Musik Popkultur

Eine heiße Angelegenheit: Please Madame live in Wien

Gerade erst ihr zweites Album ‘Young Understanding’ veröffentlicht, bescherte das Salzburger Indie-Rock-Quartett ihren Fans im WUK am 27. Mai ein unvergessliches Konzert

Eine heiße Angelegenheit: Please Madame live in Wien 30. Mai 2018Leave a comment

Für den Mai ist es ein außergewöhnlich heißer Tag, an dem Please Madame abends die kleine Halle des Wiener WUK füllen sollen. Es ist kurz nach 16:00 Uhr, noch ist alles ruhig und entspannt. Bei einer Dose Ottakringer sitzen Dominik Wendl, Martin Pöheim, Laurenz Strasser und Niklas Mayr in kurzen Jogginghosen an einem Tisch vor dem Halleneingang und warten, bis der Aufbau beginnen kann. Mittlerweile ist dies für die junge Band zum Alltag geworden, immerhin touren sie schon seit 15 Wochen. “Man gewöhnt sich an die Umstände, kurz vor dem Gig fühlt sich aber trotzdem immer noch alles ganz frisch an. Diese Nervosität davor will ich aber gar nicht missen. Ich würde aufhören wollen, wenn sie irgendwann fehlt”, meint Sänger Dominik.


MEHR: Please Madame im Interview: “Ankommen gibt’s in der Musik nicht”


Vor Ort sind auch Musikproduzent Georg Gabler, Tonproduzent Oliver “Öli” Kamaryt und Lichttechniker Harald Gonaus. Sobald die letzten Handgriffe getätigt wurden, kann der Soundcheck beginnen. Zwischendurch hört man immer wieder Riffs von Biffy Clyro und den Arctic Monkeys, sowie eine Gesangsprobe des “Pina Colada Songs”. Schon jetzt ist einem klar, dass Please Madame außerordentlich gut aufeinander eingespielt sind, von ihrer Erfahrung profitieren und viel Spaß an der Sache haben.

Die Ruhe vor dem Schwitzen

Knapp eine Stunde später beginnen sich die Tische vor dem Beisl im WUK zu füllen. Die Band stärkt sich noch, schüttelt nebenbei ununterbrochen Hände und verteilt Busserl an Leute, die eben gekommen sind. Man hat ein bisschen das Gefühl, als würde jeder hier irgendjemanden über kurz oder lang kennen, was eine freundschaftliche Atmosphäre schafft. Nervosität scheint zumindest für Außenstehende fehl am Platz zu sein, denn im Salzburger Dialekt folgt ein Schmäh nach dem anderen. “Es ist schön, bekannten Gesichtern mit unseren Konzerten eine geile Show zu bieten. Noch geiler ist es aber, dass auch immer wieder neue Gesichter dazukommen”, erklärt Bassist Martin, ehe er noch die letzten Ticketverkäufe abcheckt.

An der Abendkasse werden noch die letzten Karten verkauft, bald darauf beginnt der Einlass. Paul de Leon, die Band die als Support auftritt, entpuppt sich als Volltreffer und überzeugt mit tanzbarem und doch gefühlvollem Indie-Pop-Rock.

WUK on fire

Es muss kurz nach neun sein, als die Lichter erneut ausgehen. Drückende Hitze, die Leute klatschen und jubeln, als Please Madame die Bühne betritt. Inzwischen wurden die Jogginghose gegen schwarze Jeans und weiße Shirts eingetauscht. Dann ein Moment des Konzerts, dem man noch am ehesten das Attribut “ruhig” zuordnen kann. Die Stimmung wird langsam aufgebaut, die Lichter sind schwach, jedoch in einem kräftigem Blau. Was folgt, ist förmlich eine Explosion an Energie, die schlagartig auf die Leute übergeht. Es wird getanzt und mitgesungen. Besonders in den ersten Reihen scheint man jedes Lied auswendig zu können. Schon nach wenigen Songs ist die Band schweißgebadet. Trotzdem: Wenn Sänger Dominik sagt, alle sollen klatschen oder singen, dann wirkt es so, als würden dies auch ausnahmslos alle tun.

Dominik Wendl (© Julian Haas)

Das familiäre Gefühl, das sich schon im Vorfeld angekündigt hat, ist auch jetzt wieder zu spüren. Gespielt werden alte und neue Nummern, unter anderem ihre neue Single “Lies”, zu der kürzlich ein Video erschienen ist. Für einige Songs wird die Band auch von “Band-Papa” Georg Gabler am Keyboard begleitet. Seinem eigenen Vater widmet Dominik schließlich den Song “Rome”, in dem es laut dem Sänger schon um Gefühle geht, jedoch nicht auf die Art, wie man vielleicht gedacht hätte. Eigentlich wird keine Ballade gespielt, wobei man das als Neuling in der Please-Madame-Fangemeinde anfangs von “Lights.camera.asshole” erwarten würde. Fehlanzeige. Gerade dieser Song entpuppt sich als heftige Rocknummer und endet mit außer sich tanzenden Leuten.


