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Fußball-WM: Belgien im Portrait

Gelingt Belgien bei der Weltmeisterschaft der nächste Schritt?

Fußball-WM: Belgien im Portrait 29. Mai 20181 Comment

Ressortleiter Sport

Alle vier Jahre dreht sich in der Welt des Fußballs alles um das wichtigste Turnier: die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Vorbereitung auf Russland portraitiert kultort.at die zehn Top-Favoriten auf den Titel. Jede Woche erwarten euch zwei neue Mannschaften in der Analyse. In diesem Portrait nehmen wir die “Roten Teufel” aus Belgien unter die Lupe.

Trainer: Roberto Martínez Montoliú (seit 2016)

WM 2014: Aus im Viertelfinale (0:1 gegen Argentinien)

WM-Teilnahmen: 12

Schlüsselspieler: Eden Hazard (FC Chelsea), Kevin De Bruyne (Manchester City), Romelu Lukaku (Manchester United)

Gruppengegner: Panama, Tunesien, England


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Stärken: Zweimal Weltklasse im offensiven Mittelfeld.

15 Tore und 13 Assists über die letzten beiden Saisonen in der Serie A (via transfermarkt.at), einmal Vizemeister und einmal Dritter, heuer der Einzug ins Halbfinale der Champions League. Das sind die Zahlen von Radja Nainggolan. Allein die Tatsache, dass Coach Roberto Martínez die Freiheit hat, auf so ein Kaliber in seinem vorläufigen 28-Mann-Aufgebot zu verzichten, beschreibt das Ausmaß an Qualität des zentralen Mittelfelds seiner Mannschaft. Die zwei Dirigenten des Teams sind die besten Spieler der beiden letzten Meister in England und werden unter den Top-10-Offensivspielern weltweit gehandelt.

Kevin De Bruyne hat das Talent, Möglichkeiten zu sehen, bevor sie überhaupt entstehen. Er kann das Spiel lesen, wie kaum ein Zweiter und ist für viele der derzeit genialste Passgeber im Weltfußball. Sein tadelloser Umgang mit dem Ball ermöglicht es ihm, Situationen genauso umzusetzen, wie er sie im Kopf plant. Tödliche Flachpässe in die Tiefe, lange Seitenwechsel und wuchtige Flanken gehören ebenso zu seinem Repertoire, wie die perfekte Ausführung von Standardsituationen aller Art. Europas bester Vorleger (16 Assists in dieser Saison, via transfermarkt.at) hat in Yannick Ferreira-Carrasco, Romelu Lukaku und Eden Hazard starke Abnehmer für all seine Passvarianten.

Hazard gilt als einer der potenziellen Thronfolger in der Post-Ronaldo-Messi-Ära. Gar nicht so weit hergeholt, blickt man auf die Konstanz des 27-Jährigen über die letzten Jahre. In 300 Spielen für den FC Chelsea schoss er 89 Tore und bereitete 75 weitere vor (via transfermarkt.at). Was seinen Marktwert von knapp 100 Millionen Euro allerdings besonders rechtfertigt, ist seine unnachahmliche Technik im Eins-gegen-eins. Brachialer Antritt gepaart mit makelloser Ballbehandlung, spielerische Finesse kombiniert mit schonungslosem Einsatz des Körpers. Er ist die perfekte Mischung aus brillantem Spielwitz von Dribblingkünstlern à la Neymar und taktischem, robustem Basic-Fußball, wie ihn zum Beispiel sein Vereinskollege N’Golo Kanté praktiziert.

Die belgische Mittelfeldachse De Bruyne-Hazard ist für jeden Gegner sehr schwierig zu neutralisieren. Schwächelt der eine, kompensiert der andere. Sie könnte bei der WM der Schlüssel zum Erfolg werden.

Schwächen: Keine positiven Überraschungen.

Vor den letzten Großereignissen sprach man immer gerne von einem möglichen Durchbruch der Belgier, die es vom Geheimtipp in den ganz engen Kreis der Titelanwärter schaffen sollten. Richtig enttäuscht haben die “Roten Teufel” nicht, sowohl bei der Europameisterschaft 2016 als auch bei der Weltmeisterschaft zwei Jahre zuvor erreichten sie das Viertelfinale. Aus der Rolle des Außenseiters konnten sie aber nicht schlüpfen und so ist es heuer deutlich ruhiger um Hazard und Co. geworden.

