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Die größten Tops und Flops von ‘Solo: A Star Wars Story’

Kann der neue Anthology-Film überzeugen oder ist die gesamte Inszenierung ein großer Flop?

Die größten Tops und Flops von ‘Solo: A Star Wars Story’ 28. Mai 20182 Comments
Achtung! Im folgenden Beitrag befinden sich Spoiler zu dem Film Solo: A Star Wars Story.

Nach Rogue One: A Star Wars Story und nur ein halbes Jahr nach Die Letzten Jedi erschien vor wenigen Tagen ein weiterer Streifen aus diesem faszinierenden Universum. Solo: A Star Wars Story ist das zweite Werk der sogenannten Anthology-Filme, behandelt die jungen Lebensjahre der berühmten Figur Han Solo und ist zeitlich zwischen Episode III und IV angesiedelt.

Im Vorfeld wurde sehr viel über diesen Film berichtet, weil er während der Produktion große Probleme hatte. Die eigentlichen Regisseure Phil Lord und Chris Miller (sie inszenierten unter anderem The Lego Movie) wurden durch Ron Howard (Rush) ersetzt. Dieser drehte sage und schreibe 70 Prozent des gesamten Filmes neu. Solo hatte also bereits vor Kinostart keine guten Karten.

Sind diese negativen Gefühle berechtigt und ist der Film tatsächlich so mies, wie im Voraus befürchtet? Oder verlässt man, gerade weil die Erwartungen niedrig waren, zufrieden den Kinosaal? Wir von kultort.at versuchen diese Fragen zu beantworten. Hier sind die größten Tops und Flops von Solo: A Star Wars Story:

Im Vorfeld: Die Erwartungshaltung

Zu Beginn muss über die Erwartungshaltung gesprochen werden. Es gibt Hardcore-Fans, die jede Figur, jeden Charakter und jede Storyline im gesamten Universum kennen. Mag sein, dass in dieser Kategorie auch Fanboys von Harrison Ford dabei sind, die nicht akzeptieren wollen, dass jemand anderer ihren Liebling verkörpert. Wer mit hohen Erwartungen den Film sieht, kann durchaus enttäuscht werden. Die Inszenierung bietet keine hochentwickelte, neuartige Story. Es ist ein Action-Blockbuster in der Welt von Star Wars und die Filmemacher gehen den sicheren Weg.


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Wer so wie ich mit neutralen Gefühlen und niedrigen Erwartungen den Kinosaal betritt, wird diesen zufrieden wieder verlassen. Er macht Spaß, ist unterhaltsam und bietet in der etwas zu lang geratenen Inszenierung tolle Star Wars-Momente. Man sollte alles, was im Vorfeld diskutiert wurde, beiseiteschieben. Jeder Film, jede Serie hat eine Chance verdient. Wie können Menschen über einen Film urteilen, obwohl sie ihn noch nicht gesehen haben? Solo hat trotz negativem Echo die Chance verdient, gesehen zu werden. Danach könnt ihr immer noch darüber lästern, wie mies er war — oder euch freuen, dass ihr überrascht wurdet.

Neutral: Alden Ehrenreich als Han Solo

Alden Ehrenreich (Hail, Caesar!) hatte es nicht sehr leicht. Zum einen, weil er eine der ikonischsten Figuren im Star Wars-Universum verkörpert und so in die riesigen Fußstapfen von Harrison Ford treten muss. Zum anderen, weil während der Produktion durchsickerte, dass die Verantwortlichen mit seinen Schauspielfähigkeiten nicht zufrieden waren und er sogar am Set Schauspielunterreicht genommen hat.

Seine Leistung wird die ZuschauerInnen mehr als nur spalten. Sogar Kritiker sind sich nicht einig, was man von seiner Performance halten soll. Manche werfen ihm fehlendes Charisma vor, manche sind der Meinung, dass er es nicht schafft, der Figur die nötige Würze zu verleihen. Ich persönlich möchte eine Lanze für den Schauspieler brechen, der US-Amerikaner gibt einen ordentlichen Han Solo ab.

