Renato Augusto und Casemiro zwar in erster Linie gearbeitet, doch auch diese Spieler tragen einen wesentlichen Teil zum schönen Fußball Brasiliens bei.

Durch die technische Sonderklasse der brasilianischen Kicker kreieren sie gegen nahezu jeden Gegner genug Chancen, um Spiele zu gewinnen. Gelingt die Führung, bekommen die Angreifer zusätzliche Räume, die sie gekonnt zu nützen wissen.

Seit Tite der Trainer Brasiliens ist, fordert er im letzten Spieldrittel Kreativität ein. Es scheint so, als hätten seine Spieler diese Stärke zum richtigen Zeitpunkt wiederentdeckt. Kurz nach seiner Amtsübernahme gewannen Neymar und Co. mit dem damals noch zuständigen U20-Trainer Brasiliens, Rogério Micale, das historische Olympia-Gold. Dieses Jahr haben sie unter der Führung Tites beste Chancen, mit einem Triumph in Russland für den ersten WM-Titel der “Seleção” seit 2002 zu sorgen.

Schwächen: Mentales WM-Trauma.

Fußballerische Schwächen im aktuellen Team zu finden ist äußerst schwierig. Denkt man an die brasilianische Elf, fällt einem momentan jedoch vor allem eines ein: Die legendäre 1:7-Niederlage im WM-Halbfinale 2014 im eigenen Land gegen Deutschland.

Dieser Tiefschlag ist noch nicht vergessen. Damals ist nicht nur die “Seleção” in tiefe Trauer verfallen, sondern mit ihr das gesamte Land. Der ohnehin schon immens hohe Druck steigt für dieses WM-Turnier dadurch zusätzlich. Brasilien kämpft bei jedem Turnier mit einer Erwartungshaltung, die nichts außer den Titel zulässt. Dieses Mal kommt das WM-Trauma hinzu. Zwar gab es einen massiven Umbruch im Team, doch mit Marcelo, Thiago Silva, Fernandinho, Paulinho, Willian und Neymar sind noch immer sechs Spieler dabei, die bereits vor vier Jahren Teil des WM-Kaders waren.

Immerhin konnten die Brasilianer Ende März dieses Jahres einen ersten Teilerfolg feiern. Mit einem 1:0-Testspielerfolg über Deutschland wurde ein wichtiger Sieg für die eigene Psyche gefeiert. Kommt es im WM-Turnier erneut zu diesem Duell, wird die mentale Herausforderung mit Sicherheit eine viel größere. Die 1:7-Schmach wird zum medialen Dauerthema und sich wohl auch in dem ein oder anderen brasilianischen Kopf einschleichen. Vielleicht werden die Familien der Spieler für die nötige Lockerheit sorgen, nächtigen sie doch in einem nahegelegenen Hotel am Schwarzen Meer.

Player to Watch: Gabriel Jesus

Etwas unorthodox war die Wortmeldung von Brasiliens Trainer Ende Februar und damit über 100 Tage vor Turnierbeginn. Im Interview mit UOL Esportes sprach Tite über die Elf, die im ersten Spiel gegen die Schweiz auflaufen soll. Alisson, Marcelo, Miranda, Marquinhos, Daniel Alves (mittlerweile verletzt), Paulinho, Renato Augusto, Casemiro, Neymar, Coutinho und Gabriel Jesus sind die Namen der Spieler, auf die der Coach setzt.

Dabei sticht besonders das Vertrauen in den erst 21-jährigen Gabriel Jesus von Manchester City heraus. Seit seinem Debüt für das brasilianische A-Team 2016 hat er in 15 Spielen neun Tore erzielt. Auch seine Leistungsdaten dieser Saison mit seinem Verein lesen sich mit 17 Toren und fünf Assists in 42 Spielen sehr gut, via transfermarkt.at.

Gabriel Jesus ist für die brasilianischen Kinder und Jugendlichen nicht nur Vorbild, weil er jetzt für Manchester City kickt und die Nummer Neun der “Seleção” trägt, sondern vor allem deswegen, weil er wie Millionen andere junge Brasilianer das Fußballspielen in den Favelas gelernt hat. Seine Leidenschaft und Liebe zum Fußball sind echt. Egal, ob auf den staubigen Plätzen São Paulos oder in den russischen WM-Stadien — Jesus hat Spaß am Fußball und zeigt dies noch dazu mit außerordentlichen Leistungen.

Er ist ein Stürmer, der nicht nur selbst eiskalt vor dem Tor agiert, sondern auch seine Teamkollegen gekonnt mit sicherem Passspiel und raffinierten Ideen in Szene setzt. Mit seinen Qualitäten wird Gabriel Jesus bei dieser WM besonders im Fokus stehen.

Prognose: Die Gruppe wird für Brasilien kein Stolperstein. In den weiteren Turnierspielen entscheidet oftmals die bessere Tagesverfassung. Wird und bleibt Neymar fit, ist Brasilien reif für den sechsten WM-Titel.

Matthias auf Twitter: @mwFuehrer

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