Es gab weder einen Qualitätsverlust des Kaders, noch haben sich die Ambitionen grundlegend verändert. Die Belgier sind einfach ein etabliertes, starkes Fußballteam und haben sich knapp hinter der absoluten Weltspitze eingependelt. Heuer wird der Viertelfinaleinzug — wie von anderen etablierten, starken Fußballteams — verlangt, alles danach würde aber überraschen.

In der jüngeren Vergangenheit spielt Belgien souverän, konnte sich seit 2014 für jede Endrunde problemlos vorzeitig qualifizieren. Dennoch wurde dem Team oftmals die Grenze gezeigt, immer dann, wenn es im Kampf um den Titel begann, eng zu werden, oder der Gegner ebenbürtig bzw. stärker einzuschätzen war. Belgien konnte in den letzten Jahren nur selten positiv überraschen.

Seit Anfang September 2016 ist das Team ungeschlagen. Klingt beeindruckend, liegt aber vor allem an schwachen Gegnern. Niederlande und Mexiko waren in dieser Zeit die größten Herausforderungen — beide Matches endeten unentschieden. Sämtliche Partien gegen namhaftere Teams vor und während der letzten Europameisterschaft verlor Belgien (Portugal 1:2, Italien 0:2, Spanien 0:2). Dazu kommt die Niederlage gegen Wales im Viertelfinale der EM, die aufzeigte, wie schwer sich die Mannschaft in Drucksituationen tut.

Auch wenn Belgien mit neun Siegen in der Qualifikation einen tollen Auftritt hingelegt hat, scheint sich der Abstand zu den großen Turnierfavoriten wieder etwas zu vergrößern. Um diesem Trend gegenzuwirken, muss in Russland das Halbfinale erreicht werden.

Player to Watch: Romelu Lukaku

Romelu Lukaku verfügt über einen wuchtigen, zielgenauen Schuss, ist selbst auf engstem Raum sicher am Ball, kopfballstark und für seinen Körperbau extrem stark im Antritt. Wenn er seine phasenweise Unsicherheit vor dem Tor ablegt, gibt es keinen Stürmer auf der Welt, der ihn in den Schatten stellen kann.

In dieser Saison blieb Lukaku unter den Erwartungen vieler. Sehr hohe Erwartungen, denn mit 16 Toren und sieben Assists in seinem ersten Liga-Jahr in Trafford (via transfermarkt.at) und jeweils fünf Toren in Cup und Champions League legte er immer noch mehr als passable Zahlen hin. Bei 25 Volltreffern in der Vorsaison für den FC Everton und der surrealen Ablösesumme ist die Erwartungshaltung aber gerechtfertigt.

Lukaku wurde als wichtigste Offensivhoffnung einer der größten Vereine der Welt verpflichtet, alles andere als absolute Weltklasse wird in Manchester nicht akzeptiert. Man verlangt bei United einen der besten Stürmer der Welt und dazu hat Lukaku definitiv das Potenzial. Mit seiner bulligen Statur und einer gleichzeitig einwandfreien Technik erinnert der Stürmer stark an Didier Drogba.

Den Vergleich mit der Chelsea-Legende hat sich der Belgier verdient, denn seine viel kritisierte Premierensaison konnte Drogba in dessen neun Spielzeiten bei den “Blues” nur zweimal toppen. Wenn man in Betracht zieht, dass Lukaku ein Jahr jünger ist, als Drogba bei seinem Wechsel nach England es war, ist es durchaus realistisch, ihn eines Tages sogar über dem Ivorer einzureihen, wenn man die Frage nach den besten Premier-League-Stürmern aller Zeiten stellt.

Prognose: Belgiens Weg ins Viertelfinale scheint geebnet zu sein. Dort könnten allerdings Brasilien oder Deutschland warten — beide eine Nummer zu groß für die “Roten Teufel”.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

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