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‘Germany’s Next Topmodel’: So furchtbar war Staffel 13

Sexismus, Oberflächlichkeit und Mobbing — ‘GNTM’ ist ein von Zeitgeist befreites Format, das speziell jungen Mädchen verkehrte Weltansichten vermittelt

‘Germany’s Next Topmodel’: So furchtbar war Staffel 13 28. Mai 20181 Comment

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Die letzte Staffel der beliebten Fernsehsendung mit Modelmama Heidi Klum ist mit dem Finale am 24. Mai über die Bühne gegangen. Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine Staffel, die nicht peinlicher, unnötiger und nervenaufreibender hätte sein können. Das diesjährige Motto “Diversity” ließ hohe Erwartungen an das oft kritisierte Fernsehformat aufkommen. Erwartungen, die nach kurzer Zeit eingestampft wurden — wie auch die Träume und Gefühle mancher Kandidatinnen. Hier sind sieben Dinge, die uns an der 13. Staffel von Germany’s Next Topmodel schockiert haben:

1. Je mehr Follower, desto beliebter

Während der gesamten Staffel blitzte durch, dass Heidi großen Wert auf die Follower-Anzahl ihrer Teilnehmerinnen legt. Beim Finale fiel jedoch der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Wenn über die Models gesprochen wurde, fiel oft im selben Atemzug die Zahl ihrer Instagram-Follower.

Es wirkte so, als ob die Teilnehmerinnen mit weniger Followern weniger Wert wären und nicht so viel “Personality” aufbringen würden, was natürlich völliger Blödsinn ist. Unsere Gesellschaft darf sich nicht durch eine scheinbare Beliebtheit auf Sozialen Medien definieren. Die Zahl der Likes, Shares und Followers kann nicht unser Leben bestimmen. Besonders Teenagern wird so ein völliges falsches Bild vermittelt, in dem Oberflächlichkeit, ein teurer Lifestyle und vor allem Selbstdarstellung einen viel zu hohen Rang einnehmen.

2. Die Verharmlosung von Alltagssexismus

In der siebten Folge mussten die Teilnehmerinnen in einem Gefängnis walken und sich von Gefängnisinsassen, die von Schauspielern verkörpert wurden, belästigen lassen. Die eigentliche Challenge bestand darin, sich nicht ablenken zu lassen. Dabei fielen anzügliche und sexistische Sätze wie “I know what you want” und “So good baby”.


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Solche Aussagen verharmlosen den allgegenwärtigen Sexismus und ziehen die #MeToo-Debatte ins Lächerliche. Sexuelle Belästigung ist eine Straftat, mit der im Fernsehen — wenn auch inszeniert — weitaus vorsichtiger umgegangen werden sollte.

3. Würstchen für die Dragqueens

Im Finale wurde den Dragqueens, die mit den Finalistinnen eine Show einstudierten, vor laufender Kamera Würstchen serviert. “Ich hab mir gedacht, Würstchen mögt ihr doch bestimmt auch gern?”, kicherte Heidi und machte somit einen unglaublich unsensiblen und unangebrachten Scherz über deren sexuelle Vorlieben.

Sich 2018 über Homosexualität live und wenig subtil lustig zu machen ist ein absolutes No-Go.

4. Heidis “Määädchen” sind eigentlich Frauen

Es ist definitiv keine feministische Herangehensweise, wenn zwar junge aber erwachsene Frauen als Mädchen bezeichnet werden. Warum? Weil sich mit der Verwendung von Verniedlichungen automatisch auf ein höheres Podest gestellt wird. Heidi zeigt hiermit, dass sie über den Mädchen steht, erfolgreicher ist und natürlich alles besser weiß.

@heidiklum DANKE für diese einmalige und einzigartige Zeit auf der Amfar 🖤

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GNTM suggeriert de facto, dass es okay ist, Frauen als Mädchen zu bezeichnen und sie “klein” zu halten. Das ist genauso wenig in Ordnung, wie eine fremde Person als Prinzessin zu bezeichnen. Ein vollbärtiges Male Model würde auch niemand als Buben bezeichnen, selbst wenn dieser erst 18 ist.

5. Versteckter Rassismus?

Um auch etwas Positives zu erwähnen: Als die 18-jährige Toni mit nigerianischen Wurzeln gewinnt, fallen keine rassistischen Kommentare wie “exotisch” — das muss der Staffel zugute gehalten werden.

Es scheint, dass sich Deutschland weiterentwickelt hat und das ist ein sehr erfreulicher Fakt.

6. Immer noch falsche Körperideale

Am Anfang der Staffel wurde damit geprahlt, Frauen jenseits der Size Zero eine Chance zu geben. Denn Plus Size Models liegen immer mehr im Trend, wie auch Ex-GNTM-Kandidatin Sarina Nowak beweist. So wurden heuer erstmals kurvigeren Frauen die Teilnahme ermöglicht — also immer noch überdurchschnittlich hübschen Frauen mit durchschnittlicheren Körpern.

🌑 bodysuit @fashionnovacurve

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Trotz allem heißt es in einem Artikel von kurier.at, dass die Curvy Models oftmals als “Ugly Models” bezeichnet wurden. Mobbing bei GNTM? Prinzipiell nichts Neues. Die Streitereien und Zickenkriege sind schließlich Bestandteil der großen Show.

Der Ursprungsgedanke, Frauen mit eher durchschnittlicheren Körper teilnehmen zu lassen, ist gut. Bei der Umsetzung mangelt es aber. Viel zu oft wurden die Kurven der weniger kurvigen Models thematisiert.

 7. Der inszenierte Team-Wettkampf

Ist die Finalistin aus Team Thomas oder Team Michael?

Diese Frage wurde, unabhängig ihrer Relevanz in jeder Folge gestellt. Sollte es nicht eher darum gehen, junge Frauen auf ihrem — für viele Menschen eher fragwürdigen — Berufswunsch des Models vorzubereiten und zu lernen, mit Konkurrenz umzugehen, aber sie nicht aufzustacheln?


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Die Darstellung dieses inszenierten Wettkampfes ist so unnötig, wie die Tatsache, dass Heidi Klum mit Tom Kaulitz liiert sein soll. Selbst für eingefleischte GNTM-Fans dürften die Minuten, die mit “Michael vs. Thomas” verschwendet wurden, von Desinteresse gewesen sein.

Germany’s Next Topmodel ist nicht nur peinlich und vermittelt nach wie vor veraltete Körperideale — es ist auch eine extrem gefährliche, diskriminierende und sexistische Sendung. Einigen Studien zufolge soll GNTM Auswirkungen auf eine überkritische Selbstwahrnehmung haben und nachweislich in Verbindung zu Magersucht und anderen Essstörungen stehen.

Die Sendung ist zudem so schlecht, weil Themen wie eine gesunde Ernährung, Body Positivity, Sexismus und Essstörungen nicht (ausreichend) thematisiert werden. An dieser Situation dürfte auch ProSieben die Schuld tragen. Es ist zu hoffen, dass sich das Format nächstes Jahr ändert. Denn der Wunsch einer Abschaffung wäre dann doch zu utopisch, schließlich würde das dem Privatsender gute Einschaltquoten kosten.

Lisa auf Twitter: @lugerblis

[Foto: Screenshot via YouTube: “Neue Ausrichtung für GNTM: Hat Heidi ausgedient? | STARS” von gofeminin]

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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