Dass Alden Ehrenreich nicht das Charisma eines Harrison Ford hat, möchte ich gar nicht abstreiten. Darüber hinaus sorgt das Drehbuch und die Charakterzeichnung dafür, dass es schwer vorstellbar ist, dass dieser Han einmal jener Han von Episode IV sein soll. Dennoch schafft es der US-Amerikaner, seiner Figur eine gewisse Note zu verleihen. In den Szenen mit Chewbacca kommt sogar vereinzelt Harrison-Ford-Feeling auf — vor allem, wenn der Weltraumpirat sein markantes Lächeln aufsetzt. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, ob man Ehrenreich als guten oder schlechten Solo sieht. Ich war zufrieden mit seiner Leistung.

Top: Donald Glover und Woody Harrelson

Multitalent Donald Glover verkörpert Lando Calrissian, den späteren Administrator der Wolkenstadt auf Bespin und dem eigentlichen Besitzer des Millenium Falken, mit sehr viel Charme und Charisma. Lando verbringt sehr viel Freizeit mit dem Kartenspiel Sabacc, in dem er um hohe Einsätze spielt. Han versucht ihn, in einem Spiel den Falken zu gewinnen, verliert aber. Dennoch entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft zwischen den beiden und Lando willigt ein, Han, Becket und Qi’ra bei ihrer Mission zu helfen. Glover ist die perfekte Wahl.


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Woody Harrelson spielt Woody Harrelson. Egal, welche Rolle er mimt, er gibt auf der Kinoleinwand immer eine gute Figur ab. In Solo verkörpert er die Figur Tobias Becket, die, wie sich später herausstellt, für das Verbrechersyndikat Crimson Dawn arbeitet. Er muss dem Anführer Dryden Vos (großartig: Paul Bettany) eine Ladung Coaxium liefern. Am Ende verrät dieser nicht nur Han Solo, der in seinem Team war, sondern auch seinen Boss. Doch Han kann die persönlichen Pläne von Becket durchkreuzen und erschießt ihn ansatzlos.

Flop: Emilia Clarke als Qi‘ra

Die Britin Emilia Clarke ist bezaubernd und hat ein schönes Lächeln. Doch die Game of Thrones-Darstellerin schafft es in keiner Weise zu überzeugen. Ihre Figur trägt den Namen Qi’ra. Sie wächst zusammen mit Han auf dem Planeten Corellia auf und beide sind ein Paar. Nachdem Qi’ra bei der Flucht in den ersten 20 Minuten getrennt werden, verändert sie sich und wird die rechte Hand von Bösewicht Dryden Vos.

Die Entscheidungen und die Entwicklung von Qi’ra sind sehr sprunghaft und teils unglaubwürdig. In einer Szene will sie Macht präsentieren, in einer anderen Szene zeigt sie sich fröhlich und himmelt Han an. Etwas später, als Qi’ra zu einem Minenplaneten reist, um den Treibstoff Coaxium zu stehlen, küsst sie ihn sogar und am Ende lässt sie Solo links liegen. Sie wendet sich gegen ihn, tötet Dryden Vos, verspricht Han, mit ihm mitzukommen, um dann mit dem Raumschiff alleine den Planeten zu verlassen. Der Charakter ist derartig uninteressant und Emilia Clarke hat es in 135 Minuten Lauflänge nicht geschafft, in ihrer Rolle zu glänzen. Darüber hinaus wirkte die Liebesbeziehung zu Han seelenlos. FLOP.

Top: Technik, Action, Sounddesign

Die technische Umsetzung ist wieder einmal überragend. Vor allem der dunkle, dreckige Look verleiht dem Film einen besonderen Flair. Den Zuschauern werden viele neue Planeten präsentiert, die allesamt interessant und abwechslungsreich gestaltet wurden. Dennoch hätte mehr vom Planeten Corellia gezeigt werden können, der Heimat von Han Solo. Dagegen ist das Art- und Alien-Design spektakulär. Egal, ob Lady Proxima zu Beginn des Werkes, die Figur Enfys Nest mit ihrem coolen Helm oder das Raumschiff von Dryden Vos. Alles wirkt greifbar und realistisch, das Art-Department hat große Arbeit geleistet.

Ebenfalls top: die Action und das Sounddesign. Vor allem die Szene im Zug, in dem Han, Tobias Becket und Chewbacca versuchen, eine Ladung Coaxium zu stehlen, wurde atemberaubend inszeniert. Schusswechsel mit Blaster, Raumschiffe und Speeder, Explosionen — Action-Herz, was willst du mehr? Garniert wird die tolle Action mit grandiosen Soundeffekten der Firma Industrial Lights & Magic.

