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Fußball-WM: England im Portrait

Harry Kane und seine Boygroup kämpfen für England gegen den Elfmeter-Fluch

Fußball-WM: England im Portrait 1. Juni 20182 Comments

Redakteur

Alle vier Jahre dreht sich in der Welt des Fußballs alles um das wichtigste Turnier: die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Vorbereitung auf Russland portraitiert kultort.at die zehn Top-Favoriten auf den Titel. Jede Woche erwarten euch zwei neue Mannschaften in der Analyse. In diesem Portrait nehmen wir die “Three Lions” aus England unter die Lupe.

Trainer: Gareth Southgate (seit 2016)

WM 2014: Aus in der Gruppenphase

WM-Teilnahmen: 14

WM-Titel: 1 (1966)

Schlüsselspieler: Gary Cahill (FC Chelsea), Dele Alli, Harry Kane (beide Tottenham Hotspur)

Gruppengegner: Belgien, Panama, Tunesien


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Stärken: Jugend mit Konzept.

England war 1966 Weltmeister, doch das war‘s. Weder davor noch danach hat es für bedeutende internationale Erfolge gereicht. Um endlich wieder Titel im Männerbereich feiern zu können, hat die FA (The Football Association) einen Masterplan entwickelt.

Man hat sich ein Beispiel an den erfolgreichen Konzepten aus Deutschland, Frankreich und Belgien genommen. Das Ergebnis kann sich bisweilen sehen lassen. 2017 wurde England zweimal Weltmeister — mit der U17 und U20. Die Grundlage dieser Erfolge bildet der neu definierte Nachwuchs-Fußball. Der Verband entwickelte eine einheitliche Fußballphilosophie bis hinauf zur A-Mannschaft. Diese basiert auf Offensiv- und Mittelfeld-Pressing, Umschaltspiel, überraschenden Tempowechseln und ausgiebigen Ballbesitz-Passagen.

Bei den “Three Lions” wird dieser Plan aktuell von einer jungen Generation rund um Kapitän Harry Kane ausgeführt. Dazu zählen John Stones, Eric Dier, Dele Alli, Raheem Sterling, Marcus Rashford und viele mehr. Diese neue Welle an top ausgebildeten Spielern ist ein Mitgrund dafür, dass verdiente Akteure wie Torhüter Joe Hart, Jack Wilshere und Daniel Sturridge zu Hause bleiben müssen.

Den jungen englischen Spielern ist in Russland vieles zuzutrauen. Funktioniert ihr System und kann sich Teamchef Gareth Southgate in seinem ersten großen Turnier beweisen, wird England mit seiner unbekümmerten Spielweise große Erfolge feiern. Falls nicht, dürfen sie sich zumindest mit der Zukunft trösten.

Schwächen: Turnierreife und Elfmeterschießen.

England hat sich in den letzten Jahrzehnten wahrlich keinen Namen als Turniermannschaft gemacht. Das liegt zum einen an den spärlichen Erfolgen und zum anderen an der Art und Weise, wie diese zustande gekommen sind. Jeweils dreimal scheiterte eine englische Auswahl bei EM- und WM-Turnieren im Elfmeterschießen.

Erfolge auf internationaler Klub-Ebene sind die aktuellen Leistungsträger jedenfalls keine gewöhnt. Alle 23 Kaderspieler spielen in der englischen Premier League. Obwohl diese des Öfteren als beste oder zumindest finanzkräftigste Liga der Welt bezeichnet wird, gab es in den vergangenen zehn Saisonen mit Chelsea und Manchester United nur zwei Klubs, die insgesamt drei internationale Trophäen nach England holten.

Die historische Schwäche der englischen Teams im Elfmeterschießen ist so eklatant, dass sich sogar die Wissenschaft damit beschäftigt hat. So lassen sich die Spieler nach dem Pfiff des Schiedsrichters bis zum Schuss weniger Zeit als ihre Kontrahenten — sie flüchten vor der Situation, erklärt der norwegische Sportpsychologe Geir Jordet. Aus Unsicherheit meiden sie im Vergleich zu anderen Nationen auch deutlich öfter den Blickkontakt zum Torwart.

Nur wenige englische Spieler waren bei den letzten, nicht erfolgreichen Turnieren für die “Three Lions” nominiert. Trotzdem belastet die unrühmliche Vergangenheit sehr. Ob sich die neue Generation in die Reihe der erfolglosen englischen Turniermannschaften eingliedert oder die fußballverrückte Insel wieder zum Leben erweckt, darf mit Spannung beobachtet werden.

Player to Watch: Harry Kane

Harry Kane steht für die Zukunft und die Hoffnungen Englands. Mit gerade einmal 24 Jahren wurde er von Trainer Gareth Southgate zum Kapitän für das anstehende WM-Turnier ernannt. Wirft man einen genaueren Blick auf ihn und seine Vita, wird schnell klar, warum.

Kane ist nicht nur seit Jahren die personifizierte Torgarantie, sondern besticht auch abseits des Platzes durch seine Qualitäten. Southgate adelte ihn als “das Vorbild, das man sich wünscht.” Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Rekordtorschützen Wayne Rooney, bleiben beim Tottenhamer Skandale aus. Kane trinkt keinen Alkohol und hat einen Koch sowie Ernährungsberater engagiert. Dass der in London aufgewachsene Tottenham-Profi noch immer für seinen Herzensklub spielt und mit seiner Jugendfreundin liiert ist, passt gut ins Bild.

Als Kind lehnten ihn Arsenal und Watford ab, weil sein Talent nicht ausreichend schien und er als zu pummelig bezeichnet wurde. Zwischen 2011 und 2013 wurde Kane von den Spurs an vier unterschiedliche Klubs verliehen. Seine Ausdauer und Disziplin sollten sich lohnen. Seit seiner Rückkehr zählt er zu den besten Spielern seiner Mannschaft und wird mittlerweile hinter Messi und Ronaldo als bester Stürmer der Welt gehandelt. Grund dafür sind seine überragenden Torquoten. Dieses Jahr hat der Stürmer für die Spurs bewerbsübergreifend alle 96 Minuten genetzt. 41 Tore in 48 Spielen stehen zu Buche, via transfermarkt.at. Kane ist ein kompletter Stürmer — schnell, kopfballstark und sogar defensiv auffällig. Was ihn jedoch besonders auszeichnet, ist sein Abschluss. Am liebsten direkt oder unmittelbar nach Ballannahme.

Prognose: England schafft die Sensation und gewinnt ein Elfmeterschießen. Auf einen WM-Titel muss jedoch weiterhin gewartet werden, denn spätestens im Halbfinale ist Schluss.

Matthias auf Twitter: @mwFuehrer

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