MEHR: Die Steaming Satellites sind zurück aus dem All


Es werden Schilder hochgehalten, hier und da Handys gezückt — vor allem aber wird mitgesungen. Die Nähe zwischen Band und Publikum wird abermals verdeutlicht, als eine engagierte Mitsängerin während eines Songs hörbar zu früh einsetzt (anonyme Quellen behaupten, es handle sich hierbei sogar um eine ehemalige Redakteurin von kultort.at). Momente wie diese auf einem doch so gut besuchten Konzert sind der kollegialen Stimmung unter den Anwesenden zuzuschreiben. Please Madame beweisen musikalisch mit jedem Lied aufs Neue, dass sie selbst wahnsinnig gut miteinander harmonieren. Es ist eine Freude, ihnen beim Spielen zuzuhören, zudem auch instrumentale Breaks punktgenau funktionieren und dem ganzen Konzert noch mehr Power verleihen. “Ship A Dollar to Europe” bildet das Grande Finale und schließt damit einen kollektiven Abriss des alternativen Kulturzentrums ab.

Eine Salzburger Band im Aufschwung

Gegründet wurde die Band im April 2011, Drummer Niklas Mayr macht seit dem vergangenen Jahr einen festen Bestandteil der Gruppe aus. 2015 erschien ihr erstes Album Escape the Nest, woraufhin sie mit dem Austrian Newcomer Award geehrt wurden. Die EP Back to the Start wurde 2017 veröffentlicht. Daraufhin gab es erneut einen Award, nämlich den Heimo-Erbse-Preis. Im April dieses Jahres dann die neue Platte Young Understanding. “Also ich glaube, wir können behaupten, dass es [Young Understanding] unser ausgereiftestes Projekt geworden ist. Wir haben echt viel Energie reingesteckt. Dieses Gefühl, die fertige CD oder Platte in der Hand zu halten, ist schon einzigartig”, schildert Gitarrist Laurenz, ehe Niklas scherzhaft einwendet: “Ist ja auch das erste Album, bei dem ich dabei bin. Muss ja das Geilste sein.”

Die Neuerscheinung wurde und wird verdienterweise hoch gelobt, da Please Madame es schaffen, unkomplizierten, tanzbaren Indie-Rock trotzdem facettenreich und keineswegs seicht zu gestalten. “For the Better” nennt sich die erste Single, die es schon vor dem Album-Release zu hören gab. Das Konzept erschließt sich aus melodischen Gitarren, rhythmisch angenehm eingesetzten Drums und einer unverkennbaren Stimme. Besonders bei der zweiten Single “Lies”, welche durch den Kopfstimmen-Gesang heraussticht, wird einem die stimmliche Range von Dominik vor Ohren geführt. Ein weiteres Highlight des Albums trägt den Namen “Friends” und stimuliert die Endorphin-Ausschüttung ebenso wie der Rest der Platte.

Please Madame sollte man gehört und gesehen haben

Die Jungs liefern eindeutig den Beweis, dass Österreichs Musiklandschaft doch mehr zu bieten hat, als man vielleicht auf den ersten Blick erkennt. Da sie von zahlreichen bestens über Songtexte Bescheid wissenden Fans besucht werden und trotzdem eine gewisse Intimität vorhanden ist, haben ihre Konzerte derzeit Club-Charakter. Fragt sich nur, wie lange das noch so bleibt, schließlich haben die Musiker allen Grund zur Annahme, dass sie bald auch größere Hallen füllen werden.


MEHR: Zwischen Genie und Wahnsinn: Die neuen Arctic Monkeys


Medial sind Please Madame ebenfalls bereits gefragt: Ihre Musik wird auf FM4 gespielt und auch einen Beitrag in der ZIB 24 kann die Band bereits verzeichnen. Außerdem waren sie erst kürzlich in der Sendung ZuKunst des Radio Campus zu Gast. Diesen und auch eine Aufzeichnung einer Sendung mit Paul de Leon kann man sich in wenigen Tagen auf der Homepage des Radios anhören.

Hinweis: Dominik Wendl ist neben seiner Tätigkeit als Frontman von Please Madame auch Redakteur bei kultort.at.

kultort.at auf Twitter: @kultort

[Foto: © Julian Haas]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.