Top: Die Chemie zwischen Han Solo und Chewbacca

Han Solo wird gefangengenommen, fällt in eine Art Schlammgrube und findet sich in einem Kampf gegen ein Monster wieder. Dieses Monster entpuppt sich als Chewbacca, der in den ersten Momenten keine Anstalten macht, Han zu verschonen. Doch dieser packt seine “Wookie-Skills” aus, freundet sich mit ihm an und beide können aus dem Käfig fliehen. Diese Szene ist unfassbar gut geworden und zeigt die tolle Chemie zwischen den Figuren. In weiterer Folge wird die Beziehung noch stärker und jede Sequenz — egal, ob sie gefühlvoll reden oder gemeinsam auf Gegner ballern — macht großen Spaß. Hier hat sich das gesamte Team ein Lob verdient.

Flop: Langatmiger Beginn und Thandie Newton

Die Inszenierung ist ein wahrer Genuss für Actionfreunde. Die Handlung springt förmlich von Action-Sequenz zu Action-Sequenz, das Tempo ist durchaus hoch. Dennoch ist gerade zu Beginn ein wenig Leerlauf erkennbar und die Handlung braucht bis zum Aufeinandertreffen von Han und Chewbacca, bis sie in die Gänge kommt. Wer diese Phase übersteht, bekommt einen sehenswerten, actionreichen Film präsentiert.


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Thandie Newton und Flop? Zugegeben fällt das in die Kategorie “Jammern auf hohem Niveau”. Weil Newton eine tolle Schauspielerin ist und ihre Rolle als Val überzeugend spielt. Leider hat sie zu wenig Screentime, stirbt relativ früh und auch dieser Tod ist nicht gerade gut inszeniert. Sehr schade, denn hier wurde wiedermal eine interessante Figur verschenkt.

Flop: Namensgebung, die Würfel und der Blaster

In diesem Film wurde die Frage der Fragen beantwortet: Wie kam Han eigentlich zu seinem Nachnamen. Auch wenn nicht immer alles erklärt werden muss und dem Zuschauer durchaus eine gewisse Fantasie zumutbar ist, wird dieses bisherige Geheimnis offenbart. Han schreibt sich für die imperiale Flotte als Pilot ein. Als der Leutnant ihn nach dem Nachnamen fragt, sagt er, dass er niemanden hat und alleine ist. Der Leutnant trägt daraufhin “Solo” in die Kartei ein. Wie dumm ist denn diese Erklärung bitte? Vor allem, weil der Name eigentlich für sich steht.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum plötzlich die goldenen Würfel von Han so ein wichtiger Gegenstand sind. Während der gesamten Originaltrilogie tauchen sie nur sehr, sehr sporadisch auf und Rian Johnson hat sie in Episode VIII – Die letzten Jedi in die Story integriert. In Solo wird der Gegenstand als Symbol des Glücks und der Hoffnung eingeführt. Darüber hinaus sehen wir in einer emotionslosen Szene, wie Han von Becket seinen markanten Blaster bekommt. Somit hat dieser Blaster für mich einen kaum emotionalen Wert.

Die große Überraschung: Darth Maul

Mein erster Gedanke war: “HOLY SHIT!!! War er es wirklich?” Nach intensiver Recherche und einer zweiten Sichtung des Filmes war es eindeutig. Der Sith-Lord Darth Maul aus Episode I: Die Dunkle Bedrohung hat einen Cameo-Auftritt am Ende der Inszenierung. Doch wie kann das sein? Er wurde von Obi-Wan halbiert und getötet. Jedoch wurde der Tod nie bestätigt und Maul in der animierten Serie Star Wars Rebels wiederbelebt und mit Roboterbeinen ausgestattet.

Maul entpuppt sich als Anführer der Organisation Crimson Dawn. Nach dem Tod von Dryden Vos kontaktierte Qi’ra den Bösewicht, dem sie nun direkt unterstellt ist. In einem Hologramm erkennen die Kinobesucher das markante, schwarz-rote Gesicht und auch die bereits angesprochenen Roboterbeine. Sein Erscheinen sorgt für großen Gesprächsstoff und es ist schwer, sein Auftreten einzuordnen. Klar ist aber, dass das Ende und sein Erscheinen einen zweiten Teil erahnen lassen, in dem wir mehr von ihm sehen werden. Da die Figur in Episode I sehr verschenkt wurde, wäre dies mehr als nur großartig.

Thomas auf Twitter: @plapperblog

[Foto: © Disney Content]

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